Alkoholkonsum von Jugendlichen

Das Einstiegsalter liegt bei erschreckenden 13,6 Jahren. Jugendliche beginnen nicht nur immer früher, Alkohol zu trinken, erheblich zugenommen hat auch die Menge des Konsums – in ist „Binge Drinking“

Als „Binge Drinking“ wird möglichst viel Alkoholkonsum in möglichst kurzer Zeit bezeichnet.

Der Fall des 16jährigen Lukas W. aus Berlin, der 2007 nach 52 Tequilas ins Koma fiel und starb, ist sicherlich ein extremes Beispiel.

Jedoch alarmieren folgende Zahlen nicht nur Eltern und Politiker: Bei männlichen Jugendlichen im Alter von 16-17 Jahren lag die durchschnittliche wöchentliche Trinkmenge an reinem Alkohol im Jahr 2005 noch bei 108 Gramm, im Jahr 2007 jedoch bei etwa 150g. Dies entspricht umgerechnet etwa 2 Gläsern alkoholischer Getränke an jedem Tag der Woche. Auch bei den Mädchen im selben Alter stieg die wöchentliche Gesamtalkoholmenge, von 42g 2005 auf 54g im Jahr 2007.

Der Anstieg des Alkoholkonsums ist im Wesentlichen auf verstärkten Konsum von Bier, Bier-Mixgetränken und Spirituosen zurückzuführen. Die bei Jugendlichen noch vor wenigen Jahren so populären sogenannten „Alko-Pops“ spielen kaum noch eine Rolle.

Ursachen

Laut einer internationalen Schülerstudie der Schweizer Fachstelle für Alkohol und andere Drogenprobleme (SFA), die auf den Befragungen von rund 4000 Schülern im Alter von 14 Jahren beruht, „kann die Qualität der familiären Beziehungen und vor allem eine gute Vertrauensbasis zwischen Jugendlichen und ihren Müttern die Chancen auf ein gesundes Leben ohne Alkohol und Drogenprobleme erhöhen.“

Der Grad der elterlichen Aufmerksamkeit und Beaufsichtigung der Aktivitäten der Kinder spielt nach den Ergebnissen der Studie eine wichtige Rolle für den Suabstanzkonsum des Nachwuchses. Dies gilt besonders für männliche Jugendliche.

Genetische Vorbelastungen in der Familie, der unreflektierte Griff zur Flasche bei den Eltern, dazu oftmals ein soziales Klima, das von Armut, Vernachlässigung und anderen Stressfaktoren geprägt ist, gehören laut Oliver Bilke, Kinder- und Jugendpsychiater am Vivantes Klinikum in Berlin-Hellersdorf, zur traurigen Normalität seiner jungen Patienten. Auf seiner Station werden süchtige Jugendliche drei bis sechs Monate lang stationär behandelt, darunter auch Alkoholabhängige.

Viele kommen aus zerrütteten sozialen Verhältnissen und haben neben ihrer Alkoholsucht mit Depressionen, Angsterkrankungen und posttraumatischen Stressstörungen zu kämpfen. „Das sind schwere Rucksäcke, die diese jungen Leute tragen, und sie werden durch den Alkohol scheinbar leichter“, so Bilke.

Maßnahmen

Die Drogenbeauftrage der Unionsfraktion, Maria Eichhorn (CSU), begrüßt Überlegungen der EU, den Verkauf von Alkohol an unter 18-Jährige zu verbieten. Dem entgegnen die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Sabine Bätzing, sowie Verbraucherminister Horst Seehofer, es sei dringlicher, auf die Einhaltung der bestehenden gesetzlichen Grenzen des Jugendschutzgesetzes zu achten. Die Regelungen von Handel und Gastronomie müssten besser von den Ordnungsbehörden kontrolliert werden. Allzu oft werde Alkohol verkauft und ausgeschenkt, ohne sich den Ausweis zeigen zu lassen.

Ganz verboten werden sollen die sogenannten „Flatrates-Parties“, Bund und Länder haben sich bereits 2007 daruf geeinigt, die Durchsetzung ist Länder-Sache. Der Vorschlag von Familienministerin Ursula von der Leyen, Minderjährige zu Testkäufern von Alkohol zu machen, stieß auf ein negatives Echo und versank recht schnell in der Schublade.

Kaum bekannt ist jedoch, dass in Südhessen von dieser Möglichkeit ganz offiziell Gebrauch gemacht wird. Dort kamen 13-15-Jährige an Kiosken und Tankstellen leichter an Alkohol als in Getränke- oder Supermärkten. Bußgelder wurden noch keine verhängt, doch allein deren Androhung habe dazu geführt, dass sich inzwischen mehr Verkäufer die Ausweise zeigen lassen.

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