Schuppenflechte: Welche Rolle spielt das Immunsystem?

Bei Psoriasis-Patienten setzen Zellen des Immunsystems Botenstoffe frei, die zu einer Vermehrung von Hautzellen in den obersten Hautschichten führen.

Schuppenflechte ist eine der häufigsten chronischen Entzündungskrankheiten mit etwa zwei Millionen Betroffenen in Deutschland. In den letzten Jahren hat man viele neue Erkenntnisse über die Entstehung und Fortentwicklung der Psoriasis gewonnen und zählt sie deshalb nun zur Gruppe der „immune-mediated inflammatory diseases“ (IMID). In dieser Kategorie befinden sich zum Beispiel auch die rheumatoide Arthritis und der Morbus Crohn. Gemeinsam sind diesen Erkrankungen Ähnlichkeiten im Entzündungsprozess und im Ansprechen auf bestimmte Therapien. Innerhalb dieser Gruppe ist die Psoriasis zu einer „Modellerkrankung“ geworden. Das bedeutet, dass man beispielsweise therapeutische Antikörper primär für die Psoriasis entwickelt und erst später auch für andere Erkrankungen geprüft hat.

Was geschieht bei der Schuppenflechte?

Für die Psoriasis sind mehrere Gene verantwortlich. Vererbt wird nicht die Erkrankung selbst, sondern die auf diesen Genen beruhende Anlage. Diese Anlage können schon ganze Generationen unbemerkt in sich getragen haben, bevor sie bei einem bestimmten Menschen zum Ausdruck kommt. Bei zirka 60 Prozent aller Patienten ist es so, dass zuvor niemand in ihrer Verwandtschaft diese Erkrankung bekommen hatte.

Die Psoriasis kann in jedem Lebensalter ausbrechen. In der Hälfte der Fälle aber kommt es vor dem 22. Lebensjahr zu ersten deutlichen Beschwerden.

Im Vergleich zu gesunder Haut ist die Oberhaut bei der Psoriasis etwa vier- bis fünfmal so dick. Die Neubildung von Hornzellen (Keratinozyten) ist bis um das Achtfache gesteigert. Während die Hornzellen bei gesunden Menschen für ihre Wanderung von der untersten bis zur obersten Hautschicht rund einen Monat benötigen, vollzieht sich dieser Prozess bei Psoriatikern binnen weniger Tage. Viele Zellen kommen unreif in den oberen Schichten an. Die charakteristische Schuppung entsteht durch die massive Ansammlung von unreifen Hornzellen. Die entzündliche Rötung der Haut kommt durch eine Erweiterung der kleinen Blutgefässe (Kapillaren) in der Lederhaut zustande. Die Gefäßwände werden immer durchlässiger. Gewebsflüssigkeit und Entzündungszellen gelangen vermehrt ins Gewebe.

Fehlsteuerung des Immunsystems

Psoriasis entsteht durch eine Fehlsteuerung im Immunsystem. Normalerweise kann das Immunsystem ganz klar zwischen Fremdeiweißen und körpereigenen Substanzen und Geweben unterscheiden. Sind diese Identifikations-Prozesse jedoch gestört, geht das Immunsystem auch gegen körpereigenes Gewebe vor. Bei der Psoriasis bedeutet das: Zellen des Immunsystems setzen Botenstoffe frei, die zu einer Aktivierung und Vermehrung von Hautzellen in der obersten Hautschicht führen. Diese bilden ihrerseits Botenstoffe, die auf Zellen des Immunsystems einwirken. So kommt es zu der überstürzten Hauterneuerung.

Ein Botenstoff spielt bei Entzündungsprozessen eine zentrale Rolle

Bei vielen der Botenstoffe, die Signale von einer Zelle zur anderen übertragen, kennt man die Aufgaben bereits ziemlich genau. Diese Botenstoffe nennt man auch Zytokine. Ein Zytokin, das im Entzündungsvorgang eine zentrale Rolle spielt, ist der Tumornekrosefaktor alpha oder kurz TNF-α. Diesen Botenstoff hat man im Zusammenhang mit Tumoren zum ersten Mal beobachtet, allerdings weiß man heute, dass er noch viele andere Aufgaben hat. TNF-α spielt bei jeder Art von Entzündung eine wichtige Rolle.

TNF-α ist sowohl bei der Entstehung psoriatischer Hautveränderungen als auch bei der Gelenkentzündung bei Psoriatischer Arthritis von maßgeblicher Bedeutung. Sowohl in der veränderten Haut als auch in entzündeten Gelenken befinden sich erhöhte Konzentrationen dieses Botenstoffes. TNF-α pusht das Zellwachstum und fördert die Entzündung in der Haut, indem er verschiedene Entzündungsreaktionen beeinflusst und Produktion sowie Freisetzung weiterer entzündungsfördernder Botenstoffe stimuliert.

Kommunikation mit Zytokinen

Zytokine sind im Körper vorkommende natürliche Botenstoffe. So gehören beispielsweise die bekannten Interferone zu den Zytokinen. Sie weisen die Zellen an, Proteine zu bilden, die sie gegen virale Infektionen widerstandsfähiger machen. Es gibt verschiedene Interferone, die von weißen Blutkörperchen und Fibroblasten gebildet werden und eine immunstimulierende, aber auch eine antivirale und antitumorale Wirkung haben. Auch Interleukine zählen zu den Zytokinen. Ihre Aufgabe ist es, für die sinnvolle Kommunikation der Immunabwehrzellen untereinander zu sorgen, um so koordiniert Krankheitserreger bekämpfen zu können.

Trigger für eine Psoriasis

Als Trigger bezeichnet man in der Medizin Auslöser oder Verstärker von Beschwerden und Symptomen. Bei der Schuppenflechte können folgende Faktoren als Trigger wirken:

  • Körperlicher oder psychischer Stress (z. B. anstrengendes Training, Prüfungssituationen, Partnerschaftsprobleme, Tod eines Angehörigen oder Druck am Arbeitsplatz)
  • Infektionen (besonders die durch Streptokokken verursachte, wie Angina oder Scharlach)
  • mechanische oder physikalische Reize (z.B. Sonnenbrand, Verletzungen, Operationen)
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • Medikamente, z.B. gegen Bluthochdruck (Beta-Blocker), bei Rheumaerkrankungen (Chloroquin) oder Depression (Lithium)
  • hormonelle Umstellungen in Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahren

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