Osteoporose: Neue Zwei-Stufen-Therapie gegen den Knochenabbau

Osteoporose ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter. Eine neue Therapie beugt dem Knochenabbau vor und baut verlorene Knochenmasse sogar wieder auf.

Alle 64 Sekunden bricht in Deutschland ein Knochen aufgrund von Osteoporose. Pro Jahr sind das knapp eine Million Knochenbrüche! Osteoporose ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter. Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 60 Jahre leidet unter der fortschreitenden Knochenentkalkung.

Der Grund: Mit zunehmendem Alter verändert sich der Knochenstoffwechsel. Während bis zum 35. Lebensjahr mehr Knochenmasse auf- als abgebaut wird, dreht sich dieses Verhältnis in den Jahren danach um.

Osteoporose – ein Krankheit mit dramatischen Folgen

Wenn die Knochen an Stabilität verlieren, nimmt das Risiko für Brüche zu. Es kommt zu chronischen Schmerzen, zum Verlust der Mobilität – bis hin zum Tod. Nach Angaben der Chirurgischen Klinik der Universität München versterben nach einem Oberschenkelhalsbruch 20 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres. Rund ein Drittel von ihnen sind dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen, fast jeder Fünfte wird pflegebedürftig.

Das große Problem: „Nach dem ersten osteoporosebedingten Knochenbruch steigt das Risiko für weitere Brüche um das Zwei- bis Fünffache“, erklärt Dr. Winfried von Loga, Leitender Arzt Orthopädie am Schwarzwald MedicalResort Obertal in Baiersbronn.

Der Mediziner setzt deshalb auf Prävention. Mit einer neuen Zwei-Stufen-Therapie will man der gefährlichen Knochenkrankheit ihren Schrecken nehmen. Die Osteo-Plus-Therapie kann Osteoporose vorbeugen, noch ehe es zu Knochenbrüchen kommt. Und sie kann angegriffene Knochen wieder stabilisieren, indem sie den Aufbau neuer Knochensubstanz fördert.

Die Osteo-Plus-Therapie im Überblick

Mit einem so genannten Osteo-Check werden die Nierenfunktion, der Mineralstoffhaushalt und der Calzium-Spiegel überprüft und abgeklärt, wie weit der Knochenabbau bereits fortgeschritten ist. Dann bekommt der Patient eine spezielle Infusion, die den Einbau von Calzium in die Knochen fördert und dadurch die Defizite ausgleicht, die den Knochenschwund verursachen. Diese Infusion enthält einen neuen Wirkstoff aus der Gruppe der Bisphosphonate, ein so genanntes Aminobisphosphonat. Das hemmt im Körper ein Enzym, das die Aktivität der für den Knochenabbau zuständigen Osteoklasten anregt.

„Diese Infusion muss lediglich ein einziges Mal pro Jahr gegeben werden, um den optimalen Therapieerfolg zu erzielen“, sagt Dr. Winfried von Loga. Da es nach der Infusion zu Nebenwirkungen wie Schwäche, Fieber, Grippesymptomen, Muskel-, Kopf- oder Gliederschmerzen kommen kann, wird die Therapie nur stationär durchgeführt. „So können wir auch eventuelle Nebenwirkungen besser behandeln.“ Um die Speicherung von Calcium in den Knochen zu verbessern, werden die Patienten zudem täglich mit UVB-Licht bestrahlt. Hinzu kommen noch Physiotherapie sowie ein individuell erstelltes Trainingsprogramm, das Osteo-Plus-Aufbautraining. Das stabilisiert den Knochenstoffwechsel, was wiederum Voraussetzung für den Aufbau neuer Knochensubstanz ist.

Körperliche Belastung verbessert die Calciumaufnahme

Bereits in mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass körperliche Belastung die Calciumaufnahme und somit die Bildung von Knochengewebe maßgeblich fördert. „Deshalb ist ein tägliches Training zur Verbesserung der Koordinationsfähigkeit, zur Steigerung von Muskelkraft und Ausdauer sowie weitere physiotherapeutische Anwendungen unerlässlich“, sagt Benjamin Schwank, Leitender Physiotherapeut der Klinik. „Voraussetzung ist jedoch, dass die Belastung jedem Patienten individuell angemessen ist und es nicht zu einer Überlastung kommt.“ Damit das Training nicht eintönig wird, ist jede Therapiewoche aufgeteilt: Die Patienten trainieren an drei Tagen im Haus (Indoor) sowie drei Tage draußen (Outdoor).

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