Krebsrisiko durch Ozon und Tonerstaub?

Die gesundheitliche Gefährdung durch Tonerstaub im Büro ist gering. Messwerte sind laut Studie „akzeptabel“. Grenzwerte sollten aber eingehalten werden.

Wie gefährlich sind Ozongase und Tonerstäube wirklich? Seit es Laserdrucker und Kopierer gibt, bewegt diese Frage Mitarbeiter/innen in Büros und Privatleute in ihren häuslichen Arbeitszimmern. Besorgnis erregende Gerüchte kursieren unablässig. Doch was ist Wahrheit, was übertrieben? Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gibt Entwarnung. Sie hat das Ergebnis einer Untersuchung zur Einschätzung gesundheitlicher Gefahren durch Tonerstäube veröffentlicht.

Gefahr durch Tonerstaub geringer als vermutet

Entwarnung? Tonerstäube sind doch nicht so gefährlich wie in den vergangenen Jahren vermutet? Laut Studie liegen die in Büros und bei Servicetechnikern gemessenen Tonerfeinstaubwerte im „akzeptablen“ Bereich. Die Raumluft an den gemessenen Büroarbeitsplätzen enthielt weniger als 30 Mikrogramm „lungengängigen“ Tonerstaub pro Kubikmeter Raumluft. 50 Mikrogramm wurden während der Arbeit von Servicetechnikern gemessen. Beim Recycling von Tonerkartuschen, wobei es besonders rußig zugehen kann, trat eine Maximalkonzentration in Höhe von 60 Mikrogramm pro Raummeter Atemluft auf. Das klingt nicht gerade nach einer Frischluftkur.

Keine Schadstoffe im Blut

Experten des Instituts für Innenraum- und Umwelttoxikologie des Universitätsklinikums Gießen führten den Langzeitversuch durch. Papier nachfüllen in Drucker und Kopierer: Büroalltag für die Testpersonen in 63 Büroräumen in Deutschland. Feinstaub liegt in der Luft. Aber wie viel? Und ist er schädlich? Die Überprüfung: Umweltmediziner der Justus-Liebig-Universität Gießen zapften den Probanden Blut ab. Und fanden keine signifikanten Werte, die eine Belastung des Körpers durch Feinstaub erkennen ließen.

Kratzen im Hals, Husten und Augenreizungen

Moleküle reichen bisweilen aus, um Gerüche wahrzunehmen. Büroangestellte mit empfindlichen Nasen wissen: Je dicker der Stapel Papier, den sie durch den Kopierer schleusen, umso stärker ist die Atemwegsbelastung. Die Symptome reichen von leichtem Kratzen im Hals bis hin zu Augenreizungen, Heiserkeit, Husten und Beklemmung hinter dem Brustbein.

Ozon: Wie entstehen Gerüche in Kopierern und Druckern?

Der intensivste Geruch ist Ozon. Tonerstaub selbst hat keinen eigenen Geruch. Riechen kann man gleichwohl zersetzte Bestandteile des Papiers, während es mit dem Tonerstaub bedruckt wird. Dieser Effekt entsteht unter Hitzeeinwirkung. Im Verlauf des Kopiervorgangs finden im Gerät elektrostatische Entladungen statt, bei denen Sauerstoff verbrannt wird. Unter dem zusätzlichen Einfluss von kurzwelligem Licht entsteht dann als unerwünschter Nebeneffekt Ozongas. Die möglicherweise dabei auftretenden oben genannten körperlichen Symptome können schon ab einem Zehntel des Grenzwertes wahrgenommen werden.

Grenzwerte Ozon

Der Begriff „Ozon“ ist negativ besetzt. Ozongas ist ein natürlicher Bestandteil der Erdatmosphäre. Je nach Jahreszeit und Sonnenintensität schwankt die Konzentration in der Atemluft. Umgerechnet ab etwa 0,09 ml/m3 (180 µg/m3) warnen die Behörden in Deutschland vor gesundheitlichen Gefährdungen. Ab dem doppelten Wert von 0,18 ml/m3 (360 µg/m3) wird von anstrengenden Tätigkeiten im Freien abgeraten. Empfindliche Personen bemerken körperliche Beschwerden wie oben beschrieben sowie eine verminderte Leistungsfähigkeit.

Schleimhautreizungen möglich

Ist Ozon aus dem Drucker nun gefährlich? Laut Berufsgenossenschaft Druck und Papier ist ein Einfluss von Ozongas auf die Lungenfunktion bereits bei 0,08 Milliliter pro Kubikmeter Raumluft nachgewiesen. Darunter gibt es keine Hinweise auf mögliche gesundheitsgefährdende Auswirkungen. Ab dem Grenzwert 0,1 ml/ m3 kann Ozon mit allen biologischen Systemen reagieren und die genannten organischen Reizungen hervorrufen. Die gute Nachricht: Neuere Kopierer und Drucker, besonders solche mit dem blauen Umweltengel, erreichen diese Werte nicht mehr.

Raumlüftung wichtig

Zusätzliche Schutzmaßnahmen müssen laut Studie in Büros nicht ergriffen werden. Um gesundheitliche Gefährdungen auszuschließen, sollten jedoch vorsorglich folgende Maßnahmen ergriffen werden:

· für gute Raumlüftung sorgen

· Abluftöffnungen der Geräte nicht auf Mitarbeiter richten

· Gruppendrucker sollten in einem gesonderten Raum stehen

· Kopieren nur mit geschlossener Abdeckung

· Papierstau im Kopierer vorsichtig beheben, keinen Staub aufwirbeln

· Tonerstäube vorsichtig mit feuchtem Tuch aufnehmen

Kritik an der Studie

Die Begriff einer „akzeptablen Belastung“ wirkt beruhigend, bleibt aber dehnbar. Es fehlen Angaben, mit deren Hilfe die wirkliche Gefahr eingeordnet werden kann. Und so nachdrücklich die Studie Entwarnung geben will, so hinterlässt sie doch Unbehagen durch den abschließenden Verweis auf die zu ergreifenden Vorsichtsmaßnahmen. Und was den Feinstaub betrifft: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) glaubt, dass bereits 10 Mikrogramm Feinstaub in der Atemluft das Leben um ein halbes Jahr verkürzen.

Fazit: Geringe Möglichkeit des Auftretens gesundheitlicher Probleme

Wissenschaftler könnten nie absolute Wahrheiten schaffen, relativierte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das die Untersuchung in Auftrag gegeben hat. „Aber die Studie belegt, dass die Möglichkeit des Auftretens gesundheitlicher Probleme als gering eingeschätzt wird“, betont ein Pressesprecher des BfR auf Anfrage.

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