Körpereigene Appetitzügler als Modelle für wirksames Medikament

Körpereigene appetitzügelnde Hormone bremsen den Hunger, indem sie gezielt auf bestimmte Bereiche im Gehirn wirken. Allerdings nicht bei Übergewichtigen.

Vor zwölf Jahren entdeckten Forscher das appetitzügelnde Hormon Leptin. Ein schonendes Mittel zur Behandlung von Übergewicht schien gefunden: Der körpereigene Appetitzügler sollte den Heißhunger bekämpfen, der Übergewichtige dazu bringt, Kalorien aufzunehmen, die sie nicht brauchen.

Übergewicht: Das Appetitzentrum reagiert nicht

Doch es zeigte sich, dass Übergewichtige nicht zu wenig, sondern zu viel Leptin im Blut haben. Bei ihnen wirkt das Hormon allerdings nicht, weil das Appetitzentrum im Gehirn unempfindlich dafür geworden ist.

Bald darauf war mit dem sogenannten „Ciliary Neurotrophic Factor“ (CNTF) ein weiteres appetitzügelndes Eiweiß gefunden, das wie Leptin wirkt. Der Vorteil: Gegenüber diesem CNTF bildet das Gehirn offenbar keine Resistenz aus. Der Nachteil: Das Immunsystem bildet Abwehrstoffe, die CNTF unwirksam machen.

Ein Medikament, das im Appetitzentrum ankommt

Deshalb suchen Forscher noch immer nach Alternativen zu CNTF. Es muss doch einen Wirkstoff geben, so meinen die Experten, den man einem Übergewichtigen geben kann, um sein Appetitzentrum zu aktivieren. Doch um ein solches Medikament zu entwickeln, müsste man zunächst wissen, wo genau und wie genau das appetitzügelnde Hormon wirkt. Bislang ist bekannt, dass es auf eine bestimmte Gehirnregion zielt, den sogenannten Hypothalamus. Dieser Teil des Zwischenhirns reguliert unter anderem den Schlaf-Wachrhythmus des Menschen und auch Hunger und Durst.

Wie erreicht man, dass der Appetit vergeht?

Mit ihrer Studie „CNTF-signaling in POMC-expressing neurons is required for CNTF´s acute anorectic effect“ konnte die Genetikerin Ruth Janoschek nun genau zeigen, welche Zellen im Hypothalamus dafür verantwortlich sind, dass der Appetit nachlässt und damit beherrschbar wird. Ruth Janoschek führte dazu Experimente mit sogenannten Knock-Out Mäusen durch. Diesen Tieren fehlen bestimmte Gene, die bei normalen Mäusen vorhanden sind. Dadurch fallen bei Knock-Out-Mäusen bestimmte Körperfunktionen aus. Die Genetikerin arbeitete in ihren Versuchen mit Mäusen, denen das „gp130-Eiweiß“ in bestimmten Zellen des Hypothalamus, den Proopiomelanocortin (POMC)-Zellen, fehlte.

Weiterfuttern oder abnehmen – das entscheiden bestimmte Zellen

Das Eiweiß Gp130 ist notwendig für die Signalweiterleitung von CNTF. Normale Mäuse reagieren auf CNTF mit Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme. In den untersuchten Knock-Out-Mäusen wirkte CNTF jedoch nicht. Die Versuche von Ruth Janoschek belegen damit, dass POMC-Zellen verantwortlich für die appetithemmende Wirkung von CNTF sind.

Hilfe für Menschen, die trotz Diäten dicker werden

Die POMC-Zellen im Hypothalamus bieten einen viel versprechenden Ansatz für weitere Studien. Möglicherweise lassen sich auf diesem Weg Medikamente für Menschen finden, denen es trotz Diäten und Therapien nicht gelingt, ihr Körpergewicht zu halten.

Für ihre wissenschaftliche Arbeit wurde der Genetikerin Ruth Janoschek von der Universität Köln kürzlich von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) der Novartis-Preis „Junge Endokrinologie“ verliehen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Erkenntnisse der Nachwuchsforscherin könnten zukünftig zur Entwicklung neuer Medikamente gegen Übergewicht beitragen.

Die DGE verleiht den Novartis-Preis „Junge Endokrinologie“ jährlich für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet Klinische und klinisch-experimentelle Endokrinologie. Bewerber dürfen nicht älter als 33 Jahre sein.

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