Stress in der Schwangerschaft

Risiken für das Ungeborene durch Stresshormon Cortisol

Es ist nichts Neues, dass starker Stress in der Schwangerschaft beim Ungeborenen Schäden auslösen kann.

Das berichteten kürzlich auch englische und amerikanische Forscher im Fachblatt „Biological Psychiatry“. Die Untersuchung zeigte, dass sich die Stresshormone, die eine schwangere Frau ausschüttet, negativ auf die Intelligenz des ungeborenen Kindes auswirken kann.

Um herauszufinden, inwieweit sich Stress auf das Kind im Mutterleib auswirkt, entnahmen die Forscher bei über einhundert werdenden Mütter Fruchtwasser und überprüften dieses auf den Cortisolgehalt. Dieses Hormon wird vom menschlichen Körper besonders dann produziert, wenn dieser unter Anspannung, Stress oder Nervosität leidet.

Untersuchung zeigt: Stress schadet langfristig

Einige Zeit später, die Kinder waren inzwischen auf der Welt und hatten das erste Lebensjahr bereits hinter sich gelassen, stellte man dem Nachwuchs unterschiedliche Aufgaben – von Puzzles über kleine Erinnerungstests und einfache Spiele. Zudem untersuchten die Wissenschaftler, wie stabil und sicher die Mutter-Kind-Bindung war. Das geschah besonders durch Beobachtung.

„Erstmals konnten wir zeigen, dass mehr Cortisol die Gehirnfunktion verschlechtert. Die Konzentrationsphasen waren bei diesen Kindern kürzer, die Sprache und Problemlösung schlechter, der ‚Baby-IQ‘ in Summe geringer“, berichtet Vivette Glover, Autorin der Studie, vom Imperial College London im Interview mit einem Nachrichtendienst. Eine Erklärung, warum der Körper des ungeborenen Kindes das Stresshormon Cortisol nicht blockiert, hat die britische Wissenschaftlerin auch parat: „Scheinbar war es früher sinnvoll, wenn man schon vor der Geburt auf eine Umgebung mit hohem Stress vorbereitet wurde. Das Überleben hing oft davon ab, wenn man die Aufmerksamkeit anderer erregen, aggressiv sein oder Regeln brechen konnte. Heute ist solches Verhalten jedoch nicht hilfreich.“

Aber: Mutterliebe hilft

Die Studie fand jedoch nicht nur heraus, dass das Stresshormon dem Ungeborenen Kind schaden kann, sondern belegte auch, dass Frauen, die während der Schwangerschaft anstrengende Zeiten hatten, das Ganze nach der Geburt wieder gut machen können. So konnte nachgewiesen werden, dass in den Fällen, in den später eine sehr enge Mutter-Kind-Bindung vorherrschte, der Einfluss des schädlichen Stresshormones weit geringer war. In den Augen der Wissenschaftlerin ist diese Bindung dabei nichts, was man unbedingt von vornherein beherrschen muss. Vielmehr könne man dies auch lernen: „Mediziner sollten geschult werden, um Stress bei Schwangeren und jungen Müttern rechtzeitig zu erkennen. Außerdem braucht es frühe Hilfen für Mütter, damit sie sich dem Kind feinfühlig zuwenden zu können“, erklärte die Studienautorin.

Auch andere Wissenschaftler wiesen bereits darauf hin, dass mütterlicher Stress dem Kind Schaden zufügen kann. „Das Risiko des ungeborenen Kindes verdoppelt sich, später das Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) zu entwickeln. Ähnliches gilt auch für Depressionen und Lernschwierigkeiten“, so Glover. Weitere Hinweise, die unter Umständen auch Zusammenhänge mit Schizophrenie oder Autismus herstellten, seien allerdings noch nicht erforscht.

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