Wie man Cluster für das wissenschaftliche Schreiben benutzt

Das Schreiben von Hausarbeiten und Facharbeiten ist für viele Schüler und Studenten schwierig. Cluster können helfen, allerdings sollte man wissen wie.

Der Weg zur Facharbeit, zum Diplom oder zur Doktorarbeit ist häufig steinig. Die Technik des Clusters kann hervorragend helfen, ist aber kein Allheilmittel.

Cluster fördern die Lesefertigkeit

Als allererstes sollten Sie frühzeitig mit der Technik des Clusters beginnen. Auch wenn die Methode einfach genial ist, hilft Sie Ihnen nicht drei Tage vor Abgabe einer umfangreichen Arbeit. Wenn Sie studieren oder sowieso viel mit Textproduktion zu tun haben, fangen Sie am besten gleich an.

Dabei ist das Einüben ganz einfach. Sobald Sie einen Text zu lesen haben, nutzen Sie einfach die Clustertechnik. Mit dieser Methode fördern Sie gleichzeitig ihre Lesefertigkeit. Es gibt drei Arten, das Cluster mit wissenschaftlichen Texten zu verbinden: Erwartungen formulieren, Notizen machen, das Gelesene zusammenfassen.

Erwartungen formulieren

Bevor man einen Text liest, kann man mit einem Cluster Erwartungen aufschreiben. Solche Cluster wiederholen, was man sich schon an Wissen angeeignet hat, wofür man den neuen Text lesen möchte (das heißt, dass man sich selbst Ziele setzt) und man schreibt all die Wissenslücken nieder, die man schließen möchte.

In der Kognitionspsychologie findet man diesen Schritt an einer zentralen Stelle für den Kompetenzaufbau. Deshalb sollte er nicht übersprungen werden. Denn hier werden bereits erworbenen Kompetenzen reflektiert (das heißt, es werden Metakognitionen aufgebaut) und dadurch können neue Fertigkeiten schneller und besser erlernt und eingeübt werden. Was zunächst mühsam und Zeit raubend aussieht, erweist sich schnell als ein großer Vorteil und eine sehr fruchtbare Studientechnik.

Notizen machen

Während des Lesens kann man (und sollte man) sich Notizen machen. Dies kann man auch in Form eines Clusters tun. Dabei sollte man nicht nur das Gelesene aufschreiben, sondern auch alle Ideen, die einem dazu einfallen. Um die Stichwörter und die eigenen Ideen zu trennen, kann man an die Stichwörter die Seitenzahl anhängen.

Folgen Sie bitte auch hier der genauen Technik des Clusterns. Wenn Sie ein Cluster hinreichend aufgefüllt haben (egal ob sie den Text zu Ende gelesen haben oder nicht), schreiben Sie dazu kleine Texte.

Das Gelesene zusammenfassen

Als letzte Technik zum sinnentnehmenden Lesen und zum Training der Lesefertigkeit kann man Texte mithilfe von Clustern zusammenfassen. Hat man sich während des Lesens schon in Form von Clustern Notizen gemacht, kann man auf ein kleinschrittiges Arbeiten verzichten. Stattdessen verschafft man sich nochmal einen Überblick über die wichtigsten Aussagen, die wichtigsten eigenen Ideen und die wichtigsten offenen Fragen.

Umgang mit dem Sinn von Texten: Deplatzieren und Ordnen

Ein Problem, das gerade Anfänger mit dieser Technik haben, ist das Problem der Genauigkeit oder Wahrheit. Beim Clustern geht es nicht um fertige Produkte oder Perfektion. Folgt man der Theorie von Niklas Luhmann, dann entsteht Sinn durch Differenzen, oder – salopp gesagt – durch Abweichungen. Diese Abweichungen kann man natürlich Fehler nennen. Trotzdem sind sie ein notwendiger Schritt zum Verstehen.

Man findet ähnliche Begriffe bei vielen anderen Autoren, so bei Roland Barthes den Begriff des Deplatzierens oder bei Jurij Lotman den Begriff der asemantischen Sprache. Berühmt ist auch der von Gilles Deleuze und Félix Guattari geprägte Begriff des Rhizoms.

All diese Begriffe beinhalten aber eine ‚gewisse‘ Fehlerfreundlichkeit. Wichtig ist dabei, dass man sich beim Schreiben nicht von dem Endprodukt paralysieren lässt, sondern sich zunächst auf eine eher spielerische Weise dem Thema nähert.

Wissenschaftliches Schreiben und der Zettelkasten

Zettelkästen sind ein hervorragendes Werkzeug für das wissenschaftliche Arbeiten. Ähnlich wie das Cluster muss man den Zettelkasten pflegen. Anders als das Cluster ist der Zettelkasten keine Technik, die man einmal gründlich einübt und dann leicht benutzen kann. Ohne eine konstante Arbeit bleibt ein Zettelkasten (buchstäblich) leer.

Sie können einen solchen Zettelkasten mit allen Ihren Textfragmenten auffüllen. Machen Sie dies regelmäßig, entsteht im Laufe der Zeit eine große Sammlung an Zitaten, Ideen, Mitschriften, Umschriften und andere Notizen. Besonders sinnvoll ist ein elektronischer Zettelkasten, etwa der kostenlose von Daniel Lüdecke.

Aus einem solchen Zettelkasten kann man sich dann auch wieder Cluster herausschreiben. Es ist durchaus sinnvoll, dieses Spiel zwischen Zettelkasten und Cluster zu wichtigen Themen immer wieder zu machen und damit den Zettelkasten weiter zu füttern. Dieses fortwährende Neuknüpfen von Verbindungen trainiert nicht nur das Gedächtnis, sondern auch den gleichzeitig präzisen und kreativen Umgang mit Wissen. Allerdings sollte man keine Wunder erwarten, vor allem nicht in kurzer Zeit. Hier ist schon Geduld gefragt.

Cluster formalisieren: auf dem Weg zum Begriffsnetz

Cluster haben eine enge Beziehung zu bestimmten wissenschaftlichen Modellen, Begriffsnetzen (wie der Schweizer Psychologe Hans Aebli sie beschreibt) und Concept Maps (wie Begriffsnetze heute genannt werden).

Im Unterschied zu Clustern sind Begriffsnetze formalisiert. Der Unterschied ist allerdings nicht gravierend. Wenn Sie ein Cluster erstellt haben, fügen Sie einfach auf jeder Verbindungslinie zwischen den einzelnen Stichwörtern ein aktives Verb ein. So könnten Sie etwa zwischen den Stichwörtern „Text“ und „Cluster“ das Verb „lesen“ schreiben. Falls Ihnen mehrere aktive Verben zur Verfügung stehen, können Sie diese nebeneinander oder untereinander (wie gerade Platz ist) notieren.

Auf dem Weg zur Formalisierung von Clustern merken Sie übrigens rasch, wo Sie noch offene Fragen haben.

Das Einfügen von aktiven Verben macht aus einem Cluster zwar noch kein Begriffsnetz, bildet aber einen wichtigen Zwischenschritt. Die vollständige Formalisierung läuft entlang von Propositionen. Wie dies funktioniert, finden Sie im Artikel Wie man Cluster zu Begriffsnetzen formalisiert.

Die Tipps zum wissenschaftlichen Schreiben zusammengefasst

  • Erstellen Sie einen Cluster, bevor Sie mit dem Lesen beginnen. Notieren Sie Vorwissen, Erwartungen und offene Fragen. Schreiben Sie auch, bevor Sie mit dem Lesen beginnen, Fragmente und kurze Texte zu diesem Cluster.
  • Während des Lesens erstellen Sie einen Cluster mit Stichwörtern aus dem Text und eigenen Ideen. Die Stichwörter können Sie durch die Seitenangabe markieren. Auch dazu sollten Sie Fragmente und kurze Texte verfassen.
  • Nach dem Lesen können Sie wiederum ein Cluster bilden, indem Sie aus dem Gedächtnis zusammenfassen, was Sie gelesen haben.
  • Nutzen Sie Cluster und die daraus entstandenen Texte als Zwischenprodukte, als eine Art Wegmarke zu einem „wissenschaftlichen“ Verständnis von einem Buch oder einem Thema.
  • Sammeln Sie Ihre Ideen, Notizen und Fragmente in einem Zettelkasten.
  • Formalisieren Sie wichtige Cluster mit Hilfe von Propositionen zu Begriffsnetzen.

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