Selbstzahlverlage – Anwerbung für Druckkostenzuschussverlage – Die Masche mit unverwirklichten Autorenträumen

Vor allem noch unbekannte Autoren suchen oft verzweifelt nach einem Verlag für ihr Erstlingswerk. und sind zunächst froh über jede halbwegs positive Rückmeldung.

Zunächst versucht der Autor natürlich, sein Manuskript bei alteingesessenen, bekannten Verlagen unterzubringen, erhält aber – wie viele inzwischen bekannte Schriftsteller vor ihm auch – in der Regel mehr oder weniger nette Absagen, wenn überhaupt. Im Internet stößt er häufig auf Angebote von Verlagshäusern, die damit werben, neue Autoren zu suchen.

Lockangebote und Versprechen

Der Jungautor freut sich selbstverständlich, wenn er nach einer Reihe von Absagen und/oder nicht erfolgten Reaktionen Lob für sein Werk erhält in Verbindung mit dem Angebot, sein Buch gegen Zahlung eines Druckkostenzuschusses zu veröffentlichen. Die Argumente des Verlages, einen solchen Zuschuss zu verlangen, erscheinen plausibel, genauso wie das Versprechen, dass der Autor die verauslagten Kosten recht schnell durch den Verkauf seines Buches und die aus dem Erfolg resultierenden Folgeauflagen erwirtschaftet. Die Druckkostenzuschüsse belaufen sich je nach Anbieter auf Beträge zwischen 1.500 und 15.000 €, so dass es insbesondere bei Summen von mehr als 3.000 € fragwürdig erscheint, hierbei noch von einem Zuschuss zu sprechen.

Versprechen und Realität

Im Vertrag verspricht der Verlag beispielsweise, die erste Auflage mit 3.000 Exemplaren anzusetzen. Zum einen ist fraglich, ob diese Menge tatsächlich gedruckt wird, um den Gewinn für den Verlag aus dem von dem Autoren gezahlten Zuschuss nicht zu schmälern. Zum anderen ist es unrealistisch, dass sich die Erstauflage eines unbekannten Autors in dieser Höhe verkauft, zumal sich am Markt jede Menge Konkurrenz tummelt, auch in Form von Bestsellerautoren, deren Werke sicherlich eher gekauft werden als die eines unbekannten Verfassers.

Diese Argumente entkräften die Selbstzahlverlage damit, dass sie auf eigene Kosten Marketing und Werbung für das Buch betreiben, vielfach in Verbindung mit einer Klausel, die dem Autor untersagt, selbst aktiv Verkaufsförderung zu betreiben durch Lesungen, Kontaktaufnahme zu Redaktionen und Buchhandlungen u. ä.

Konsequenzen nach Vertragsabschluss

Fakt ist, dass manche Autoren, die auf einen Druckkostenzuschussverlag hereingefallen sind, noch Jahre nach der Veröffentlichung Kredite zurückzahlen, die sie aufgenommen haben, um sich den Traum vom eigenen gedruckten Buch zu erfüllen. Die Verkaufszahlen der jeweiligen Bücher liegen jedoch fast bei null. Manche Verlage sind plötzlich für die Autoren nicht mehr zu sprechen, wenn diese ihre Verkaufszahlen und den Zahlungstermin für die erste Autorenmarge erfragen möchten.

Hinzu kommt, dass Bücher, die in Selbstzahlverlagen erschienen sind, als nicht geschrieben gelten. Viele Redaktionen lehnen prinzipiell eine Buchbesprechung ab, um die fragwürdige Praxis derartiger Verlage nicht zu unterstützen, so dass die Durchführung eigener Marketingaktionen noch zusätzlich erschwert wird. Viele Autoren, die ihre Werke über einen traditionellen Verlag veröffentlicht haben, ignorieren Kollegen und deren Werke, die von Druckkostenzuschussverlagen herausgebracht wurden.

Unterschiede zwischen BoD und Selbstzahlverlagen

Dies trifft zwar auch in Teilen für Bücher zu, die über BoD und ähnliche On Demand-Anbieter veröffentlicht wurden, aber nicht in dem Ausmaß wie bei Werken, die aus Zuschussverlagen stammen. Bei BoD werden zwar je nach gewähltem Angebot ebenfalls Kosten fällig, die jedoch im Vergleich zu den Beträgen, die manche Druckkostenzuschuss-Verlage verlangen, verschwindend gering sind, zumal bei BoD sogar die Möglichkeit besteht, sein Buch zum Nulltarif drucken zu lassen; allerdings ist es dann nicht über den Buchhandel beziehbar, sondern lediglich über den verlagseigenen Online-Buchshop. Zudem unterstützt BoD mit hilfreichen Tipps die Vermarktung des eigenen Buches und bietet zudem zahlreiche – wenn auch kostenpflichtige – Services hierzu an. Der Autor kann selbst entscheiden, welche Zusatzleistung er in Anspruch nehmen möchte, eine Verpflichtung hierzu besteht jedoch nicht.

Das Umkehrprinzip

Bei den Druckkostenzuschussverlagen wird das Prinzip herkömmlicher Verlage schlicht umgekehrt. Verlegen kommt von Vorlegen, d. h. ein seriöser Verlag kommt für die Kosten auf, die zunächst für die Herstellung und Vermarktung des Buches anfallen. Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen wie jedes andere auch, deshalb zum Vergleich: Auch Pharmakonzerne beispielsweise müssen zunächst in die Entwicklung, Forschung und Produktion eines bestimmten Medikaments investieren, bevor die Kosten hierfür durch den Verkauf des Endprodukts gedeckt werden können.

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