Weltraumnahrung: Besser essen im Weltall

Weltraumnahrung war bisher lediglich funktional, der Geschmack ließ meist zu wünschen übrig. Einige Sterne-Köche sorgen jetzt für Veränderung.

Auch oder gerade unter den besonderen Bedingungen im Weltall ist das Essen ungemein wichtig. Allerdings nicht nur für die physische Verfassung, denn wie Forscher schon vor längerer Zeit herausfanden: Je schmackhafter das Essen, desto wohler fühlt sich auch die Psyche. Das Essen im Weltall ist jedoch mit verschiedenen Problemen verbunden, sodass meist eher die Funktionalität denn der Geschmack bei der Herstellung im Vordergrund stehen. Doch Platzersparnis, Haltbarkeit und Nährstoffgehalt sollen nicht länger die einzigen Kriterien für die Astronautennahrung sein.

Mehr Geschmack für Raumfahrer

Anfang 2010 gründete das Nobelrestaurant-Unternehmen Traube Tonbach in Kooperation mit der Europäischen Weltraumagentur ESA eine Initiative zur Entwicklung von Gourmet-Rezepten für die Raumfahrt. Die Idee lieferte der deutsche Astronaut Ernst Messerschmidt, der das Unternehmen mit einem Vortrag überzeugte, dass gutes Essen auch in außerirdischen Sphären möglich sein könne. Der deutsche Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt und weitere Sterne-Köche aus insgesamt 6 europäischen Ländern entwickeln seitdem Gerichte, die für den Verzehr im All geeignet und zudem noch eine Freude für den Gaumen sind. Ein solches Menü setzt sich nach Harald Wohlfahrt folgender Maßen zusammen: Als Vorspeise wird Kartoffelsuppe mit Majoran und Blutwurst serviert, als Hauptgang Kalbsbäckchen auf Gemüse und Bohnenpüree in Balsamicoessigsoße und zum Dessert gibt es Zwetschgenkompott in Sternanis-Gewürzsud. Die Astronauten freut es.

Nahrungsaufnahme in der Schwerelosigkeit

Essen im Weltraum ist kompliziert. Zunächst wären da die Schwierigkeiten, welche die Schwerelosigkeit verursacht: Bei flüssiger Nahrung können sich Tröpfchen lösen und die Elektronik an Bord beschädigen. Meist ist die Verpflegung deshalb gefriergetrocknet, sterilisiert und abgepackt in Konserven, Tuben oder vakuumverpackt in Folie. Zum Verzehr muss die Nahrung dann mit Wasser aufgeweicht und zu einem Brei verarbeitet werden. Auch Harald Wohlfahrts Drei-Sterne-Menü gibt es für die Astronauten nur aus der Dose, die Balsamicoessigsoße des Hauptgangs musste stark angedickt werden. Gut verträglich sollte das Essen aber aber auch sein, denn auch das Rülpsen äußert sich im All meist in flüssiger Form.

Kaum Hungergefühl und Geschmackssinn

Der Körper des Menschen reagiert im Weltall anders als auf der Erde. Hunger und Durstgefühl sind nur geringfügig vorhanden, sodass die Astronauten feste Essenszeiten brauchen, um das Essen nicht zu vernachlässigen. Auch die Anzahl der Kalorien und Nährwerte der täglichen Ernährung sind genau vorgeschrieben, besonders wichtig ist die Zufuhr von Calcium für den Knochenaufbau und von Vitamin D, welches ohne Sonnenlicht nicht vom Körper produziert werden kann. Forschungen ergaben, dass ein Mensch während eines Monats im All etwa 1 % seiner Knochenmasse verliert. Nachdem lange die Schwerelosigkeit in Verdacht stand, dafür verantwortlich zu sein, ergaben neuere Studien, dass Salz den Knochenabbau im Weltall beschleunigt. Da der Geschmackssinn im All weniger ausgeprägt ist, neigten die Astronauten dazu, das Essen zusätzlich zu salzen – Gewürze wie Salz- und Pfeffer stehen aufgrund der Schwerelosigkeit in Wasserlösungen oder in Ölen zur Verfügung. Umso schwieriger die Mahlzeiten abwechslungsreicher und schmackhafter zu gestalten: Harald Wohlfahrt verwendet verschiedene Kräuteressenzen, Gemüsepasten oder Gemüsesorten mit starken Aromen, um den Gerichten auch ohne Salz die nötige Würze zu verleihen.

Essen als gemeinsame Abwechslung

Schließlich gibt es noch einige andere Nahrungsmittel, die sich nicht für den Genuss im Weltall eignen – allerdings aus ganz banalen Gründen. Zwiebeln aller Art sollten lieber nur auf der Erde gegessen werden, denn sie können zu Blähungen führen. Und da die Astronauten keine Möglichkeit zum Lüften haben, müssen sie im Sinne aller auf Gerichte verzichten, die zu Verdauungsproblemen führen. Allgemein aber ist das gemeinsame Essen der Astronauten häufig eine Abwechslung im klar strukturierten Alltag der Raumfahrer. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Astronautennahrung hin und wieder auch lecker schmeckt.

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