Chemie im Essen

Ohne Chemie, wäre das Leben nicht so lange und nicht so schön. Dennoch: manchmal wünscht man sich weniger. Vor allem, wenn es ums Essen geht!

Man stellt sich die Frage, ob der tagtägliche Konsum von Gemüse und Obst wirklich so ratsam ist, wie oftmals empfohlen. Denn mit jedem Bissen nimmt man auch kleine Portionen Fungizide, Pestizide oder Insektizide mit zu sich. Nach gründlichem Waschen scheinen die Restbestände der chemischen Helfer aus der industriellen Landwirtschaft unbedenklich. Doch zwei Schwachpunkte hat das System der Lebensmittelüberwachung: erstens werden endokrin wirksame Stoffe (hormonell wirksame Stoffe) bei der Bedenklichkeitsprüfung nicht gesondert gewürdigt. Und zweitens werden mögliche Wirkungskorrelationen zwischen unterschiedlichen Substanzen gar nicht getestet.

Die Endokrinologie entzieht sich Paracelsus

Paracelsus (1493-1541) war ein Mann der Wissenschaft. In fast allen zu seinen Lebzeiten relevanten Sparten der Wissenschaft hatte dieses Universalgenie etwas beizutragen. Auch der heute immer noch gültige Grundsatz: „Dosis sola venenum facit“ (deutsch: „Allein die Menge macht das Gift“) stammt von ihm und wird in der Tat heute noch angewandt, wenn es um die Bestimmung der Verträglichkeit bestimmter chemischer Stoffe geht.

Man liest, dass Parcelsus gerne mal ein Schlückchen nahm und es wurde auch spekuliert, dass er sich im Suff zu Tode stürzte. Ob ihn nun eine Quecksilbervergiftung oder der Alkohol zu Tode brachte, er selbst schien diesen von ihm gelehrten ehernen Grundsatz nicht zu beherzigen.

Paracelsus indes wusste nichts von Hormonen, nichts von endokrinen Disruptoren. Endokrine Disruptoren sind synthetische oder natürliche (Umwelt-)Substanzen, welche auf den Hormonhaushalt von Tier und Mensch einwirken. Und diese Stoffe entfalten ihre Wirkung schon in kleinsten Mengen. Das Maß der Lebensmittelkontrolleure ist hier zu grob. Denn ein Stoff, der in großer Menge giftig ist, kann in kleinster Menge immer noch Unheil anrichten – wenngleich auch nicht direkt so fatal – wenn es sich um einen endokrinen Disuptor handelt.

Was ist giftig?

Das momentane System der Lebensmittelüberwachung macht es sich sehr einfach mit der Beantwortung der Frage, ob ein Stoff für Lebensmittel tauglich ist oder nicht. Ob ein Stoff giftig ist, wird folgendermaßen herausgefunden: Man gibt Versuchstieren, vorwiegend Ratten, eine gewisse fatale Menge des Stoffs. Dann halbiert man die Menge und zählt, wie viele Versuchsratten diese Portion überleben. Mit der Halbierung fährt man so lange fort, bis keine der Ratten mehr stirbt. Wenn alle Ratten überleben, wird die Stoffmenge um den Faktor 100 aus der Überlegung eines Sicherheitspuffers heraus reduziert und das Resultat ist die unbedenkliche Stoffmenge. Paracelsus lässt grüßen!

Entsprechend gering ist dann auch der finanzielle Aufwand, den eine Firma unternehmen muss, um beispielsweise einen neuen Lack für eine Lebensmittelverpackung zu verwenden. Die Taktrate an neuen Stoffen ist extrem hoch, man muss sich ja nur einmal die Patentanmeldungen für neue Stoffe anschauen. Die Überwachungsmechanismen sind für diese hohe Geschwindigkeit nicht ausgelegt. Daher muss es zu einem neuen Kompromiss zwischen Politik und Industrie kommen, um mit dieser Situation klarzukommen.

Bisphenol A – der bekannteste Attentäter

Dass Handlungsbedarf im Bereich der Zulassung von Stoffen für die Lebensmittelindustrie inklusive Landwirtschaft besteht, wird vielfach angemahnt. Es gibt wissenschaftliche Studien in Hafenbecken, die belegen, dass die endokrinen Disruptoren, welche sich in Schiffsfarbe befinden (gegen Schimmelbildung), einen Einfluss auf das Geschlechterverhältnis von Fischpopulationen haben. Es findet eine Verweiblichung statt.

Bisphenol A hat ebenfalls endokrine Wirkung und wird vielfach in Konservendosen und in vielen Arten von Kunststoffen als Weichmacher eingesetzt. In vielen Ländern, wie zum Beispiel in Kanada, ist dieser Stoff daher bereits verboten. Es geht ja auch ohne Bisphenol A. Zwar sind inzwischen Babyfalschen und Schnuller, welche Bisphenol A beinhalten, in Deutschland verboten, doch dies reicht nicht aus. Es besteht weiter Handlungsbedarf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.