Akte Seitensprung – Warum fast jeder zweite Deutsche fremdgeht

43 Prozent der Deutschen haben ihren Partner schon einmal hintergangen. Ein Hauptgrund für sexuelle Untreue liegt im Bett vergraben…

Julia ist fassungslos. Zitternd und weinend sitzt sie auf der Couch. Vor ihr steht Thomas, ihr Freund. Oder besser ihr Ex? Gerade hat er ihr gestanden, dass er sie betrogen hat. Nach sechs Jahren Beziehung. Sie wollten heiraten, Kinder bekommen. Julias Welt steht still. Fragen wirbeln in ihrem Kopf herum. Was ist da schiefgelaufen? Wie oft hat er sie schon angelogen? Und warum hat er das nur getan?

Wieso geht jemand fremd?

Paartherapeuten und Sexualforscher sagen, dass es dafür nur einen Hauptgrund gibt: sexuelle Unzufriedenheit – danach kommt lange nichts. Die häufigsten Antworten bei Nachfragen: Es stimmt etwas im Bett nicht. Dadurch entsteht ein fruchtbarer Boden für einen Seitensprung. Kommt dann noch die passende Gelegenheit dazu kann es schnell passieren.

Treue und Monogamie

Obwohl die Deutschen so auf Treue und Monogamie in einer Beziehung stehen, 82 Prozent sogar sagen, dass es das Fundament einer Partnerschaft ist, die Basis für ein Leben zu zweit, geht dennoch knapp die Hälfte der Deutschen fremd.

Denn: Die große Schwierigkeit bei sexueller Unzufriedenheit liegt darin, dass Partner nicht über ihre Probleme im Bett sprechen.

Tabuthema: sexuelle Fantasien

Obwohl wir in einer so sexualisierten Welt leben, sind Fantasien immer noch ein Tabuthema. Wir lästern mit dem Partner über den Sex von Promis und aus Filmen wie “Sex and tue City”, aber über unsere eigenen reden wir nicht. Obwohl wir das denken. Fragt man Paare, antworten sie, dass sie frei über Sex reden würden. Doch ins Detail gehen sie dabei leider nicht. Die Gründe hierfür sind die Angst vor Ablehnung oder davor, für pervers erklärt zu werden, wenn sie sich ihrem Partner öffnen. Hinzu kommt, dass viele selbst nicht wissen, was sie im Bett befriedigt, wo ihre sexuellen Reizknöpfe sind, die man drücken muss. Und woher soll der Partner das dann wissen?

Ausprobieren, Experimentieren

Und die sexuellen Wünsche den Partner offen mitteilen. Kein Mann würde eine Frau je ablehnen, weil sie ihm ins Ohr flüstert, wie er ihre Brüste streicheln soll. Und wem diese Offenheit unangenehm ist, der kann seine sehnlichsten Wünsche ja auch auf ein Zettelchen schreiben und es dem Partner geben.

Sex – ein Leistungssport?

Wenn es im Bett schlecht läuft, kann es auch daran liegen, dass zu viel Druck im Spiel ist. Viele Paare haben die Leichtigkeit verloren. Und eigentlich geht es beim Sex doch darum, dem Partner körperlich zu zeigen, dass wir ihn lieben und begehren. Aber wir sind mittlerweile sehr zielorientiert und kopflastig geworden. Wir erwarten, dass es immer ein multipler Orgasmus sein muss – und den mindestens dreimal in der Woche. Und bei wem das dann nicht so läuft, der sexuell frustriert ist, für den ist es leider meist der einigste Weg, es mit einem anderen Partner zu versuchen. Doch die Probleme sind damit noch lange nicht gelöst. Denn auch mit dem neuen Sexualpartner werden sich wieder die gleichen Probleme einstellen – oder es treten neue auf.

Lösung: Flotter Dreier oder Swingerclub?

Wenn der Sex-Wurm in einer Beziehung ist, helfen auch die verschärftesten Techniken, wie flotter Dreier oder Swingerclub-Besuche nichts. Viel wichtiger ist es sich erst einmal unter vier Augen mit dem Thema auseinandersetzen. Wir bilden uns in so vielen Dingen weiter – nur in der Liebe, die jeder will und braucht, tun wir das nicht. Dabei gibt es so viele Bücher und Seminare über Sex und wie man mit dem Partner darüber spricht. Und allein ein Sexbuch auf dem Nachtisch kann schon inspirieren.

Folgen eines Seitensprungs

Männer wie Frauen leiden oft sehr lange unter einem Betrug. Normal, denn wenn man von jemandem verletzt wird, mit dem man die größte Form von Nähe geteilt hat, trifft einen das bis ins Mark. Den Betrogenen wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Und Seitensprünge können für das restliche Beziehungsleben großen Schaden hinterlassen. Es gibt sogar Fälle, bei denen es zu Symptomen kommt, die denen von posttraumatischen Erlebnissen ähneln – wie bei Unfallzeugen. Bilder davon, wie der Partner sich der oder dem anderen hingibt, spielen sich immer wieder vor dem geistigen Auge ab. Lustlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten selbst zu Depressionen kann es kommen. Denn wenn man, wie bei einem Betrug, einen emotionalen Schlag abbekommen hat, können auch Gefühle aus der Kindheit wieder hochkommen. Verlustängste wie bei der Scheidung der Eltern zum Beispiel. Das unterstützt eine depressive Stimmung natürlich. Und in so einem Fall, sollte man sich Hilfe von einem Therapeuten holen. Wichtig ist auch, dass man die Traurigkeit überwindet. Doch leider bleiben die meisten Menschen in der Trauerphase stecken, aber erst die Wut hilft, dass man weiter- und irgendwann auch darüber hinwegkommt.

Affäre oder einmaliger Ausrutscher – was kommt häufiger vor?

Was wohl kaum jemand weiß: Nur 12 Prozent der Seitensprünge sind One-Night-Stands. Die meisten der 46 Prozent gehen mindestens drei Monate fremd. Obwohl bewiesen ist, je länger die Affäre dauert desto höher ist bei Männern die Wahrscheinlichkeit, dass sie auffliegt. Dennoch lassen sich die meisten lieber auf eine Affäre ein. Männer sind eher ungeschickt beim Vertuschen.

Bei Frauen ist das nicht so, obwohl sie mehr darüber reden. Aber sie wissen genau, wem sie was erzählen können. Trotzdem spüren Betrogene – ob Männer oder Frauen – häufig, dass etwas nicht stimmt und finden auch meist selbst die Wahrheit heraus.

Nach dem Seitensprung

Ob man dem Partner verzeihen kann, ist eine individuelle Geschichte. Dabei sind ausschlaggebend, wie lange die Affäre ging, wie viel gelogen wurde, und was jeder Einzelne ertragen kann. Wie auch immer, ein Betrug belastet jede Beziehung stark – zusätzlich zu den bereits bestehenden Problemen. Untreue ist immer ein krasses Signal, das vielen die Augen öffnet. Wichtig ist, dass beide erkennen, dass es keinen Täter und kein Opfer gibt. Und manchmal ist ein Seitensprung auch eine Chance. Denn sexuelle Probleme sind lösbar. Wer sich auf allen anderen Ebenen gut versteht, sollte sich Zeit geben und sehen, ob man die Beziehung nicht wieder hinbekommt. Das könnte klappen, in dem man Verständnis füreinander zeigt, Missverständnisse ausräumt, ehrlich miteinander redet und gemeinsam Pläne schmiedet, wie man in der Zukunft alle Probleme miteinander überwindet – auch die im Bett!

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