Zivilisationskrankheit Magersucht

Abnehmen als Zwang. Anorexia nervosa und ihre Folgen. Vom Schönheitsideal zur Magersucht. Die Anorexie hat viele Ursachen und verheerende Folgen.

Die Magersucht, oder auch Anorexia nervosa genannt, ist eine psychosomatische Krankheit. Das heißt, dass psychische Prozesse für körperliche Leiden verantwortlich sind. Vor allem junge Frauen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren sind davon betroffen und haben den Zwang, ein extrem niedriges Körpergewicht zu erlangen und zu halten, begleitet von der Angst zuzunehmen. Nur fünf Prozent der Erkrankten sind männlich.

Gesellschaftliche Hintergründe für die Entstehung von Magersucht

Seit den 1960er Jahren steigt die Anzahl der an Magersucht leidenden Menschen. Eine Ursache hierfür ist wohl, dass das Schönheitsideal seit dieser Zeit immer mehr in Richtung Schlankheit tendiert und Übergewicht, insbesondere bei Frauen, in der Gesellschaft als negativ bewertet wird. Werbung und Filme vermitteln uns, schlanke Frauen seien beliebter und erfolgreicher. Im Gegensatz dazu ist der relative gesellschaftliche Wohlstand gestiegen und es herrscht ein Überangebot an Nahrung, was wiederum zum Anstieg des Durchschnittsgewichts geführt hat.

Auffällig ist, dass vor allem Frauen aus der Mittel- und Oberschicht mit hohem Intelligenzgrad an Magersucht leiden. Diese Frauen sind außerdem von ihren Eltern überbehütet und in einer nach außen hin extrem intakten Familie aufgewachsen. Psychologisch kann dies als Abwehr von Fremdbestimmung gedeutet werden, als Abwehr der zu hohen Leistungsanforderung durch die Familie. Gerade in der Pubertät können solche Lebensumstände zu extremer Überforderung und Unsicherheit führen. Die Kontrolle des eigenen Körpergewichts vermittelt den an Anorexia nervosa erkrankten Frauen ein Gefühl von Sicherheit und ein neues Selbstwertgefühl.

Biologische Ursachen von Anorexia nervosa

Aber auch biologische Faktoren können die Entstehung von Magersucht begünstigen. Es wurde nachgewiesen, dass bei erkrankten Frauen diejenige Hirnregion gestört ist, welche Essverhalten, Menstruation und sexuelle Aktivität beeinflusst.

Magersucht als Folge eines Traumas

Auch psychische Traumatisierung wie etwa sexueller Missbrauch oder Misshandlung und die daraus folgende Ablehnung des eigenen Körpers kann Auslöser für die Entstehung von Magersucht sein.

Körperliche Folgen der Anorexie

Erschreckend ist, dass 15% der Erkrankten sterben. Somit ist Anorexia nervosa eine der psychischen Krankheiten mit der höchsten Sterberate. Magersüchtige Menschen sind oft sehr kälteempfindlich und weisen eventuell eine erniedrigte Körpertemperatur auf, da das unter der Haut liegende Körperfett und damit die körpereigene Wärmedämmung fehlt. Hinzu kommen hormonelle Störungen, die unter Umständen zu Amenorrhoe (Ausbleiben der Periode) führen können. Hinzu kommen ein verlangsamter Herzschlag und eine durch Mangel an Nährstoffen hervorgerufene Störung der Elekrolyte sowie Osteoporose, um nur einige mögliche Symptome zu nennen.

Angehörige und Freunde Magersüchtiger

Für Angehörige und Freunde kann es qualvoll sein, mit ansehen zu müssen, wie sich ein geliebter Mensch auf Raten selbst umbringt. Auch für sie ist es nützlich zu wissen, dass es einen Ausweg aus dem Teufelskreis gibt. Wichtig ist, dass diese Krankheit auch gegenüber den Betroffenen nicht totgeschwiegen wird und Hilfe von außen in Anspruch genommen wird. Es gibt speziell auf magersüchtige Menschen zugeschnittene Therapien, die helfen, ein stabiles Selbstwertgefühl und gesundes Körperbewusstsein zu erlangen.

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