Was ist Homöopathie?

Eine Einführung. Nach welchen Prinzipien arbeiten Homöopathen? Welche Grundlage haben homöopathische Arzneimittel? Was sind die wichtigsten Unterschiede zur klassischen Schulmedizin?

Das Wort Homöopathie stammt aus dem Griechischen: homois = ähnlich, pathos = Krankheit. Dieser Methode liegt die Ähnlichkeitsregel, das Simileprinzip, zugrunde.

Die Homöopathie wurde von S. Hahnemann entwickelt, ist seit 1810 bekannt und gehört heute zum Grund-Heilmittelschatz der Naturheilverfahren.

Es gibt vier Hauptrichtungen der Homöopathie:

  1. Die Ähnlichkeitsregel: „Similia similibus curentur“ (Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt); auch Arzneifindungsprinzip genannt
  2. Die Prüfung von Arzneien am gesunden Menschen
  3. Die homöopathische Arzneizubereitung
  4. Die Gabenlehre

Das erste Prinzip dieser Methode ist also die Ähnlichkeitsregel. Dem kranken Menschen soll das Mittel verordnet werden, „dessen an gesunden Menschen ermittelte Wirkungssymptome am meisten mit den Symptomen des Kranken übereinstimmen, ihnen an ähnlichsten sind“. So können z.B. Abführmittel gegen Durchfall verordnet werden, was zuerst unlogisch erscheint; aber es kommt auf die Verdünnung des jeweiligen Mittels an.

Der Homöopath muss daher über eine genaue Kenntnis der Arzneimittelwirkungen verfügen. Hierzu müssen „Arzneimittelprüfungen am gesunden Menschen“ durchgeführt werden.

Schwierig: die optimale Dosierung

Ein weiterer Grundsatz ist die „optimale Dosierung“, d.h. Zubereitungsart, Menge und Häufigkeit der Arzneigabe sind sehr wichtig, aber nur selten exakt zu erreichen für den jeweiligen Krankheitsfall.

Zitat von Hahnemann: „Wähle um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll.“

Die Homöopathen bewerten eine Krankheit im Hinblick auf die Person als Ganzes und die Abhängigkeit von Umwelteinflüssen. Für homöopathische Zwecke erstreckt sich die Befragung der kranken Person daher auf weit mehr, als es sonst allgemein bei Ärzten üblich ist.

Nicht der statistische Durchschnittsmensch zählt

Gegenstand der homöopathischen Beobachtung ist also immer der einzelne menschliche Organismus, das Individuum, die Person und nicht, wie in der Schulmedizin üblich, der hypothetisch ermittelte Durchschnittsmensch der Statistik. Wichtig sind Einzelheiten über den Patienten wie: sein psychisches Verhalten, die Abhängigkeit seiner jetzigen Beschwerden oder seines Allgemeinbefindens von den äußeren Umständen (Witterung, Temperatur, Tages- oder Jahreszeit, Nahrungsaufnahme, Schlaf, Ruhe oder Bewegung, Einflüsse seiner sozialen Umwelt u. a.)

Um die kranke Person so genau wie möglich untersuchen zu können, beginnt man mit Klagen und Beobachtungen des Kranken sowie seiner Umgebung und seines Arztes, und geht dann über zu den Beobachtungen, die nur mit technischen Hilfsmitteln und ärztlich geübten Untersuchungsmethoden erreicht werden können.

Finden der Leitsymptome

Danach ist es erforderlich, die Gesamtheit der Symptome hierarchisch zu ordnen und die sogenannten „Leitsymptome“ festzustellen. Diese sind wiederum in jedem Einzelfall anders; d.h. der Arzt muss sich völlig auf die jeweilige Person als Ganzes konzentrieren. Die eingesetzten Arzneimittel sollen nun einen bestimmten Reiz auslösen, wobei es schwierig ist, genau die richtige Dosierung zu treffen.

Hahnemann z.B. führte chronische Krankheiten auf Infektionskrankheiten zurück (was, wie man inzwischen weiß, nicht in jedem Fall stimmen muss, jedoch zum Teil Geltung hat). Der Ursprung einer chronischen Krankheit muss in der Geschichte des Patienten zurückverfolgt werden bis zu einer akuten Infektion. Darauf wird dann der Arzneireiz angesetzt, der das ursprüngliche Syndrom wieder hervorruft. Auf diese Art soll die chronische Krankheit praktisch an der Quelle erfasst werden und von dort aus eine neue, günstigere Wendung bekommen. Teilweise gelingt das sogar bei jahrzehntealten Leiden durch bestimmte Mittel, darunter auch Nosoden. (Nosoden sind Arzneien, die aus Körperbestandteilen und Stoffwechselprodukten von Mensch und Tier, von Mikroorganismen und deren nicht mehr giftigen Bestandteilen hergestellt werden.)

Vom Potenzieren

Homöopathische Arzneien werden stets verdünnt, und zwar mit Milchzucker oder Weingeist. Sie werden meistens oral verabreicht.

Dieses Verdünnen (in der Homöopathie „Potenzieren“ genannt) hat nicht nur den Sinn, die Konzentration des Stoffes herabzusetzen, sondern die hohen Potenzen sollen in vielen Fällen besser dazu geeignet sein, den Reiz auszulösen als die niedrigen.

Arndt-Schulzsche-Regel: „Kleine Reize fachen die Lebenstätigkeit an, mittelstarke fördern sie, starke hemmen sie und stärkste heben sie auf … Aber durchaus individuell ist es, was im einzelnen Fall als schwacher, mittelstarker oder stärkster Reiz angesprochen werden muß.“

Viele Stoffe haben in ihrer Ursubstanz überhaupt keine Wirkungen auf den Gesunden. Sie wirken erst nach Verreibung oder Verdünnung mit den bereits genannten Stoffen. Dies sind z.B. Schwermetalle, Kieselsäure, verschiedene Kohlen, Sepia usw. Aus diesen Stoffen wird erst durch ihre Zubereitung eine homöopathische Arznei, während z.B. Pflanzen durch die Zubereitung nur leichter anwendbar gemacht werden sollen. Wenig einleuchtend erscheint es auch, weshalb z.B. Kochsalz durch Verreibungen und die davon abgeleiteten Potenzen andere Wirkungen erzielt als die gewöhnlichen Kochsalzlösungen.

Die Gabe, die eine ganz kurzfristige, kaum merkliche Erstverschlimmerung hervorruft, ist nach Hahnemann die optimale. „Nur wenn die nachfolgende Besserung nicht vollständig ist, sollte ein neuer Reiz derselben Art, aber möglichst in anderer Potenz, eingesetzt werden.“ Die Dosierung richtet sich außerdem nach dem Krankheitsverlauf.

Übergeordnet ist in jedem Fall die Arzneizubereitung, die Zustandsform des Präparats, erst danach kommt die wirksame Menge.

Eine sanfte Heilmethode

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Homöopathie eine Arzneitherapie ist. Die verabreichten Mittel sollen nicht von außen her den Körper chemisch manipulieren, sondern praktisch „Hilfe zur Selbsthilfe“ für den kranken Organismus bieten.

Mit kleinstmöglichen Arzneimengen wird der Körper zur Selbstheilung gereizt. Oft tritt die Heilung sehr spontan ein, was sich aber kaum vorausberechnen lässt. Das Gute an dieser Methode ist, dass sie so gut wie keine schädlichen Nebenwirkungen hat. Der Körper wird durch die homöopathischen Mittel nicht belastet oder geschädigt – zumindest kommt dies äußerst selten vor -, wie das bei in der Schulmedizin üblichen Mitteln häufig der Fall ist. (Beispiel: Kortison gegen chronischen Hautausschlag: der Ausschlag klingt ab, aber die Haut wird papierdünn. Nach Absetzen des Kortisonpräparates ist der Ausschlag wieder da.) Der Körper soll also nur in seiner Selbstheilung unterstützt bzw. dazu angeregt werden.

Die Einnahme homöopathischer Mittel kann normalerweise auch nicht zu Sucht führen, sondern ist eine sehr sanfte Heilmethode.

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