Umstrittene Süßstoffe. Auch durch Stevia Krebs?

Dickmacher oder Gewichtsreduktion? Krebsrisiko sogar durch natürliches Süßkraut Stevia? Studien pro und contra.

Auf kaum einem Gebiet folgen Erkenntnisse und Ergebnisse die diesen widersprechen so schnell und zahlreich aufeinander wie in den Ernährungswissenschaften. Nur ein kleines aber seit Jahrzehnten heftig umstrittenes Thema aus dem Bereich Ernährung sind Süßstoffe. Welche der zahllosen Studien nicht Interessen der Süßstoff- oder der Zuckerindustrie oder der Diätmittel-Hersteller folgen, ist oft nur schwer festzustellen.

Allgemein

Unbestritten ist, dass Süßstoffe nicht die Bildung von Karies begünstigen. Frei von Glukose bieten sie Diabetikern die Möglichkeit gesüßte Speisen und Getränke zu genießen. In der modernen Ernährungsmedizin ist der Aspekt nicht mehr so relevant, da mit entsprechender Insulintherapie und diabetesgerechter Ernährung der Zuckerspiegel optimal eingestellt werden kann. Vielfach werden Süßstoffe beim Wunsch der Gewichtsreduktion eingesetzt. Es wurde berechnet, dass sich allein durch das Süßen von Kaffee oder Tee mit Süßstoff anstatt Zucker pro Jahr 23 360 kcal einsparen ließen, was einer Fettgewebsmasse von 3 kg entspräche.

ADI

Die gesetzlich zugelassenen Höchstmengen (ADI (Acceptable Daily Intake) für Süßstoffe werden von mehreren nationalen und internationalen Expertengremien begrenzt. Die Grenzen werden festgelegt indem man von lebenslänglich täglich aufgenommener Menge (zuzüglich einem hohen Sicherheitsfaktor) ausgeht ohne dass eine unerwünschte Wirkung auftreten soll. Die Werte beziehen sich jeweils auf mg/kg Körpergewicht.

So legte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit den ADI für Aspartam erstmalig 1984 auf 40mg/kg Körpergewicht fest. Mehrere Überprüfungen in Folgejahren bestätigten die Grenze. Das letzte Gutachten vom 08.01. 2013.

Bei Verwendung der Süßstoffe in den üblichen Verzehrsmengen werden die ADI-Werte nicht oder kaum erreicht.

Schweinemast und Insulinausschüttung

Wiederholt taucht die Befürchtung auf, dass es durch die Aufnahme von Süßstoff zu einer Appetitanregung kommen könnte. Soll eine Gewichtsreduktion erreicht werden, wäre das natürlich kontraproduktiv. Immer wieder wird das Argument Süßstoff würde in der Schweinemast eingesetzt, angeführt. Ausgesprochen seriöse Recherchen, u.a. beim Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig ergaben, dass Süßstoffe nicht zur Schweinemast eingesetzt werden, sondern allenfalls in der frühen Phase der Ferkelzucht zur Umstellung von Muttermilch auf Festfutter, wobei es lediglich um Geschmackskomponenten gehe. Um die gewünschte Süße zu erreichen, würden nur winzige Mengen Süßstoff benötigt.

Laut Futtermittelverordnung gelten Süßstoffe in der Schweinemast jedoch als appetitanregend. Seit den 70er Jahren wird in Studien behauptet, behaupteten, nach der Aufnahme von Süßstoff käme es durch die Wahrnehmung des süßen Geschmacks zu einer vermehrten Insulinausschüttung und damit zu Hungergefühl. Neuere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass kein Einfluss auf den Insulinspiegel gegeben sei.

Gesundheitsrisiko Aspartam?

Das in etwa 6000 Lebensmitteln enthaltene Süßungsmittel Aspartam beispielsweise wird in Zusammenhang mit Kopfschmerzen, Allergien und Epilepsie gebracht. Auch wird ein erhöhtes Krebsrisiko angeführt. Bisher konnten weder eindeutige Beweise für die Schädlichkeit noch für die Unbedenklichkeit geliefert werden, da es zu auftauchenden Studien jeweils Studien gibt, die das Gegenteil beweisen wollen. Jedenfalls gibt es wohl kaum einen so gründlich erforschten Stoff, der auch weiterhin ständig überprüft wird.

Menschen mit Menschen mit Phenylketonurie dürfen Aspartam nicht zu sich nehmen.

Natürliche Stevia

Der aus der Pflanze Stevia rebaudiana gewonnene Süßstoff Steviosid, seit Dezember 2011 in der EU zugelassen, bis zu 30-300 mal süßer als Haushaltszucker, wird als natürlich und damit gesund propagiert. Die aus Südamerika stammende Pflanze ist dort als Süßungsmittel gebräuchlich.

Stevia hat einen Beigeschmack, der es nicht für jeden und nicht für alle Speisen geeignet sein lässt. Das Produkt enthält jedoch immerhin praktisch keine Kalorien und ist nicht kariogen.

Auch bei diesem Naturprodukt kam ein mögliches Krebsrisiko zur Sprache. In Tierversuchen wurde angeblich die Gefahr von vermehrter Tumorbildung belegt. Allerdings wurden hier, wie zum Teil auch bei anderen Süßstoffen, die getesteten Mengen völlig unrealistisch überhöht.

Für Steviosid wurde ein ADI von 4mg/kg Körpergewicht festgelegt.

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