Trennung und warum es so schwer ist, sich vom Partner zu lösen 

Anders als noch vor etwa dreißig Jahren werden Partnerschaften heute eher gelöst. Doch eine Trennung ist nicht leicht und ein sich entwickelnder Prozess.

Früher hatte der Trauspruch „…bis dass der Tod Euch scheide…“ genau diese Bedeutung. Krisen wurden durchlebt, im Idealfall verarbeitet und eine Ehe hatte Bestand. Man trennte sich nicht, weil vor allem Frauen bei einer Scheidung oftmals ins gesellschaftliche Aus gerieten. Auch wirtschaftliche Faktoren sprachen gegen eine Trennung. Die Zeiten haben sich geändert. Frauen sind selbstbewusster und auch als getrennte oder geschiedene Frau durchaus gesellschaftlich akzeptiert. Finanzielle Auswirkungen spielen ebenfalls keine Rolle mehr. Trotzdem vergehen manchmal Jahre, in denen eine Partnerschaft schon keine mehr ist, bis einer der Partner den Schlussstrich zieht. Beide halten an dieser Beziehung fest, quälen sich und geraten an einen Punkt, an dem sie sich wünschen, sich nie kennen gelernt zu haben. Warum ist das so?

Das bekannte Unglück

Wenn die Zeit der ersten Schmetterlinge vorbei ist und der Alltag in den Vordergrund tritt, nehmen die Meisten zum ersten Mal die Dinge beim Partner bewusst wahr, die nicht angenehm oder schön sind. Diese tauchen jedoch nicht schlagartig, sondern nach und nach auf. Hin und wieder wird über kleinere Differenzen gesprochen, man bemüht sich wieder eine zeitlang, doch das ist nicht von Dauer. Die Gespräche werden seltener, die Differenzen größer. Gemeinsame Unternehmungen finden immer weniger statt, weil man keine Lust mehr hat, Freizeit mit dem Partner zu verbringen. Letztendlich beschränken sich diese Unternehmungen auf Kontakte zum gemeinsamen Bekanntenkreis. Aber selbst diese Kontakte verlaufen nicht reibungslos. Bewusst oder unbewusst versuchen die Partner, Menschen aus diesem Kreis so zu sagen auf ihre Seite zu ziehen. Immer häufiger kommt der Gedanke an Trennung auf, wird aber nicht offen ausgesprochen. Der Grund liegt in der Sicherheit, zu wissen, wie das Leben in dieser Partnerschaft läuft.

Das unbekannte Glück

Ist der Punkt erreicht, an dem Trennungsgedanken stärker werden, hat bereits ein Ablösungsprozess begonnen, der in der Regel nicht umkehrbar ist. Man sehnt sich nach einer Partnerschaft, wie diese vielleicht zu Beginn einmal war. Doch auch nach der Trennung stürzen sich die Wenigsten sofort in eine neue Beziehung. War auch die vergangene Beziehung nicht glücklich, so enthielt sie doch eine gewisse Sicherheit. Man wusste beispielsweise, wie der Partner in bestimmten Situationen reagiert. Und auch, wenn das vielleicht nicht immer angenehm war, war es doch vertraut. Das neue Glück zu suchen, beinhaltet sehr viel Unsicherheit. Man muss sich wieder auf einen anderen Menschen und seine Gewohnheiten einstellen. Und nicht nur das. Neue Familienmitglieder und Freunde kommen ebenfalls hinzu. Vielleicht folgt ein Wohnortwechsel. All das sind Bedenken, die es nicht leicht erscheinen lassen, sich auf eine neue Beziehung einzulassen.

Eine Trennung verarbeiten

Um sich offen auf einen anderen Menschen einlassen zu können, sollte die Loslösung vom bisherigen Partner komplett vollzogen sein. Das bedeutet nicht, dass nicht ein freundschaftliches Verhältnis bestehen bleiben kann, wenn Beide es wünschen und sich stark genug dafür fühlen. Aber es heißt, im wahrsten Sinne des Wortes loszulassen. Gerade und vor allem von den unschönen Erlebnissen. Ideal ist es, wenn ein Trennungsgespräch stattfinden kann, eventuell mit Hilfe einer unparteiischen Person. Wird der Mut aufgebracht, alle ungesagten Dinge, die zur Trennung führten, aussprechen zu können, ist dies der erste Schritt, los zu lassen. In einem solchen Gespräch geht es nicht mehr darum, Recht zu haben oder Recht zu bekommen. Es sollte nur darum gehen, welche Gefühle in bestimmten Situationen ausgelöst wurden. Kränkungen, Wut, Ärger und Unverstandensein können so ihren Abschied nehmen und den Gedanken und Gefühlen Platz für etwas Neues machen.

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