Wie entsteht Mutismus?

Mutismus. Wenn es dem Kind die Sprache verschlägt. Zuhause spricht das Kind, es lacht, singt und tollt herum, doch in der Schule oder im Kindergarten verstummt es plötzlich und zieht sich zurück.

Manche Kinder sind von Natur aus ruhiger und schüchterner als andere, ohne dabei auffällig zu sein. Manche plappern einfach drauf los, egal wann und egal wo sie sind, ebenfalls ohne dabei auffällig zu sein. Aber hin und wieder gibt es Kinder, die in bestimmten sozialen Situationen oder in Gegenwart bestimmter Personen schweigen beziehungsweise nahezu sprachlos bis stumm wirken – meist ohne erkennbaren Grund, denn in der gewohnten sozialen Umgebung sind sie sprachlich unverändert aktiv.

Worum geht es beim Mutismus?

Mutistische Kinder haben eine abgeschlossene Sprachentwicklung und Sprachfertigkeit, sie sind normal intelligent und trotzdem gelingt es ihnen offenbar nicht, sich überall verbal zu äußern – sie sind unfähig zu sprechen. Sie kommunizieren stattdessen nonverbal, beispielsweise schriftlich oder über Mimik und Gestik. Im häuslichen Umfeld scheint alles in Ordnung zu sein, sie haben Bezugspersonen, an die sie sich wenden und in deren Gegenwart sie sich problemlos mit Worten verständigen, obwohl es in der vertrauten Umgebung mitunter, als Reaktion auf die eigene Problematik, zu einem aggressiven Verhalten kommen kann. Diese Form des Mutismus ist am häufigsten vorkommend und wird elektiver oder auch selektiver Mutismus genannt.

Ursachen des Mutismus

Der elektive Mutismus, also die Scheu zu sprechen, hat durchaus einen Bezug zu diversen Angststörungen oder ist gar Begleiterscheinung einer solchen – bisweilen macht schlicht die Umgebung außerhalb des Gewohnten Angst. Neben einem selektiven Mutismus können weitere Symptome auftreten, zum Beispiel Bettnässen oder Schlafstörungen, was hinterfragt werden sollte. Zudem sollten etwaige Auslöser wie Kränkungen hinterfragt werden. Parallel müssten familiäre Schwierigkeiten, mögliche psychosoziale und psychiatrische Ursachen sowie einige Entwicklungs- und Sprachstörungen bedacht werden. Gleichwohl, häufig fehlen nachvollziehbare Ursachen.

Formen des Mutismus

Vom elektiven muss man den totalen Mutismus unterscheiden, welcher sich durch das Schweigen gegenüber allen Personen definiert und dem meist schwere, eventuell familiäre traumatische Erlebnisse zugrunde liegen. Unter Umständen kann ein elektiver Mutismus in einen totalen Mutismus übergehen.

Entwicklung, Vorkommen und Häufigkeit des Mutismus

Der elektive Mutismus ist selten (unter 1%), betrifft vorrangig Mädchen und entsteht um das dritte bis vierte Lebensjahr, gelegentlich auch später. In der Regel beginnt der elektive Mutismus schleichend, da dieser Form nur vereinzelt ein schweres seelisches Trauma oder ein dramatisches Ereignis vorausgeht – dennoch sollte diese Möglichkeit immer in Betracht gezogen werden. Mutismus ist eine andauernde Störung, das heißt, sie besteht mindestens über einen Zeitraum von vier Wochen, eher länger, und kann nicht durch die Entscheidung, wieder sprechen zu wollen, aufgehoben werden.

Mögliche Behandlungsansätze und Ziele bei mutistischem Verhalten

In erster Linie sollten eventuelle Auslöser und Ursachen angesehen und möglichst behoben werden. Um letztendlich die Scheu vor dem Sprechen zu verlieren und damit einen Weg aus der eigenen Isolation zu finden, können bewegungs-, kunst- und musiktherapeutische Maßnahmen sehr wirkungsvoll sein. Darüber hinaus sind Verfahren wie die Craniosacrale Therapie, Feldenkrais und andere Körpertherapien von großer Bedeutung. Unbedingt sollte vermieden werden, ein mutistisches Kind zum Sprechen zu drängen – in der Folge könnte sich das Problem verstärken. Wichtig kann auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern betroffener Kinder sein.

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