Antiquariate sind noch immer modern

Bibliophile, moderne oder wissenschaftliche Richtung möglich. Ob Second-Hand-Bücher, Erstausgaben oder Inkunabeln: Das Antiquariat ist trotz Internet Versandhandel nach wie vor bei den Lesern beliebt.

Aber wer ist das denn nun eigentlich, der Herr Antiquar und was tut er? Laut Lexikon betreibt er einen Buchhandel mit wertvollen, vergriffenen Werken oder Second-Hand-Büchern. Er handelt aber auch mit Autographen, also handgeschriebenen Briefen, Manuskripten oder Büchern mit Widmung des Autors und mit Graphiken. Die Anfänge des Antiquariats gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Auftrieb erhielt es jedoch vor allem im 19. Jahrhundert, als die Klöster säkularisiert und damit ihre umfangreichen Bibliotheken aufgelöst wurden. Etwa 1000 Antiquariate gibt es in Deutschland. Antiquariatsorte sind vor allem die Universitätsstädte.

Schätze aus den Anfängen der Buchdruckerkunst

Der Antiquar ist entweder bibliophil oder modern. Oder er betreibt ein wissenschaftliches Antiquariat, dann sind seine Kunden hauptsächlich Fachbibliotheken und er ist bemüht die Literatur bestimmter Wissenschaften bis zur kleinsten Dissertation zu besorgen. Der wissenschaftliche Antiquar beschränkt sich daher meist auf bestimmte Disziplinen. Anders das bibliophile Antiquariat. Hier geht es um Sammlerobjekte, die aufgrund ihres Alters oder Erscheinungsbildes selten sind. Handdrucke gehören hierher, aber auch Erstausgaben, Drucke auf Pergament oder handgeschröpftem Papier, ledergebundene oder illustrierte Bücher. Oder eine Inkunabel: seit Gutenberg im 15. Jahrhundert den Buchdruck erfunden hat, gibt es diese, auch Wiegendrucke genannten Bücher. Wörtlich übersetzt heißt Inkunabel „in den Windeln“, weil die Buchdruckkunst in der Zeit von 1445 bis 1500 eben noch in denselben lag. Diese Schätze werden von den großen Antiquariaten bereitgehalten und sind vor allem für Sammler interessant, denn sie wurden nur in kleiner Anzahl hergestellt. Hauptmerkmal beim bibliophilen Antiquariat ist also das schöne oder ungewöhnliche Buch. Es geht hauptsächlich um das Äußere – der Inhalt spielt nur ausnahmsweise eine Rolle. Das moderne Antiquariat schließlich verkauft Restbestände von verlagsneuen Büchern zu herabgesetzten Preisen oder schlicht Second-Hand-Bücher.

Nichts geht über einen persönlichen Besuch

Seine Schätze bezieht der Antiquar aus Haushaltsauflösungen, Umzügen und Nachlässen oder er kauft bei Kollegen und Privatsammlern. Neben der Laufkundschaft im Ladengeschäft hatte der Antiquar früher seinen Sammlerkreis, den er mit meist maschinengeschriebenen Katalogen bediente und nicht selten brieflich über Angebote informierte. Heutzutage bietet er seine Bücher im Internet an. Aber anders als von vielen erwartet haben Online-Datenbanken das Ladengeschäft nicht überflüssig gemacht. Im Gegenteil, viele Antiquare kehren wieder zur alten Form des Buchladens zurück. Ein Antiquar: „Der Versandhandel beträgt bei mir 90 Prozent, aber ich möchte auf das Ladengeschäft und den persönlichen Kontakt zum Kunden nicht verzichten“. Es geht eben nichts darüber höchstpersönlich in ein Antiquariat hineinzuschnuppern, ungestört in Vitrinen und Regalen zu stöbern und sich mit einem ergatterten Schatz in eine Sitzecke zurückzuziehen. „Das Paradies ist eine Bibliothek“, hat der argentinischen Dichter Jorge Luis Borges gesagt, „oder ein Antiquariat“, möchte man ergänzen.

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