Politikwissenschaft studieren – Was erwartet Studenten der Politologie?

Die Politologie ist eine empirische Sozialwissenschaft. Verwandt ist sie jedoch auch mit den Geisteswissenschaften sowie der Soziologie und der Volkswirtschaftslehre.

Wer auf der Suche nach einem abwechslungsreichen Studienfach ist, wird bei der Recherche vermutlich früher oder später auch auf die Politikwissenschaft stoßen. Es gibt wohl kaum ein Fach, dessen Bezeichnung für mehr Irritation und Missverständnisse sorgen könnte. Weil das Fach die Politik im Namen trägt, vermuten viele dahinter eine Art Ausbildung zum Politiker. Das will die Politologie gerade nicht sein, sondern sie beschreibt die Wissenschaft von der Politik.

In vielen Studienordnungen wird die Politikwissenschaft als empirische Sozialwissenschaft beschrieben, was ihre Verwandtschaft mit der Soziologie und Volkswirtschaftslehre impliziert. Je nach dem, mit welchem Teilbereich der Politologie man sich im Studium oder in der Forschung auseinandersetzt, wird man jedoch auch viele geisteswissenschaftliche und juristische Bezüge vorfinden.

Die vier Teilbereiche der Politikwissenschaft

Die Politologie spaltet sich in vier Teildisziplinen: die politische Theorie bzw. Philosophie und die Systemtheorie (an deutschen Universitäten befasst man sich vor allem mit dem System der Bundesrepublik), zum anderen die Vergleichende Politikwissenschaft und zuletzt die Internationalen Beziehungen. Obwohl man im Grundstudium ohnehin alle vier Bereiche mit Veranstaltungen bedecken muss, sollte man bei der Studienplatzwahl darauf achten, mit welcher der vier Disziplinen man sich in erster Linie befassen möchte.

Die Numerus clausus sind an den meisten Hochschulen für Politologie generell sehr hoch angesiedelt, Unterschiede gibt es jedoch in den Schwerpunkten der Universitäten. Als besonders renommierte Universitäten gelten die Universität Heidelberg, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Freie Universität Berlin, die Universität Freiburg sowie Bremen. In Bremen befassen sich die Forscher vor allem mit den Systemen Osteuropas, als Student in Heidelberg kann man sich hingegen vor allem mit den südostasiatischen Staaten befassen. Außerdem legen die Lehrstühle an der Heidelberger Ruperto ihre Schwerpunkte auf die Vergleichende Regierungslehre sowie die Internationalen Beziehungen.

Im Studium

Hat man sich für ein Studium der Politikwissenschaft an einem geeigneten Studienort entschieden, muss man dort je nach Studiengang (Bachelor oder Magister) eine bestimmte Pflichtstundenzahl nebst Pflichtveranstaltungen absolvieren. Im Wesentlichen bedeutet das die Abdeckung der vier politikwissenschaftlichen Teilbereiche sowie ein Seminar über die quantitativen und qualitativen Methoden, welche Statistik und Stochastik enthalten. Darin liegt die Empirie der Wissenschaft begründet: Wer also gar kein mathematisches Geschick hat, sollte seine Studienwahl noch einmal überdenken. Mehr Freiheiten bei der Wahl der Kurse hat man im Hauptstudium. Nach der bestandenen Zwischenprüfung beziehungsweise der Bachelor-Arbeit kann man sich intensiver mit zwei Teilbereichen befassen. Hauptstudium bedeutet außerdem, dass mehr Hausarbeiten geschrieben werden müssen als bislang. Mit dem wissenschaftlichen Schreiben sollte man sich daher so früh wie möglich vertraut machen.

Voraussetzungen und nötige Kenntnisse

Da die Politologie von Haus aus eine aus den USA importierte – oder eher von dem Amerikanern nach Europa exportierte – Wissenschaft ist, ist ein Großteil der Literatur in englischer Sprache verfasst. Einwandfreies Verständnis von englischen Texten ist daher obligatorisch, entscheidet man sich für ein Studium der Politologie. Die meisten Universitäten erwarten außerdem Kenntnisse in einer weiteren modernen Fremdsprache. Nicht von Unnutzen ist im Übrigen auch Latein, da die politische Theorie eine wichtige Säule in der Politologie bildet und es häufig besser ist, die großen Denker im Original zu lesen.

Zukunftsperspektiven

Weil die Politiologie kein qualifizierendes Diplom für einen konkreten Beruf liefert, muss man sich als Student der solchen rechtzeitig über die eigenen Ziele Gedanken machen. Selbstverständlich kann man sich auch in der Politikwissenschaft für die Forschung entscheiden, aber auch die Wirtschaft oder sogar die Politik selbst bieten potenzielle Stellen für Politikwissenschaftler. Einen eindeutigen Vorteil genießen Politologen gegenüber Juristen: Sie können auch international arbeiten – etwa in Menschenrechtsorganisationen oder sonstigen Gemeinschaften, die zum Beispiel der UNO angegliedert sind. Auf nationaler Ebene gibt es für Politologen Jobs im Auswärtigen Amt, aber natürlich auch in der Politikberatung oder Ausschüssen in den Parlamenten. Typischerweise landen viele Politikwissenschaftler bei Medien: Politischer Journalismus wird vor allem von Menschen betrieben, die Politikwissenschaft studiert haben. Eine vergleichsweise neue Branche, in der sich Politikwissenschaftler umtun können, stellt das Lobbying dar. Die Stellen in diesen Gruppen teilen sich vor allem Experten, Juristen und Politologen.

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