Neue Infektionskrankheiten durch Klimawandel

Auch in Deutschland breiten sich tropische Erreger aus. Steigende Temperaturen und wachsender Reiseverkehr fördern die Ausbreitung von Mücken und Viren in den Norden.

Bei der Verbreitung von Infektionskrankheiten spielt der Klimawandel möglicherweise eine entscheidende Rolle. Der Grund dafür liegt in sich verändernden Lebensräumen von Krankheitsüberträgern: von Insekten und Nagetieren, insbesondere von Stechmücken, die Träger von Tropenkrankheiten sind.

Tigermücke und Westnil-Virus

Ein Beispiel für die Ausbreitung von Infektionen nach Norden ist der von der Tigermücke übertragene Chikungunya-Virus, der grippeähnliche Symptome auslöst. Ursprünglich nur in Afrika und Asien beheimatet, wird die Mücke immer häufiger auch in Europa beobachtet. Indiz dafür ist unter anderem der europaweit erstmalige und länger andauernde Ausbruch von Chikungunya-Fieber, der sich im Jahr 2007 in Oberitalien zutrug.

Bis nach Ungarn und Österreich ist inzwischen das Westnil-Virus gelangt, das ebenfalls durch Mücken übertragen wird. Bereits 2002 gab es in Nordamerika die erste Westnil-Virus-Epidemie: Über 4.000 Menschen erkrankten, fast 300 starben. Während viele Menschen oft gar nicht bemerken, dass sie sich angesteckt haben, kommt es in einigen wenigen Fällen zu Entzündungen des Gehirns oder der Gehirnhaut. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, ernsthaft zu erkranken.

Sandmücke

Steigende Temperaturen begünstigen auch die Ausbreitung von Sandmücken. Diese Mückenart überträgt den Leishmanienerreger, der die „Orientbeule“ und eine „Kata Azar“ genannte Krankheit überträgt. Ursprünglich waren diese Krankheiten auf Wüstenregionen in Afrika und im Nahen Osten beschränkt; inzwischen hat sich der Erreger bis nach Südeuropa ausgebreitet. Dabei beschleunigen hohe Temperaturen nicht nur die Ausbreitung der Mücken selbst, sondern auch die Virusvermehrung in den Mücken: An heißen Sommertagen dauert es weniger lange, bis die Mücken die Infektion weitergeben.

Malaria, Dengue und Cholera: Rückkehr nach Europa?

Wissenschaftler haben die weitreichenden Auswirkungen des Klimawandels für Deutschland untersucht. In Deutschland gibt es laut dem Tropeninstitut der Universität Rostock sechs Anopheles-Mückenarten, die Überträger der Malaria sind. Malaria war früher auch in Europa heimisch. Endgültig besiegt wurde die Krankheit erst Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Trockenlegung von Feuchtgebieten. Denn die Anopheles-Mücken sind auch auf ausreichend Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Brutplätze für ihren Nachwuchs angewiesen. Obwohl Forscher eine Rückkehr von Malaria nach Mitteleuropa für möglich halten, gibt es derzeit fast ausschließlich durch Reisen eingeschleppte Krankheitsfälle: In Deutschland sind es laut Bundesgesundheitsministerium 600 bis 1.000 Fälle pro Jahr.

Weitere gefährliche Infektionskrankheiten scheinen mit steigenden Temperaturen auf dem Vormarsch zu sein: Größere Cholera-Epidemien gibt es zwar nach wie vor nur in Gegenden mit ungesicherter Trinkwasserversorgung. Dennoch wurde 1996 erstmals im Meerwasser von Medina der Cholera-Erreger Vibrio cholerae nachgewiesen. Das gefährliche, von der Mückenart Acedes aegypti übertragene Dengue-Fieber scheint mit über hundert Millionen neuen Erkrankungen pro Jahr weltweit zuzunehmen. Besonders tückisch: Die Überträger-Mücken scheinen sich an ihre Umwelt anzupassen. Laut Robert Koch Institut (RKI) steht derzeit noch kein Impfstoff gegen Dengue zur Verfügung. Die beste Vorsorge bleibe darum die Vermeidung des Kontakts mit den Mücken.

Vorsorge für Reisen

Wer verreisen möchte, sollte sich vorher über eine passende Vorsorge gegen mögliche Infektionskrankheiten informieren. Denn laut dem Tropeninstitut der Universität Rostock ist neben dem Klimawandel auch der steigende Waren- und Reiseverkehr für die Ausbreitung bestimmter Krankheiten verantwortlich. Die meisten Reisekrankheiten würden durch Leichtsinn und Impfmüdigkeit eingeschleppt, so das Rostocker Institut. Welche Krankenkassen für welche Art von Vorsorge bezahlen, darüber informiert die Abteilung Tropenmedizin der Ludwigs Maximilians-Universitat München auf ihrem reisemedizinischen Infoservice. Viele Kassen erstatten inzwischen die Kosten für alle wichtigen Reiseimpfungen, manche sogar für die Malariavorsorge.

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