Persönliche Wahrnehmung und Konflikte

Warum die eigene Wahrnehmung immer wieder zu Konflikten führt und wie man dem entgegenwirken kann.

Jeder Mensch sieht die Welt nicht nur mit eigenen Augen, sondern auch auf seine eigene persönliche und einzigartige Weise. Situation, Szenen und Abläufe werden von zwei Personen nie gleich wahrgenommen und nie auf dieselbe Art interpretiert. So kommt es, dass eine liebe Geste als Beleidigung oder gar Bedrohung aufgefasst werden kann und immer wieder Missverständnisse und Konflikte entstehen. Nicht selten führen diese zu einem Streit oder belasten eine Beziehung dauerhaft. Durch das Wissen über die Tücken der Wahrnehmung und eine Kommunikation darüber, lassen sich negative Auswirkungen jedoch vermeiden.

Eine Situation – Zwei Interpretationen

Wahrnehmung erfolgt stets gefiltert. Das menschliche Gehirn sortiert dabei wichtige Informationen aus sämtlichen eingehenden Reizen heraus. Was wichtig ist und was nicht, unterscheidet sich jedoch von Person zu Person gravierend. Wohl jeder hat das Phänomen der gefilterten Wahrnehmung schon einmal sehr offensichtlich erlebt. Kommt, beispielsweise, dem Thema Schwangerschaft eine große persönliche Bedeutung oder Gewichtung zu, erscheinen plötzlich zahlreiche hochschwangere Frauen im Umfeld. Es scheint als trage jede zweite Passantin einen Babybauch vor sich her. Dabei hat sich die tatsächliche Anzahl der schwangeren Frauen sicher nicht augenblicklich ins Unglaubliche gesteigert, lediglich der eigene Filter hat eine Veränderung erfahren.

Einen ebensolchen großen, wenn auch nicht so offensichtlichen Einfluss, auf den eigenen Filter, haben die persönlichen Erfahrungen. Wie eine Situation wahrgenommen und beurteilt wird, hängt davon ab, womit sie verglichen werden kann. Da sich die Vergleichserfahrungen von Person zu Person unterscheiden, kann eine Situation für zwei Personen etwas grundsätzlich anderes bedeuten. Weichen die Interpretationen stark voneinander ab, kann es zu einem Konflikt kommen.

Konflikte vermeiden oder aufklären

Um Konflikte, die durch unterschiedliche Interpretationen einer Situation entstehen, zu vermeiden oder aufzuklären, muss zunächst geklärt werden wie die Situation von beiden Partnern interpretiert wurde. Die persönliche Wahrnehmung darf zudem nicht als die einzige Wahrheit angesehen, sondern sollte realistisch betrachtet und eingeordnet werden. Beide Parteien sollten sich dazu Fragen wie ‚Warum sehe und empfinde ich diese Situation auf diese Weise?‘, stellen und diese Gründe auch kommunizieren. Werden zu diesem Zweck zusätzlich Erfahrungen herangezogen, die zu der Interpretation führten, kann auch die andere Sichtweise meist schnell verstanden und akzeptiert werden. Wichtig ist dabei, vor allem die vorurteilsfreie Kommunikation. Eine andere Sichtweise und Interpretation ist vollkommen normal und geschieht nicht um das Gegenüber zu ärgern oder vor den Kopf zu stoßen.

Akzeptiert man diese Voraussetzung, legt sich der erste Ärger nicht nur meist von selbst, sondern entsteht häufig gar nicht erst. Können dann noch die Vorteile einer unterschiedlichen Sichtweise erkannt werden, sind Konflikte künftig sogar etwas Gutes. Durch die verschiedenen Perspektiven und Interpretationen erweitern sich, wenn es zugelassen wird, das Verständnis und die Fähigkeit zur Selbstreflektion.

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