Osteoporose – schleichender Knochenschwund

Knochenaufbau, Knochenstoffwechsel und Hormone. Osteoporose wird von Störungen bzw. Veränderungen im Knochenstoffwechsel verursacht. Hormone, Alterungsprozess und Wechseljahre spielen dabei wichtige Rollen.

Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter. Viele postmenopausale Frauen sind davon betroffen. Meistens vergehen Jahre, bis die Krankheit erste Beschwerden verursacht.

Knochenschwund und Instabilität

Umgangssprachlich spricht man bei Osteoporose auch vom „Knochenschwund“. Die Erkrankung wird durch eine Störung bzw. Veränderung im Knochenstoffwechsel hervorgerufen. Der Knochen wird quasi von innen ausgehöhlt und verliert an Stabilität. Die Folge ist, dass der Knochen im fortgeschrittenen Stadium schon bei geringen Belastungen brechen kann.

Symptome: Knochenbrüche, Schmerzen, Funktionsstörungen

Häufigste Symptome bei Osteoporose sind Knochenbrüche, wie z.B.:

  1. Wirbelkörper-Einbrüche
  2. Hüftgelenksnahe Oberschenkelknochenbrüche (u.a. Schenkelhalsfraktur)
  3. Handgelenksnahe Speichenbrüche (distale Radiusfraktur)
  4. Oberarmkopfbruch
  5. Beckenbruch

Einige Betroffene klagen über Rückenschmerzen. Folge einer Osteoporose kann z.B. eine Arthrose (Gelenkverschleiß) sein mit schweren Funktionsstörungen und Schmerzen in den Gelenken.

Knochenaufbau

Für ein besseres Verständnis sollte man sich den Knochenaufbau vor Augen halten. Der Knochen besteht von außen nach innen aus mehreren Schichten. Umgeben ist der Knochen von der Knochenhaut (Periost). Im Bereich der Gelenkflächen ersetzt der Gelenkknorpel die Knochenhaut. Unter der Knochenhaut bzw. dem Gelenkknorpel folgt die dichte Außenschicht auch Kortikalis oder Kompakta genannt. Darunter liegt die leichtere Innenschicht (Spongiosa), die aus vielen zarten Knochenbälkchen aufgebaut ist. Diese Schicht wird auch Knochenmatrix genannt. Würden die Knochen vollständig aus Kompaktgewebe bestehen, könnten wir uns kaum selbst tragen. Der Innenraum der meisten Knochen ist mit Knochenmark gefüllt, das sich zwischen den Knochenbälkchen der Spongiosa befindet. Hier werden die Blutzellen gebildet.

Knochenstoffwechsel: Osteoblasten, Osteozyten, Osteoklasten

Das Knochengewebe befindet sich in einem ständigen Umbauprozess aus Knochenbildung und Knochenabbau. Für diesen Umbauprozess sorgen die Knochengewebszellen. Zellen, die für den Knochenaufbau sorgen, heißen Osteoblasten. Sie scheiden solange Knochengrundsubstanz ab, bis sie vollständig davon eingeschlossen sind. Wenn dies passiert ist, stellen sie die Ausscheidung ein. Diese Zellen werden dann Osteozyten genannt. Die Osteoklasten wirken diesem Prozess entgegen und bauen Knochengewebe wieder ab. Auf diese Weise wird der Knochen ständig auf-, um- und abgebaut.

Parathormon, Calcitonin, Östrogen, Testosteron

Wie bei vielen anderen Vorgängen im Körper wird auch der Knochenstoffwechsel von Hormonen gesteuert. Das Parathormon, das in der Nebenschilddrüse hergestellt wird, regt die Osteoklasten an, Kalzium aus den Knochen zu lösen. Es wird aktiviert, wenn der Kalziumspiegel im Blut unter einen bestimmten Wert sinkt. Das Calcitonin bremst diesen Vorgang schließlich wieder ab und verhindert den übermäßigen Abbau. Es wird in der Schilddrüse gebildet. Östrogen und Testosteron beeinflussen die Bildung und Wirkung der für den Knochenstoffwechsel notwendigen Hormone.

Knochenbaustein Kalzium, Vitamin D

Knochen bestehen aus organischen und anorganischen Substanzen. Der organische Anteil beträgt ca. ein Drittel der Knochengrundsubstanz. Die restlichen zwei Drittel bestehen aus Mineralsalzen. Wichtigstes Mineral ist das Kalzium, das sich als Kalksalz im Knochen befindet. Vitamin D spielt bei der Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und beim Einbau in das Knochengewebe eine entscheidende Rolle.

Alterseinfluss auf die Knochendichte

Das Knochenskelett wird von der Geburt bis zum jungen Erwachsenenalter ständig aufgebaut. Bis zur Pubertät ist der Knochenaufbau unabhängig von den Sexualhormonen Östrogen und Testosteron. Mit Beginn der Pubertät wird der Knochen von den Sexualhormonen abhängig. Zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr ist die maximale Knochenmasse erreicht. Danach überwiegt der Knochenabbau und die Knochenmasse vermindert sich jährlich.

Knochenschwund, Knochenaushöhlung

Am stärksten ist die leichte Knocheninnenschicht (Spongiosa) von der Osteoporose betroffen. Diese Innenschicht besteht aus einer Knochenmatrix mit vielen kleinen Knochenbälkchen. Zwischen den Knochenbälkchen befindet sich das Knochenmark. Im Verlauf des Knochenschwunds werden immer mehr dieser Knochenbälkchen abgebaut. Der Knochen höhlt mit der Zeit aus und wird instabil.

Ungleichgewicht zwischen Osteoblasten und Osteoklasten

Wenn mehr Knochenmasse ab statt aufgebaut wird, ist dies auf ein Ungleichgewicht zwischen Osteoblasten und Osteoklasten zurückzuführen, d.h., die Bildung und Aktivität der Osteoklasten überwiegt die der Osteoblasten. Dies wird durch Hormone z.B. Parathormon, Calcitonin, Östrogen, Testosteron beeinflusst. Ein Mangel an Kalzium und Vitamin D ist mitverantwortlich am Knochenabbau.

Der kontinuierliche Veränderungsprozess im Hormonhaushalt und der damit verbundene Knochenabbau ab dem etwa 35. Lebensjahr ist vom plötzlich veränderten Hormonhaushalt z.B. durch Erkrankung oder Wechseljahre bei der Frau zu unterscheiden.

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