Norwegische Studie – Rätselhafter Anstieg bei Migräneerkrankungen

Im März veröffentlichen Norweger Forscher, dass es innerhalb eines Jahrzehnts einen rätselhaften Anstieg der Migränerate um ein Prozent gab.

Die Migräne ist eine unheimliche Erkrankung. Keiner weiß so ganz genau, wie sie entsteht, keiner hat bis jetzt das Patentrezept dagegen erfunden, viele meinen aber, dass sie in Sachen Kopfschmerz auch was zu sagen haben. So entsteht ein Kreislauf aus Hilflosigkeit, gut gemeinten Ratschlägen, Frustration und Verschweigen. Denn wer eine Migräne hat, gibt das ungern zu, das Prestige dieser neurologischen Erkrankung ist dermaßen gering, dass viele Betroffene lieber ihre Migräne verheimlichen, um zu den Schmerzen nicht auch noch ihr Umfeld erleiden zu müssen.

Nun hat eine norwegische Studie herausgefunden, dass die Migräne noch unheimlicher ist, als sie uns ohnehin schon vorkommt. Die Skandinavier haben mit der HUNT-Studie eine der größten Gesundheitsstudien, die jemals betrieben wurde, und diese sagt, dass im letzten Jahrzehnt die Anzahl der Migräniker um ein Prozent gestiegen ist. Scheint erst einmal wenig zu sein, aber für Norwegen allein bedeutet das 45.000 mehr Migräniker. Wenn man diesen Anstieg so auch für Europa annimmt, dann kommt man schon auf fünf Millionen Menschen, die in den letzten zehn Jahren neu an Migräne erkrankten.

Nord-Trøndelag health study (HUNT), medizinische Langzeitstudie an der Universität Trondheim in Norwegen

Die HUNT ist eine der größten medizinischen Langzeitstudien, die es gibt. Zwischen 1984 und 1986 wurden in einem ersten Schritt die medizinischen Daten von 75.000 Norwegern erhoben. Im zweiten Schritt, zwischen 1995 und 1997, lag der Fokus darauf, wie sich die Krankengeschichten von Menschen entwickeln, hier nahmen 74.000 Norweger teil, die dritte Erhebung war ein follow-up mit knapp 50.000 Teilnehmern. Hier wurde untersucht, ob die in der Zwischenzeit in Anspruch genommenen Therapien Wirkung zeigten, viele der Probanden hatten auch an den früheren Studien teilgenommen. Insgesamt umfasst die Datenbank der HUNT die familiären und individuellen Krankengeschichten von rund 120.000 Personen, dazu kommen Daten, die unter anderem aus Blut, Plasma und Serum gewonnen wurden.

Die vergleichende Auswertung der Daten von Schritt zwei und drei zeigt, dass der Anteil der Migräniker in der Studie von 12 auf 13 Prozent stieg. Ausschlaggebend für die Diagnose waren die gleichen medizinischen Kriterien, die Rate der selbst berichteten Migränen war im Erhebungszeitraum nicht angestiegen. Die meisten Anstiege konnten in der Altersgruppe zwischen 20 und 50 beobachtet werden, aber auch die Älteren verzeichneten eine höhere Rate. Menschen unter 20 sind nicht in der Studie eingeschlossen, daher gibt es für sie keine Aussage.

Gründe für den Anstieg der Migränekranken und woran es nicht liegt

Erfreulicherweise sind die Fälle von Migräne nach Schmerzmittelgebrauch nicht angestiegen. Das hätte deshalb sein können, weil auch in Norwegen in den letzten Jahren die Verschreibungspflicht für einige Schmerzmittel aufgehoben wurde und diese daher in größeren Mengen konsumiert wurden. Auch die oft und für alles mögliche beschuldigte Strahlung von Mobiltelefonen scheint nicht der Grund für den Anstieg zu sein, die Studienergebnisse geben das zumindest nicht her. Auch eine frühere Studie der Universität in Trondheim konnte keinen sicheren Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und Kopfschmerzen herstellen. Im Grunde stehen die Norweger vor einem Rätsel. Die unheimliche Erkrankung birgt offenbar ein weiteres Geheimnis.

Allerdings gibt es eine Vermutung. Professor Knut Hagen, einer der Menschen, die mit den Daten der HUNT in Norwegen arbeiten, hält es für möglich, dass intensiverer Bildschirmgebrauch für den Anstieg verantwortlich ist. Die Medizin weiß, dass Migräniker auf visuelle Stimulation signifikant mit Veränderungen im EEG reagieren, was bedeutet, dass flackernde Bildschirme Migräne auslösen können. Und je mehr Stunden man vor dem Bildschirm verbringt, um so höher die Chance auf eine Migräne. Allerdings ist auch dies nur Spekulation, wenn auch auf hohem Niveau. Der wissenschaftliche Beweis für diese These steht noch aus, solange wird die Migräne in einem weiteren Punkt rätselhaft bleiben.

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