Inkontinenz – das heimliche Leiden

Blasenschwäche kann in jedem Lebensalter auftreten. Allein in Deutschland sind über 7 Millionen Menschen davon betroffen. Welche Hilfen gibt es?

Über diese Krankheit spricht niemand gern, denn auch heute noch ist sie mit einem Tabu behaftet: Inkontinenz, wie die Blasenschwäche korrekt heißt. Nicht nur Frauen leiden darunter, heutzutage ist jeder 10. Mann davon betroffen. Viele Menschen scheuen den Arztbesuch, denn es ist ihnen peinlich darüber zu reden. Dabei gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von effektiven Behandlungsmöglichkeiten. Hier werden die hilfreichsten vorgestellt.

Ursachen der Inkontinenz

Die Harnblase besteht aus längs und quer verlaufenden Muskelfasern und ist innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Ihre Aufgabe ist es, den Harn zu sammeln. Das Fassungsvermögen dieses Organs kann bis zu 1 Liter betragen, allerdings spürt man meistens schon bei 200 Milliliter Harn einen Drang, zur Toilette zu gehen. Wenn uns unser Gehirn den Befehl gibt, die Blase schon bei geringer Menge Harn zu entleeren, ziehen sich die Muskelfasern zusammen und befördern den Harn über die Harnblase nach außen. Die Harnröhre ist in die Beckenboden-Muskulatur eingebettet, die den äußeren Schließmuskel bildet. Erschlafft dieser Schließmuskel, tritt Harn aus. Eine Störung kann allerdings auch im vegetativen Nervenzentrum liegen, dass nicht bewusst gesteuert werden kann. Aber wie entstehen diese Störungen?

  • Eine der häufigsten Ursachen für Blasenschwäche sind vorangegangene Geburten. Durch die Geburt wird oftmals die Beckenbodenmuskulatur geschwächt, so dass der Schließmuskel der Blase nicht mehr richtig funktioniert. Auch ein Dammriss während der Geburt kann die Nerven schädigen, so dass die Blase nicht mehr willentlich entleert werden kann.
  • Verschiedene Erkrankungen haben oft Inkontinenz zur Folge. Blasenkrebs, Prostatakrebs oder auch verschleppte Blasenentzündungen führen häufig zu dieser Folgeerscheinung. Bei einer Querschnittslähmung oder auch bei fortgeschrittener Multipler Sklerose kann Harninkontinenz eine Folge der Nervenschädigungen sein.

Behandlungsmöglichkeiten und Hilfe

Wenn nur eine leichte Blasenschwäche vorliegt, ist es möglich, mit Hilfe eines regelmäßig durchgeführten Beckenboden-Trainings den Blasenmuskel zu kräftigen. Kurse dafür werden in den örtlichen Sportvereinen oder in der Volkshochschule angeboten und werden oft von den Krankenkassen bezuschusst. Spezielle Hygiene-Produkte aus dem Sanitätsgeschäft oder Drogeriemarkt geben zusätzliche Sicherheit. Allerdings sollte man hier keine Produkte für die Monatshygiene benutzen, da sie nicht für das Auffangen von Harn geeignet sind. Wer nicht die Zeit findet, einen Kurs zu besuchen, hat mit der CoreWellness- DVD, die von einer Sportwissenschaftlerin entwickelt wurde, auch zu Hause die Möglichkeit, seinen Beckenboden unter Anleitung zu trainieren. Auch medikamentös kann der Inkontinenz entgegen gewirkt werden. Wenn all diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, gibt es noch die Alternative eines Blasenschrittmachers. Mit einer Operation wird der Schrittmacher oberhalb des Popos implantiert. Die dazugehörige Elektrode wird unter der Haut in der Nähe des Kreuzbeins eingepflanzt. Mit Hilfe von elektrischen Impulsen reizt der Schrittmacher gezielt die Nerven, die für den Verschluss des Blasenschließmuskels verantwortlich sind. Wenn man auf die Toilette möchte, wird der Schrittmacher ausgeschaltet. Dafür benutzt man einen externen Schalter, der bei Bedarf außen über den Schrittmacher gehalten wird.

Selbsthilfegruppen bei Inkontinenz

In jeder großen Stadt gibt es als ersten Ansprechpartner Selbsthilfegruppen. Dort lernt man Menschen kennen, die unter den gleichen Gesundheitsproblemen leiden und kann von ihren Erfahrungen mit den unterschiedlichen Behandlungsmethoden profitieren. Ein Besuch beim Facharzt sollte aber auf jeden Fall erfolgen.

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