Buschfeuer in Australien – Katastrophe und Segen

Großflächige Brände sind in Australien ein normaler Bestandteil des Ökosystems, richten ohne Kontrolle aber verheerendes an.

Im Dezember, wenn Europa größtenteils in Kälte und Schneematsch versinkt, brennt eine sengende Sonne vom australischen Himmel. Auf dem Kontinent, auf dem Regen sowieso rar ist, trocknet die Sonne jetzt unbarmherzig die Felder aus. Trockenes Laub fällt von den Bäumen, sammelt sich am Waldboden an, ohne dass es kompostiert. Der Boden trocknet aus, wirft Risse. Jegliche Feuchtigkeit scheint verschwunden. Dann kommt es zum Wärmegewitter. Der Niederschlag ist gering und deckt nicht im Mindesten den Bedarf des Bodens, sich mit Feuchtigkeit anzureichern. Es blitzt und der Blitz findet ein Ziel. Ein Baum mitten im Wald wird getroffen und entflammt. Glut und Funken fliegen umher. Ein Buschfeuer entsteht.

Auslöser und begünstigende Faktoren

Viele Faktoren begünstigen die Entstehung und Ausweitung großer Flächenbrände, welche Australien jedes Jahr aufs Neue zu bekämpfen hat.

  • Wind dient hier wie ein Katalysator. Durch den zusätzlichen Sauerstoff wird das Feuer weiter angefacht, außerdem weht der Wind Funken und Glut in Gebiete, die bisher von den Flammen verschont wurden und erweitert somit die Brandfläche. Dieser Funkenflug kann bis zu 30m betragen. Viele großen Brände entwickeln zudem ein eigenes “Belüftungssystem“, welches zu den fatalen Feuerstürmen führt. Heiße, starke Nord-West Winde können Brände extrem anfachen und zudem in andere Richtungen treiben. So kann ein nahe liegendes Gebiet plötzlich zur gefährdeten Region werden. Hierbei steht Süd-Ost Australien an oberster Stelle, es herrscht dort die größte Buschfeuergefahr der Welt. Das Prinzip hier ist simpel, jedoch grausam effektiv. Die Luft innerhalb des Feuers wird immer heißer und steigt über den Brand. Kühle Frischluft zieht von unten nach und entfacht durch den Sauerstoff das Feuer weiter. Hierbei können enorme Windstärken entstehen, richtige Feuer-Tornados, welche Mensch und Tier die Flucht nahezu unmöglich machen können.
  • Der Eukalyptusbaum, eines der Markenzeichen Australiens, erweißt sich auch bedrohlich begünstigend. Die Blätter von Akazie und Eukalyptusbaum enthalten brennbare ätherische Öle. Im wahrsten Sinne des Wortes Öl ins Feuer gießen. Zudem verdunsten die Öle durch die starke Hitze, der Dampf erschafft Feuerbälle, welche in weiter vorne liegenden, unberührten Waldregionen Feuer entfachen. Auch das Harz in der Baumrinde wirkt als Katalysator.
  • Durch “spotting“ können so genannte Spot-Brände entstehen. Hierbei werden die extrem leichten Eukalyptusblätter in Gebiete geweht, in der gar kein Eukalyptus wächst, und ein ansonsten eingrenzbarer Brand kann außer Kontrolle geraten.
  • Nicht zu unterschätzen ist jedoch der Mensch als Brandauslöser. Viele Brände werden durch Brandstifter verursacht. Auch wenn sich keine Absicht dahinter vermuten lässt, dann war es die unachtsam weggeworfene Zigarette, das nicht völlig erstickte Campingfeuer oder sogar der heißgelaufene Katalysator des Autos auf trockenem Gras.

Maßnahmen zur Bekämpfung

Um Brände zu verhüten, werden in kühleren Jahreszeiten kleine, leicht kontrollierbare Feuer gelegt, damit das Feuer-nährende Unterholz vernichtet wird und das nächste natürliche Feuer nicht genügend “Nahrung“ hat, um sich zum Flächenbrand zu entwickeln. Dem Bushfire Cooperative Research Centre (CRC) wurden 25 Mio. AU$ als Mittel zur Verfügung gestellt, um Brände präzise vorherzusagen, sowie Aufklär- und Präventivarbeit zu leisten.

So gibt es zum Beispiel in bekannten Buschfeuer-Regionen genaue Bestimmungen, welche Materialien für ein Haus zu verwenden sind, wie weit der nächste Baum vom Haus sowie vom Hochspannungsmast entfernt sein muss und wo entflammbare oder sogar entzündliche Substanzen zu lagern sind. Satelliten überwachen jede Veränderung der Temperatur und Wolkenbildung, bzw. -dichte, um auch Brände in entlegenen Gebieten rechtzeitig zu bemerken und zu bekämpfen.

Hier kommen die so genannten „smokejumpers“ zum Zug. Sie springen mit Fallschirmen über entlegenen, mit dem Auto schlecht zu erreichenden Gebieten ab und bekämpfen das Feuer. Flugzeuge arbeiten mit Infrarot-Sensoren um bei Bränden zu erkennen, wo genau sich das Feuer befindet, denn durch starke Rauchentwicklung ist es teilweise nicht möglich, zu sehen, in welchem Gebiet das Feuer wütet.

Bedeutung für das Ökosystem

Trotz allem sind die Brände wichtiger Bestandteil des Ökosystems Australiens. Sie sind Teil des natürlichen Zyklus von Erneuerung und Regeneration. Viele Pflanzen sind Pyrophyten, d.h., die Pflanzen sind nicht nur angepasst an das Feuer, sondern benötigen es sogar. Manche Samen öffnen sich erst bei extremer Hitze und Rauchentwicklung und somit erfolgt sofort eine Neubesamung der verbrannten Gebiete. Beim Eukalyptusbaum verbrennen nur die Blätter sowie die Rinde, die er nach einem Brand abwirft und kurze Zeit später sieht man an schwarzen Stämmen wieder Grün sprießen. Nach dem Brand erwacht die Natur wortwörtlich wie ein Phönix aus der Asche aufs Neue. Die mineralreiche Asche dient zugleich als Dünger.

Die Aboriginal People legten kleinere Feuer schon immer, zum einen um Unterholz zu beseitigen und zum anderen um grünes, frisches Grass sprießen zu lassen, welches Tiere anlockte, die sie dann jagen konnten. So sind die Buschfeuer Bestandteil des Lebens in Australien, vernichtend und erneuernd zugleich.

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