Ist Ginkgo doch kein Heilmittel?

Schmackhaft – aber laut einer US-Studie leider nutzlos

Angeblich unterstützt Ginkgo die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit bis in hohe Alter. Doch eine US-Studie widerlegt diese Behauptung.

Glaubt man den Lobpreisungen der Werbung, unterstützt Ginkgo „die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit bis in hohe Alter“. Zudem lindert es angeblich Kopfschmerzen und Tinnitus. Den Herstellern zufolge senkt die Pflanze außerdem die Gefahr, an Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken. Ginkgo Biloba, wie die Pflanze botanisch korrekt heißt, wird demnach „erfolgreich eingesetzt bei Krampfadern, Thrombose, Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Alzheimer“. Diese Pflanze soll also in fast allen Lebenslagen ein Allheilmittel sein.

Ying und Yang im Ginkgo-Blatt

Die fächerförmig eingekerbten Blätter des Ginkgo und seine Bedeutung in Ostasien haben dazu beigetragen, dass die Pflanze bei westlichen Heilsuchenden populär ist. Das zweigeteilte Blatt steht in der chinesischen Philosophie für die gegenteiligen, aber sich ergänzenden Prinzipien des Yin und Yang. In der chinesischen Medizin wird Ginkgo seit Jahrhunderten verwendet.

Aber wer glaubt schon an Reklame? Wie sieht es also mit Beweisen für die Behauptungen aus? Die bisher größte und langwierigste Studie zur Wirksamkeit von Ginkgo zeigt, dass mit Extrakten des aus Ostasien stammenden Baumes weder Vergesslichkeit noch Alzheimer vorgebeugt werden kann.

Ein Ärzteteam um Steven DeKosky von der University of Pittsburgh belegt im Fachblatt „Journal of the American Medical Association“ (Bd. 300, S. 2253, 2008) weiterhin, dass auch Infarkt, Schlaganfall und Blutungen nicht seltener sind, wenn Ginkgo-Extrakt eingenommen wird.

Studie mit über 3.000 freiwilligen Probanden zur Wirksamkeit von Gingko-Präparaten

Die US-Studie hat Gewicht, denn mehr als 3.000 freiwillige Probanden jenseits der 75 wurden dafür untersucht und im Durchschnitt sechs Jahre lang beobachtet. Die Hälfte von ihnen bekam zweimal täglich ein verbreitetes Ginkgo-Präparat des deutschen Herstellers Schwabe. Die anderen Teilnehmer schluckten ein Scheinmedikament.

Nach Ende der Behandlung waren in beiden Gruppen ähnlich viele Senioren dement geworden. Unter denjenigen, die Ginkgo bekamen, waren es sogar etwas mehr. Andere Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden kamen ebenfalls ähnlich oft vor wie in der Placebo-Gruppe. Schlaganfälle, die auf eine Blutung zurückgingen, gab es bei Probanden, die Ginkgo nahmen, sogar doppelt so häufig. Allerdings war die Zahl der Zwischenfälle so gering, dass die Forscher daraus keine Schlüsse zogen.

Immerhin, Gingko schmeckt

Also, wer Gingko-Präparate nimmt, sollte nicht erwarten, dass sie helfen. Doch alleine in den USA werden 250 Millionen Dollar jährlich mit den Ginkgo-Pflanzenstoffen umgesetzt, obwohl sie als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden und mit dem Hinweis versehen sind, dass sie sich nicht für Diagnose, Therapie oder Prävention irgendeiner Krankheit eignen. Im Jahr 2007 wurde Ginkgo in Deutschland noch im Wert von neun Millionen Euro verordnet. Der Umsatz mit nicht verordneten Präparaten lag deutlich höher. Aber Ginkgo wird darüber hinaus auch in Limonaden und Tees beigemischt und gilt als Lifestyle-Getränk. Und die sind wenigsten lecker.

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