Kopfläuse und Milben

Manchen Milben können Mensch und Tier befallen. Ob innen oder außen: Der menschliche Körper ist von vielen Lebewesen besiedelt. Viele sind nützlich, einige lebensnotwendig, andere gedeihen auf unsere Kosten.

Der Mensch ist Teil eines Ökosystems. Diese Tatsache vergessen wir leider viel zu oft. Dabei ist schon der menschliche Körper selbst ein wahrer Tummelplatz für kleinste Lebewesen aller Art. Die Hautoberfläche, unsere Schleimhäute, der gesamte Verdauungstrakt und auch Teile der Fortpflanzungsorgane werden zum Beispiel von nützlichen Bakterien besiedelt, mit denen der Mensch eine Symbiose, also ein Zusammenleben zu beiderseitigem Vorteil, eingegangen ist.

Die Kopflaus als ungebetener Gast im Kindergarten

Die kleine Anne hat vor kurzem Bekanntschaft mit einem unangenehmen Untermieter des Menschen gemacht: Es ist die Kopflaus (Pediculus humanus capitis), die sich besonders unter Kindern gerne und rasch ausbreitet:. Sie verbringt ihr ganzes Leben auf dem Menschen. Anne hat die Parasiten aus dem Kindergarten nach Hause gebracht. Ihre Mutter berichtet: „Anne fing an sich ständig am Kopf zu kratzen. Zuerst dachte ich an eine Allergie. Doch als ihr zweijähriger Bruder auch anfing sich zu jucken und zu quengeln, war mir klar, dass da etwas Ansteckendes im Spiel ist.“ Der Kinderarzt stellte auf den ersten Blick Läusebefall fest. Eine Untersuchung aller Kindergartenkinder brachte noch zwölf weitere Fälle zum Vorschein.

Beliebte Aufenthaltsorte der Kopflaus sind (wie der Name schon verrät) die Kopfhaut und andere behaarte Körperstellen wie die Augenbrauen, bei Erwachsenen auch die Bart- oder Achselhaare.

In unseren Breiten überträgt die Kopflaus keine Krankheiten. Aber durch den Juckreiz, den die Tiere verursachen, können an den Kratzstellen ernste Sekundär-Infektionen entstehen. Übertragen wird die Pediculus humanus capitis vor allem über direkten Kontakt. Auch Gegenstände wie Mützen oder Spielzeuge können als Übertragungsvektoren dienen. Kopfläuse können entgegen der landläufigen Meinung aber nicht von Mensch zu Mensch springen. Sie überleben nur kurze Zeit, wenn sie von ihrem menschlichen Wirt getrennt sind. Haustiere wie Hund, Katze oder Meerschwein können sich weder mit den Kopfläusen anstecken, noch die Plagegeister auf andere Menschen übertragen.

Klein, lästig und hartnäckig bis zuletzt: Die Krätzemilbe

Während die Kopflaus mit ihren ein bis zwei Millimeter Größe mit bloßem Auge gut zu erkennen ist, sind andere lästige „Untermieter“, wie die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei scabiei), deutlich kleiner und ohne Lupe schwer zu sehen. Maximal einen halben Millimeter messen diese Lästlinge, im Jungstadium sind sie noch bedeutend kleiner. Krätzemilben verursachen eine stark juckende, sehr ansteckende Hauterkrankung des Menschen. Jana, eine Studentin, brachte sich die Krätze als unerwünschtes Souvenir von einer InterRail-Tour durch Südeuropa mit. Bevor die Krankheit bei ihr erkannt wurde, steckte sie noch ihren Freund und eine Bekannte an. „Wir haben uns dann einige Tage in meiner Wohnung regelrecht verschanzt, bis die Ansteckungsgefahr vorbei war“, berichtet die 24-Jährige. Die Behandlung der Krätze erfolgt meist mit dem Wirkstoff Lindan, der recht giftig ist und in Form einer Lotion auf die gesamte Hautoberfläche aufgetragen werden muss. Wichtig ist dabei, nicht nur die befallenen Körperstellen zu betupfen, sondern die gesamte Haut zu behandeln, da die Milben regelrecht die Flucht vor der giftigen Substanz ergreifen.

Jana hatte noch Glück im Unglück, dass ihre Krankheit noch während der so genannten ersten Krankheitsphase erkannt wurde. In dieser Phase sorgen die Bohrvorgänge der Milben in der Tiefe der Haut für starken Juckreiz und Unbehagen. In einer zweiten Krankheitsphase können Allergien gegen die Milben und ihre Abbauprodukte und komplizierende Zweitinfektionen hinzukommen.

Anstecken kann sich jeder, der in engen Kontakt mit befallenen Personen tritt. Doch nicht jeder Mensch erkrankt auch an den Milben. Manche werden von den Parasiten nur als eine Art Taxi benutzt, um von einem Wirt zum nächsten zu gelangen.

Nur zeitweilig auf dem Menschen unterwegs: Herbstgrasmilben

Manche Parasiten benutzen den Menschen auch nur eine Zeit lang als Nahrungsquelle. Die Larve der Herbstgrasmilbe zum Beispiel befällt Menschen und auch Tiere (Hunde, Katzen), um sich mit einer Blutmahlzeit für den kommenden Entwicklungszyklus zu stärken. Während die Herbstgrasmilbe vor wenigen Jahren noch regional in wenigen Gebieten Deutschlands zu finden war, ist sie heute auf dem Vormarsch und schon fast im gesamten Bundesgebiet heimisch. Die Larven lauern vor allem im Spätsommer und Herbst (daher der Name) im hohen Gras auf ein Opfer, das sie im Vorbeigehen abstreift. Einmal auf der Kleidung oder der Haut kriecht die Milbenlarve so lange herum, bis sie einen geeigneten Platz für die Blutmahlzeit gefunden hat. Beim Menschen ist es oft die Leistengegend, wo die Haut weich und dünn ist. Bei Hund und Katze dagegen befällt sie gerne die Ballenzwischenräume, in denen die Milben anfangs als orangefarbener Punkt erkennbar sind.

Auch die Herbstgrasmilbe löst einen enormen Juckreiz aus, wenn sie sich einen Weg durch die Haut bohrt. Denn ihr Speichel sorgt für massive Reaktionen des Immunsystems, sodass der Juckreiz noch lange anhält, selbst wenn die vollgefressene Milbenlarve den Wirt schon längst wieder verlassen hat.

Besonders aktiv sind die Herbstgrasmilben in der Zeit zwischen 16.00 und 18.00 Uhr. Wer sich zu dieser Zeit ein Sonnenbad auf der Wiese gönnen will, sollte vorher die ausgewählte Stelle mit einem hellen Tuch abziehen, auf dem die meisten Milbenlarven hängen bleiben. Vorsorglich sorgt auch ein stets kurz geschnittener Rasen dafür, dass die Milben nicht so leicht abgestreift werden können.

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