Realität auf Pausenhöfen – Die heile Welt der Schule gefährdet? 

Gewaltvideos und Drogen gehören auf deutschen Schulhöfen immer mehr zum Alltag. Eltern und Lehrer können nur wenig dagegen unternehmen. Eine Hilfestellung.

Für Außenstehende ist die Schule oftmals ein Ort, an dem die Kinder sicher sind. Sie haben die Hoffnung, dass die Lehrer Missstände so schnell wie möglich beseitigen und die Kinder nicht mit Gewalt und Drogen konfrontiert werden. Doch die Realität sieht anders aus.

Das ahnungslose Elternhaus

Gerade Eltern haben viel Vertrauen in die Schule. Sie glauben häufig nicht, dass in der Schule teils dramatische Zustände herrschen. Lehrer und Behörden haben auch kein Interesse daran, dass solche Probleme nach außen dringen, denn das schadet dem Image der Schule.

Neuere Studien zeigen allerdings, dass gerade Jugendliche in mehr als einem Drittel aller Fälle jemanden kennen, der Gewaltvideos oder Pornografie auf seinem Handy gespeichert hat. Ab dem Schulalter sind es rund 10 Prozent, die Gewaltvideos auf ihren Handys gesehen haben. Gewaltvideos gehören in der Schule zum alltäglichen „Informationsaustausch“ dazu.

Die Eltern ahnen von diesen Dingen nichts. Keiner der Sprösslinge zeigt seinen Eltern diese Videos und selbst wenn die Eltern den Besitz bemerken, hat der Teenager sicherlich schon einige duzend Filme gesehen.

Auch über andere Umstände wie Drogenkonsum oder Mobbing sind die Eltern gewöhnlich nicht informiert. Dabei sind auch diese Dinge an deutschen Schulen sehr weit verbreitet.

Auch viele der Eltern von Kindern, die regelmäßig mit Drogen, Videos und Mobbing in Berührung kommen, glauben nicht daran, dass ihrem Teenager so etwas passieren könnte, oder dass er selbst so etwas tut. Doch die Realität sieht anders aus. Kaum ein Jugendlicher macht sich Gedanken darüber, ob sein Verhalten richtig ist. Und wer so etwas auch nur beobachtet, wird es nicht weitersagen. Es drohen Sanktionen der Mitschüler, der Ausschluss aus der Gruppe oder der Teenager wird selbst zum Spielball seiner Kameraden.

All diese Umstände führen schließlich dazu, dass der Jugendliche nichts sagt – auch seinen Eltern nicht.

Die Lehrer kennen die Vorgänge

Das Vertrauen in die Lehrer mag zwar begründet sein, doch wirklich unternehmen können sie nichts. Jeder Lehrer kennt die Szenen, die sich tagtäglich auf den deutschen Pausenhöfen abspielen. Doch niemand kann daran etwas ändern. Die Schüler melden sich nicht bei den Lehrern und selbst wenn einer der Lehrkräfte einen Schüler mit Joint oder Gewaltvideo entdeckt, kann er es spätestens bei seinem Eintreffen nichts mehr nachweisen, da die Beweise zwischenzeitlich vernichtet wurden. Genau dieser Umstand macht es den Schulangestellten schwer, etwas gegen das Problem zu unternehmen. Und wer glaubt, dass höhere Schulformen eine Ausnahme bilden, wird angesichts der Problematik enttäuscht sein. Gymnasien haben die gleichen Probleme wie die Hauptschulen. Nur sind diese auf höheren Bildungsanstalten nicht ganz so groß, wie auf der Hauptschule.

Sprechen Eltern die Lehrer auf solche Probleme an, bekommen sie in der Regel auch eine ganz klare Antwort. Oft genug können die Lehrer sogar sagen, ob ein Kind selbst Drogen nimmt oder nicht. Und oft genug haben sie ein genaueres Bild von ihren Schülern, als die Teenager selbst vermuten. Lehrer bemerken viel und sagen teilweise wenig, was die Schüler auch immer wieder dazu verleitet zu denken, die Lehrer hätten keine Ahnung. Doch durch dieses Schweigen der Lehrkräfte ist es ihnen immerhin möglich noch einen Teil der Kontrolle zu behalten. Die Lehrer schreiten meist erst ein, wenn die Situation zu gefährlich wird und ein Kind droht, ganz abzusteigen.

Möglichkeiten der Hilfe

Da das Problem in der Schule auftritt, sind Eltern häufig genauso hilflos wie die Lehrer. Und es gibt nicht viele Maßnahmen, die Eltern selbst durchführen können. Im Wesentlichen gelten für die Schulprobleme die gleichen Grundsätze wie auch in der Drogenprävention. Aufklärung ist das oberste Gebot. Die Eltern müssen allerdings auch zugeben können, dass sie selbst schon einmal Drogen probiert haben. Das erhöht die Glaubwürdigkeit. Eltern müssen versuchen, mit ihren Kindern im Gespräch zu bleiben und sich ein Bild von den genauen Umständen machen. Die Teenager reagieren oftmals so, als sei das alles nicht so schlimm und können dann die brutalsten Szenen erzählen. Eltern sollten die Fassung bewahren und nicht schockiert nachfragen, warum das Kind so gleichgültig reagiert. Für den Teenager sind Gewaltvideos Alltag. Und durch den Umstand, dass das Video auf dem Handy anmutet wie ein Kinofilm, wahrscheinlich sogar mit einem solchen gleichgesetzt.

Heimliches ausspähen der Videos auf den Handys sollte tabu sein. Wie soll ein Kind offen sprechen, wenn die Eltern heimlich kontrollieren? Vertrauen ist die beste Basis, die Eltern ihrem Kind in dieser Hinsicht bieten können. Und wenn das Kind das Spionieren bemerkt, dann ist die Gefahr groß, dass es die Eltern nicht mehr informiert.

Auch das Wegnehmen des Handys macht keinen Sinn. Es wird immer mehr zu einem Informations- und Kommunikationsmittel. Und nur weil Eltern das Handy aus dem Leben des Teenagers entfernen, heißt das nicht, dass der Schützling solche Videos niemals wieder sieht.

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