Was ist Gewalt?

Gewalt hat verschiedene Gesichter und ist deshalb nicht immer als solche erkennbar.

Was als Gewalt verstanden wird, ist von Land zu Land unterschiedlich. Denn gerade die verschiedenen kulturellen Richtungen mit ihrem jeweiligen Verständnis von Moral und Ethik beeinflussen, was wir als richtig oder falsch, gefährlich oder sicher einschätzen. Aus diesem Grund wird Gewalt in allen Teilen der Welt anders verstanden, was das Thema sehr diffus erscheinen lässt.

Wie die Weltgesundheitsorganisation Gewalt definiert

Auch wenn internationale moralische Festlegungen fehlen, versuchte sich die Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) an einer entsprechenden Definition. Hiernach ist Gewalt:

„Der absichtliche Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem körperlichem Zwang oder physischer Macht gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft, der entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt.“

Dabei fällt auf, dass weder Opfer noch Täter genauer festgelegt werden. Somit können Männer, Frauen und Kinder sowohl Täter als auch Opfer von Gewalttaten sein. Die Art der Gewalteinwirkung wird allerdings differenzierter dargestellt.

Körperliche Gewalt

An diese denkt man häufig zuerst, wenn von Gewalt gesprochen wird. Sie greift in die körperliche Unversehrtheit des Opfers ein. Nicht nur Schläge, Tritte und Haare ausreißen gehören in diese Kategorie, sondern auch Würgen, mit Gegenständen werfen und Fesseln. All diese Tätigkeiten verletzten das Opfer mehr oder weniger stark.

Seelische Gewalt

Diese Form der Gewalt ist häufig schwer fassbar und wird mitunter von den Beteiligten sogar nicht richtig erkannt. Drohungen und Beschimpfungen lassen sich noch leicht als Gewalttat erkennen. Aber es gibt weit weniger auffälligere Arten seelische Gewalt auszuüben. Jemanden zu kontrollieren oder einzusperren ist ebenso ein Gewaltakt wie ihn zu isolieren. Gerade letzteres geschieht häufig beim Mobbing. Oft merken die Täter gar nicht, dass sie mit ihrem Verhalten seelische Gewalt ausüben. Es geht dem Mobber ja nicht direkt um Gewalt, sondern eher darum, den Gemobbten in ein schlechtes Licht zu rücken. Da er mit seinem Tun allerdings die Selbstbestimmungsrechte und Würde eines anderen Menschen angreift, übt er eindeutig seelischer Gewaltakt aus.

Sexualisierte Gewalt

Diese Form der Gewalt ist gerade in den letzten Jahren immer mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Triebverbrechen wie Vergewaltigung und sexuelle Nötigung werden immer häufiger publik. Aber auch die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verlieren immer mehr ihren Tabustatus und werden in den Medien diskutiert. Alle diese Taten haben gemein, dass der Täter mit dem Mittel der Sexualität Macht und Kontrolle über sein Opfer ausübt. Selbst sexuelle Belästigung fällt in diese Kategorie. Ein Mann, der seiner Kollegin unerwünscht an den Po fasst, übt sexuelle Gewalt aus, da er deren private Grenzen übertritt.

Ökonomische Gewalt

Hierbei handelt es sich um ein finanzielles Abhängigkeitsverhältnis, welches zur Ausübung von Macht genutzt wird. Zum Beispiel verbietet der Ehemann seiner Frau, ein eigenes Konto zu eröffnen, um sie finanziell völlig von seinem guten Willen abhängig zu machen. Der Mann ist der alleinige Herr über die Finanzen und teilt das Geld seiner Ehefrau zu. Dabei achtet er allerdings darauf, dass dieser Betrag sehr knapp bemessen ist. Zum einen will er verhindern, dass seine Frau irgendwelche Beträge für sich abzwacken kann. Zum anderen genießt er es aber auch, wenn seine Gattin ihn regelmäßig nach mehr Geld fragt, da sie mit dem geringen Betrag nicht auskommt.

Vier Formen der Gewalt, aber ähnliche Folgen

Auch wenn die Gewaltformen sich auf den ersten Blick deutlich voneinander unterscheiden haben sie meist ähnliche Folgen. Die Tat selbst wird als etwas Verletzendes erlebt, dem das Opfer machtlos gegenüber steht. Der Täter hingegen ist derjenige, der seine Macht ausübt und durchsetzt. Das Opfer erleidet durch ihn eine körperliche und/oder seelische Verletzung, die erst einmal geheilt werden muss. Viele Opfer entwickeln eine Angststörungen, haben Alpträume oder erkranken an Depressionen.

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