Rauschen, Zwitschern und Lachen – Waldtöne im Kaufunger Wald 

Mühlenkopf, Hopfen- und Ickelsberg zwischen Spiekershausen und Speele verwandeln die Landschaft und machen das Wandern im Kaufunger Wald abwechslungsreich.

Heute bleiben Auto oder Motorrad kurz hinter Spiekershausen (Gemeinde Staufenberg in Niedersachsen) auf dem kleinen Parkplatz an der Kreisstraße 214, gleich nach dem Abzweig zum Gut Kragenhof, stehen. Dafür werden feste Schuhe und der obligatorische Wanderstock ausgepackt. Auf dem Märchenweg geht es hurtig in Richtung Landwehrhagen.

Etwa einen Kilometer lang erstreckt sich der Wanderweg auf 220 Höhenmetern, flankiert von eindrucksvollen Baumriesen, begleitet von Blätterrauschen und Vogelgezwitscher. Rechts erheben sich der Mühlenkopf und der Hopfenberg und versperren die Sicht ins Fuldatal. Das ist nicht weiter schlimm, denn um den Mühlenkopf gibt es auch einen sehr schönen Rundwanderweg mit Aussicht auf den Fluss, wie im Suite101-Artikel „Am Mühlenkopf ist für Wanderer am Fuldaufer Schluss“ eindrucksvoll beschrieben wird.

Ein ICE pfeift durch die Berge im Kaufunger Wald

An der Weggabelung geht es links nach Speele weiter. Plötzlich unterbricht ein herbes Geräusch die Idylle. Ein ICE braust aus dem Berg um gleich wieder im nächsten zu verschwinden. Man braucht die Zugreisenden nicht zu beneiden, denn vom Ausblick, der sich dem Wanderer auf dem Waldmannsweg hinunter zur Fulda, über Wahnhausen hinweg und weiter zum Reinhardswald öffnet, können die Bahnfahrer nur träumen. Während sie durch die vielen Tunnel rasen, klettert der Waldläufer derweil auf einen Hochsitz am Wegesrand und beobachtet von dort aus die Spielzeug-Autos auf der Bundesstraße 3.

Tschernobyl-Kinder erholen sich im Haus Waldfried

Weiter geht es neben der Fulda, die hier eine Schleife rund um Mühlenkopf und Hopfenberg schlägt, sanft bergab. Und wieder klingen neue, waldfremde Geräusche durch die Luft. Diesmal ist es ausgelassenes Kinderlachen und -rufen. Aber zu welcher Sprache gehört nur dieses rrrollende R? Richtig, im Haus Waldfried in Speele sind ja wieder Gäste aus Tschernobyl angereist. Jahr für Jahr genießen Kinder aus der seit dem Reaktorunglück 1986 verseuchten Landschaft die für sie so dringend notwendigen Erholungsferien. Zwei Vereine in Speele kümmern sich darum und gestalten mit Hilfe und Spenden der Bürger und Unternehmen der Region für die Kinder aus der Ukraine und Weißrussland unvergessliche Tage.

Vergessener Rastplatz ehrt alten Revierförster

Der Wasserleitungsweg führt rechts hinauf zum Ickelsberg. Auf 288 Höhenmetern biegt ein Forstweg nach rechts ein. Weiße Punkte an den Bäumen zeigen, dass es der richtige Wanderweg ist. Die 304 Meter hohe Kuppe des Ickelsbergs wird umrundet. Zehn behauene Steine am Wegesrand kennzeichnen den Grenzverlauf zwischen der Forstgenossenschaft Speele und der Realgemeinde Landwehrhagen.

Ein scheinbar vergessener Ruheplatz hat sich dort im Wald versteckt. Wenn man den ehrenamtlichen Gemeindeheimatpfleger, Horst Hartmann, in seinem Büro im Rathaus Landwehrhagen antrifft, bekommt man darüber folgende Auskunft: Der Platz erinnert an den Landwehrhäger Revierförster Oskar Reetz und dessen Dienste von 1900 bis 1927 für den Kaufunger Wald. Zum 50. Jahrestag der feierlichen Entlassung des verdienten Waldmanns wurde hier oben am Ickelsberg der Reetzhain angelegt. Leider fehlte es später in der Gemeinde an Geld und ehrenamtlicher Kraft, um diesen Rastplatz zu erhalten. Bald wird ihn der Wald verschluckt haben, wenn er nicht vorher wiederentdeckt wird.

Von Landwehrhagen zum Camping nach Vaake

Noch ein paar Schritte durch tiefen Tann und plötzlich breitet sich die Weite einer Feldlandschaft mit grünen und gelben Äckern bis zu den ersten Landwehrhäger Häusern aus. Von dort kommen Anne Cöster und Frank Freier, Rucksack bepackt. „Wir wollen noch bis Vaake zum Wochenendcamping“, erzählen die beiden aus Landwehrhagen. Nun ja, das sind ja nur noch 20 Kilometer. Collie Luna freut sich drauf – schließlich muss sie keinen Rucksack schleppen.

Der Rundwanderweg um Mühlenkopf-, Hopfen- und Ickelsberg führt jetzt zurück Richtung Spiekershausen. Ein auf der Spitze stehendes Viereck kennzeichnet den Wanderweg. Dort, wo der ICE zwischen Ickelsberg und Mühlenkopf immer wieder mal kurz Luft schnappt, ist auch der Märchenweg wieder erreicht, der den Wanderer aus einer sagenhaft schönen Wanderwelt zurück in die Realität führt.

Der Rundwanderweg um Mühlenkopf, Hopfen- und Ickelsberg ist neun Kilometer lang. Dafür braucht man etwa drei Gehstunden. Der Parkplatz hinter Spiekershausen an der K 214 ist Start- und Zielpunkt dieser Wanderung. Einkehrmöglichkeit bietet die Dorfgaststätte von Spiekershausen, der „Fuldagarten“.

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