Was bedeutet die Essstörung Binge Eating?

Neben Magersucht und Bulimie gibt es noch eine weitere Essstörung. Magersucht und Bulimie ist als Essstörung einigemaßen bekannt. Was sich hinter Binge Eating verbirgt, bleibt häufig unklar, dabei ist diese Essstörung am häufigsten.

Der Tag war lang, die Stimmung im Büro war denkbar schlecht gewesen, nachdem sich der zweite Kollege heute morgen krankgemeldet hatte. Sie hatte kaum die Zeit gefunden, eine Pause zu machen, wann hatte sie eigentlich zuletzt etwas gegessen? Anna K. hängt den Mantel an den Haken und lässt sich in den Sessel fallen. Sie könnte sich einen Salat machen, dann noch einen heißen Tee trinken, in die Zeitung und mails schauen, danach ein Bad nehmen, bevor sie früh zu Bett geht. Wunderbar.

Es ist Nacht, in der Wohnung im zweiten Stock geht das Licht an. Völlig im Tran geht Anna zum Kühlschrank, macht die Tür auf und beginnt erst langsam, dann immer schneller erst die Joghurts, dann den Schinken, den Käse, den Kartoffelsalat in sich hineinzustopfen. Irgendwo hatte sie doch auch noch Pfirsiche in der Dose und die Croissants, die neue Sorte Schokobällchen und die Gummibärchen für den Besuch der Kinder …

Sie hört erst auf, als nichts mehr da ist, dann lässt sie sich auf den Küchenstuhl fallen. Elend fühlt sie sich, aber nicht nur wegen des vollen Magens, sondern wegen der Scham, dem unglaublich schlechten Gewissen und den nagenden Schuldgefühlen.

Binge Eating – die häufigste Essstörung

Binge Eating – EssSucht, das englische Wort binge bedeutet Gelage, Rausch, Orgie und wird als binge drinking am häufigsten im Zusammenhang mit einem Besäufnis verwendet.

Binge Eating ist die häufigste Essstörung, 30 Prozent aller Übergewichtigen sollen darunter leiden, vermutlich ist die Anzahl aber erheblich größer, denn diese Zahlen sind aufgrund von Befragungen der Übergewichtigen entstanden, die an Gewichtsreduktionsprogammen teilnahmen. Aber auch bei normal schlanken Menschen treten Essanfälle in Form von Heisshungerattacken auf, besonders wenn sie üblicherweise ein sehr kontrolliertes Essverhalten haben.

Die Symptome der Binge Eating Disorder (BED)

Die Symptome für die Ess-Störung Binge eating disorder (BED) sind nach DSM-IV folgende:

  • Essanfälle, bei denen extrem große Kalorienmengen (bis zu 10.000 kcal) verschlungen werden
  • Kontrollverlust über das Essen, z. B. mit das Gefühl, nicht aufhören zu können; dazu gehören drei oder mehr der weiteren Merkmale
  • es wird wesentlich schneller gegessen als normal
  • es wird gegessen, bis ein unangenehmes Völlegefühl auftritt
  • es wird gegessen, obwohl man sich nicht hungrig fühlt
  • es wird allein und heimlich gegessen, weil es einem peinlich ist
  • nach dem Essanfall treten Schuldgefühle, Scham und Depressionen auf

Die Essattacken treten durchschnittlich an mindestens zwei Tagen in der Woche auf, häufig in den Abendstunden und nachts. Was fehlt, sind die kompensatorischen Gegenmaßnahmen, wie Abführmittel, Erbrechen, ekzessiver Sport oder Fasten, so wie sie bei der Bulimie auftreten.

Mögliche Ursachen des Binge Eating

Als Ursache für das Binge Eating gilt besonders das sogenannte gezügelte Essverhalten mit strengen selbstauferlegten Regeln und Verboten beliebter Nahrungs- und Genussmittel. Gleichzeitig werden dabei ein natürlicher physiologischer Hunger und psychologische Genussbedürfnisse massiv beiseite geschoben und kontrolliert. Da ist es oft nur eine Frage der Zeit und der Belastungen durch Stress bis diese harten Kontrollmechanismen zusammenbrechen und die Heisshungerattacken nicht mehr aufgehalten werden können.

Hilfen durch Ernährungstagebuch und flexibles Essverhalten

Die wichtigste Maßnahmen bei Essattacken sind das Führen eines Ernährungstagebuches und ein flexibleres Essverhalten. Durch das Protokollieren des Essverhaltens mit den zugehörigen Situationen reguliert sich das Essverhalten in der Regel bereits etwas ein. Wird parallel das Essverhalten von strengen Regeln und unrealistischen Zielen befreit, sind die ersten Schritte zu einem normalen Essverhalten in die Wege geleitet. Für die weitere Motivation und Unterstützung empfiehlt sich meistens eine professionelle Ernährungsberatung und eine angeleitete Selbsthilfegruppe. Werden die Essattacken durch hohe seelische Belastungen oder eine traumatische Lebensgeschichte begünstigt, brauchen die Betroffenen psychotherapeutische Hilfe.

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