Sich nicht länger selbst im Wege stehen

Glaubenssätze erkennen und ändern. Glaubenssätze wie „Jungen weinen nicht“ sind seit frühester Kindheit im eigenen Wertesystem gespeichert. Unreflektiert blockieren sie heute Karriere und das eigene Glück.

Wie eine Situation, ob im Beruf oder im Privaten, bewertet und auf sie reagiert wird, ist abhängig davon, welche Glaubenssätze gespeichert wurden. Ein Glaubenssatz wird als unumstößliche Wahrheit angesehen, vor allem wenn er seit den Kindestagen fest im Bewusstsein verankert ist. Wer kennt nicht die typischen Glaubenssätze wie „Jungen weinen nicht“ oder „Mädchen sind lieb und brav“, die sogar Ausdruck eines kollektiven Glaubenssatzes sind und als Richtschnur den Weg weisen.

Solche oder andere Glaubenssätze, die im eigenen Wertesystem abgelegt wurden, dienten damals wie heute der eigenen Orientierung und bieten tatsächlich Sicherheit. Denn wenn die Mutter dem Kind den Glaubenssatz mitteilte Sprich nicht mit Fremden“, war sie selbst beruhigt, denn ihr Kind verstand den Hinweis mit Fremden zu sprechen ist nicht okay, hier droht Gefahr“.

Sicherheit und Orientierung wandeln sich zu Stolpersteinen

Doch die damals erlangte Sicherheit und Orientierung wandelt sich im Laufe des Lebens zum Stolperstein. Denn der unreflektierte Glaubenssatz passt nicht mehr in die jetzige Situation; er ist veraltet und überholt. Die Folge: Der Glaubenssatz engt ein, behindert die eigene Entfaltung, blockiert Entscheidungen und Wünsche. Wer weiterhin daran festhält, dass Jungen nicht weinen wird es als Mann schwer haben, Gefühle der „Schwäche“ zuzulassen. Wer als Mädchen abgespeichert hat, lieb und brav zu sein, wird als erwachsene Frau mit ihrem Ausdruck der Wut und Abgrenzung zu kämpfen haben. Nein-Sagen gehört dann kaum ins eigene Verhaltensmuster und wird den Arbeitsstapel auf dem Schreibtisch anwachsen lassen.

Wie Sie Ihre Glaubenssätze erkennen und ändern

Tipp 1: Bewusstmachung ist angesagt

Viele der Glaubenssätze werden oft als solche kaum wahrgenommen. Viel zu lange haben sie unreflektiert das eigene Verhalten geprägt, dass es manches Mal schwer fällt, auf Anhieb welche zu benennen und aufzulisten. Dies ist natürlich, heißt aber nicht, dass keine Glaubenssätze abgespeichert wären. Vervollständigen Sie einmal folgende Sätze so oft Sie können:

„Ich muss…“

„Ich sollte…

„Man muss/sollte…“

„Es gehört sich nicht, …“

„Als Frau bzw. Mann sollte man …“

„Weiblich/männlich zu sein, heißt…“

Beleuchten Sie auf diese Weise jeden Bereich, der Ihnen im Moment wichtig ist, ob Beruf, Karriere, Partnerschaft, Liebe, Ehe, die eigene Elternrolle oder Ihr Singledasein.

Beispiel: „Ich muss meine Aufgaben stets pünktlich abgeben und mich an die Vorgaben des Chefs halten.“

Tipp 2: Ist es denn noch wahr und gültig?

Ohne Überprüfung bleiben natürlich die Glaubenssätze auch weiterhin Stolpersteine. Geben Sie sich für diesen Schritt Zeit. Sicher, bei einigen wird es „klick“ machen und der Glaubenssatz wird als überholt eingestuft und kann mühelos losgelassen werden. Andere sind hartnäckiger, mit diesem Glaubenssatz ist also zu viel verbunden, als dass er sich so „mühelos entsorgen“ ließe. Hier hilft es, sich den Glaubenssatz einmal genauer anzuschauen:

  • Wobei ist Ihnen dieser Glaubenssatz behilflich? In welcher Weise unterstützt er Ihr Leben, Ihr Verhalten und Ihre Entscheidungen?
  • Wie wurde er bisher eingesetzt? In welchen Situationen wurde er bei wem wo, wie und warum angewandt und aktiviert? Was hat dies bewirkt? Bei Ihnen? Bei den anderen Beteiligten?
  • Was würde geschehen, wenn Sie jetzt diesen Glaubenssatz losließen? Welche Gefühle und Gedanken entstehen allein schon bei der Vorstellung? Was müssten Sie tun, um zu einem positiven Ergebnis zu gelangen?

Beispiel: Erhalte so keine Kritik vom Chef. Allerdings sind die Deadlines oft so kurz, dass ich unter zeitlichen Druck gerate, der zu Verspannungen führt. Den Glaubenssatz loslassen, heißt, konsequenter überlegen, wie viel Zeit ich wirklich brauche; dies beim Chef vertreten und auch durchboxen und auch um Unterstützung bitten. Erkenntnis: Da ich immer so fleißig war, hat der Chef auch gerne Extraaufgaben bei mir abgeladen. Dafür muss gemeinsam eine andere Lösung gefunden werden.

Tipp 3: Neues formulieren

Einen Glaubenssatz loszulassen, hinterlässt natürlich ein gewisses „Vakuum“, das zu füllen ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der altvertraute Glaubenssatz gerade in Zeiten von Stress, Veränderungen, Unsicherheit oder auch bei Abgespanntheit wieder aktiv wird. Dies ist ganz natürlich, denn in solchen Situationen ist keine Zeit oder innere Kraft reflektorisch vorzugehen: Sie schalten auf Autopilot und dieser holt sich jeden Glaubenssatz zur Unterstützung hervor, den er finden kann. Deshalb ist es wichtig, alte Glaubenssätze durch neuere zu ersetzen, beispielsweise sich öfters zu bestätigen: Es ist okay, als Mann Schwäche zu zeigen und gar zu weinen“ oder „Ich darf als Frau wütend sein und meine Interessen auch aggressiv vertreten“

Beispiele für neue Formulierungen

„Ich darf mir Zeit geben.“

„Ich darf Aufgaben abgeben.“

„Ich darf Unterstützung anfordern.“

„Ich darf meinen Zeitrahmen vertreten.“

„Ich darf Nein sagen.“

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