Wie Fotomotive beim Wandern das Leben bereichern

Eine Wanderung muss keine Eintagsfliege sein. Sie kann das Leben für immer mit Erinnerungen bereichern – wenn man sich der Natur öffnet und deren Erzählungen. Fünf Beispiele zeigen, wie der Wanderer oder Reisende mehr erlebt und erkennt, wenn er für alle – oft unscheinbar erscheinenden – Geschichten seine Sinne öffnet. Auge Ohr und Nase nehmen viel auf. Die Erinnerung daran, beispielsweise an ein Sommergewitter oder an den Duft einer Bergwiese wird beim Betrachten eines Fotos wieder geweckt.

Fotografieren braucht Zeit

Mit fünf Bildern und den sich dahinter verbergenden Erlebnissen oder Eindrücken zeigen dem Wanderer oder Reisenden, wie Fotomotive beim Wandern das Leben bereichern. Dabei ist nicht die Qualität der Aufnahmen entscheidend, sondern das Motiv für den Fotografen, den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Für gute Fotos sollte man sich Zeit nehmen. Das bringt immer wieder Freude beim Betrachten.

Wichtige Regeln für bessere Fotos

  1. Suchen verschiedener Standorte für alternative Sichtweisen
  2. Interessanten Vordergrund wählen
  3. Horizonte nicht in der Bildmitte
  4. Auf das Hauptmotiv im Bild scharf stellen und belichten
  5. Varianten über optisches Zoomen (dreifach reicht aus)
  6. Fotografien in Berg- Wander- und Reisebücher ansehen – warum gefällt ein Foto?

Das Kätzchen auf der Seekarspitze

Beim Suchen eines Vordergrundes auf der Seekarspitze für ein Foto sah der Wanderer in einer Felsnische ein Kätzchen liegen. Es war einer der heißesten Tage im August. Sicher war die junge Katze von der Hitze der Alm auf über 2.000 Meter geflüchtet. Für den fremden Betrachter ist es ein Katzenbild wie tausend andere. Der Fotograf jedoch wird beim Betrachten des Bildes stets das Bergerlebnis nachempfinden.

Die Alpendohle der Nördlinger Hütte

Hungrig erreichte der Bergfreund hoch über Seefeld die Nördlinger Hütte. Er genoss den Ausblick von der Terrasse aus zur Zugspitze. Eine Bergdohle setzte sich auf das Terrassengeländer und blickte ihn fragend an. So bestellte der Wanderfreund seine Suppe mit einem zweiten Seckknödel. Den brauchte er auch komplett für den schwarzen Vogel. Scheu flog er sofort nach Aufnahme eines Stücks des köstlichen Knödels einige Meter fort. Mit jeder Gabe wurde er aber zutraulicher. So wurde die Alpendohle als Vordergrund zur Zugspitze zum Hauptmotiv.

Gespiegeltes Matterhorn

Im dämmernden Tag aufgebrochen, erreichte der Wanderfreund einen Bergsee. Das Matterhorn leuchtete in der Morgensonne prächtig herüber. Eine dünne Eisschicht am See verhinderte die Spiegelung des berühmten Berges. Da brach sich der findige Wanderer aus dem Eis eine kleine Platte und schaufelte damit etwa 20 Minuten Wasser auf die gefrorene Seeoberfläche. Das Foto mit dem spiegelnden Matterhorn erinnert lebenslangan die Arbeit. Beim Betrachten eines Bildes mit einer Geschichte wird die gesamte Bergtour in der Erinnerung lebendig.

Überraschung im Nebel im Puittal

Einsam wandert der Bergsteiger schon eine Stunde im dichten Nebel hinauf zum Puitegg. Kalt ist es und keine Sicht auf die Berge. Plötzlich wechselt der Nebel seine Farbe – vom eintönigen Grau in ein helleres Gelbgrau – und reißt auf. Eine Bergspitze in der Morgensonne ist zu sehen. Der Nebel steigt und gibt die Sicht frei auf eine Herde Gämsen, nur wenige Meter entfernt. Erschrocken teilt sich die Gruppe und flüchtet in zwei Richtungen. Eine Gämse aber bleibt stehen und starrt den Wanderer an. Sie braucht eine Weile, bis sie sich zur Flucht für entscheidet. Das Foto danach zeigt die Freigabe der Sicht zum Berggipfel – aber die Erinnerung an die Gämsen wird beim Betrachter stets wachgerufen.

Wertvolle Heidelbeeren als Retter in Savoien

Wandern in einem neuen Gebiet ist für Überraschungen gut. Wandern in Hochsavoyen ist ein Hochgenuss – wenn man mehr als sonst gewohnt zum Trinken mitnimmt. Denn die französischen Alpen sind wärmer und trockener als die Gegenden weiter östlich. Je näher der Bergfreund dem Gipfel des Grand Croisse Baulet kommt, desto mehr schwitzt und trinkt er. Der Wanderpfad führt um den Berghang und unmittelbar wird der Blick frei auf den Mont Blanc.

Der letzte Schluck gegen den Durst beendet den Trinkvorrat. Die fehlende Flüssigkeit läßt ihn langsamer werden. Am Gipfel, nach einer kurzen Rast treibt der große Durst den Wanderer ins Tal. Da sieht er, wie sich eine Frau mitten in den Büschen eifrig immer wieder bückt. Schon findet er sich inmitten von Heidelbeerbüschen. Eine Handvoll nach der anderen pflückt der Wanderer und genießt den köstlichen Saft. Den Durst gemildert, erreicht er das Tal. Das Bild erinnert ihn immer wieder an seine erste Bergtour in Hochsavoien und den rettenden Blaubeeren.

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