Microsoft Touch Mouse – Das Touchpad in der Hand

Wer sich die passende Erweiterung für seinen Browser installiert hat – sogenannte Mousegestures, wie sie auf dem Mozilla Firefox vor einiger Zeit aufkamen – der hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass eine kurze Bewegung der Maus nach rechts bei gedrückter rechter Maustaste, eine Seite vorblättert. Dieselbe Geste nach links und schon kommt man auf die gerade verlassene Seite zurück. Alles, ohne den Mauszeiger über eine entsprechende Schaltfläche des Browsers zu manövrieren. Viele Computernutzer machen sich noch vertraut mit den neuen Möglichkeiten moderner Touchpads an ihren gerade erstandenen Netbooks. Fasziniert werden Finger auf dem Touchpad diagonal aufeinander zu oder wegbewegt, um das angezeigte Bild zu verkleinern oder zu vergrößern. Warum soll das nicht auch auf dem Rücken der Computermaus gehen, die noch immer vor jedem Desktop PC zu finden ist, hat sich wohl Microsoft gedacht. Das Resultat dieser Denkleistung ist die Microsoft Touch Mouse. Einen Mausarm wird sie nicht kurieren, aber schnelleres Arbeiten könnte möglich werden.

Windows 7 mit der Maus schneller bedienen

Microsoft will den Nutzern von Windows mit dieser neuen Generation von Computermäusen das Arbeiten erleichtern: den Workflow beschleunigen, wie man auf Neudeutsch sagen würde. Das Design des Hightechtierchens wird dafür bestimmt nicht verantwortlich sein. Diese schwarze Carbon-Sportausgabe eines Schnabeltiers verleitet mit seiner tastenlosen, von weißen x-Zeichen und Punkten übersäten Erscheinung eher zu andächtigen Designstudien, als das sein Nutzer anfänglich an Arbeiten denkt. Sicher, Apple-Enthusiasten werden Ausrufe über stümperhafte Hässlichkeit gen Himmel richten. Insgeheim sich aber weniger Style und mehr Komfort für ihre eigene Apple Multitouch Magic Mouse im Angesicht der augenscheinlichen Ergonomie von Microsofts neuem Nagetier wünschen. Was aber kann das possierliche Tierchen außer gut aussehen?

Alter und neuer Touch

Natürlich bleiben die linke und die rechte Maustaste erhalten, denn ein derart grundsätzliches Prinzip für ein Eingabegerät lässt sich Millionen von Usern auch nicht so einfach wegnehmen oder ersetzen. Die fast profilfreie, glatte Oberfläche, die nur in der Mitte von einem dünnen weißen Strich erkennbar aufgeteilt wird, dient neben der primären Tastenfunktion für links und rechts auch als Berührungssensor. Das Mausrad entfällt. Eine Bewegung mit dem Finger auf dem Mausrücken nach vorne oder hinten vollführt die Scrollbewegungen.

Wird der Finger zur Seite bewegt, werden Fensterinhalte nach links oder rechts gescrollt. Interessant bei der Arbeit mit Microsoft Office und im Besonderen in der Handhabung großer Excelsheets oder Internetseiten, die nicht vollständig auf dem Monitor abgebildet werden. Mit einer eher schubsenden als führenden Bewegung können größere Distanzen schnell zurückgelegt werden. Auch die auf vielen herkömmlichen Mäusen inzwischen als Standard gültige Daumentaste für vorwärts und rückwärts ist vorhanden. Nur eben ohne Tasten, ausschließlich als berührungsempfindliche Oberfläche. Das Video der Kollegen von golem.de vermittelt einen ersten Eindruck.

Noch mehr Fingerübungen

Werden Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig nach oben bewegt, hat das den Befehl Maximieren zur Folge. Browser- und Dateifenster werden so auf Bildschirmgröße aufgezogen. Dieselbe Bewegung nach unten ist mit dem Gegenstück belegt und minimiert das aktive Fenster. Bewegt man beide Finger zur Seite, erkennt Windows 7 das als Aufforderung, das aktive Fenster an den linken oder rechten Bildschirmrand zu bewegen und dort anzudocken. So lassen sich schnell zwei Fenster gegenüberstellen, ohne manuell und mühselig Fenster in die richtige Größe zu ziehen. Führt man drei Finger über den Rücken der Maus nach oben, bekommt man alle offenen Anwendungen gleichmäßig auf dem Bildschirm verteilt und zur Auswahl angeboten, was einen angenehmen Wechsel zwischen vielen offenen Programmen verspricht. Drei Finger nach unten und die Maus schnurrt glücklich, könnte man meinen, aber es werden alle offenen Fenster einfach minimiert und die Maus schweigt genießerisch.

Wer braucht das, was bringt das und was kostet das?

Wer diese Maus tatsächlich gebrauchen kann, wird erst die Praxis zeigen, die laut amazon.de ab dem 16. August 2011 für knapp 80 Euro beginnt. Hat man sich an die verschiedenen Eingabemöglichkeiten einmal gewöhnt, ist ein flüssigeres Arbeiten durchaus vorstellbar. Vor allem dann, wenn mehr als nur eine Anwendung, mehr als nur ein Browserfenster zur selben Zeit genutzt werden. Nur noch die zwei Haupttasten der Microsoft Touch Mouse sind mechanisch und damit anfällig für Verschleißerscheinungen. Alle anderen Funktionen werden durch geschützt untergebrachte Sensoren bewältigt, die zumindest nicht unter mechanischer Einwirkung der Altersschwäche leiden dürften. Zu reinigen sollte diese Maus wirklich nur all zu gut sein, denn keine Ritze, keine Ecke will mehr vom Rückstand harter täglicher Mausschubserei befreit werden. Einmal feucht über den Rücken schrubben und schon strahlt Microsofts neustes Nagetier wieder. Kabellos, mit präziser Bluetooth-Technologie ausgestattet und auf allen Untergründen einsetzbar, selbst auf dem Teppich, behauptet der Hersteller.

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