Das echte Dirndl – Es gibt strenge Regeln für das bayerische Gewand

Der Dirndl-Discolook ist bei den nicht bayerischen Besuchern des Oktoberfest erlaubt, beim echten Dirndl ist weniger gleich mehr und aufwändige Handarbeit gefragt.

Paris Hilton im goldenen Lodenfrey-Modell, Verona Pooth-Feldbusch im kurzen schwingenden, sogar selbst entworfenen Röckchen mit viel hervor gequetschter Oberweite sowieso – auf dem Oktoberfest in München, der Welt größtem Volksfest, ist alles erlaubt. Die Verkleidungen der nicht einheimischen Prominenten zu diesem Anlass haben allerdings mit dem echten Dirndl-Kleid wenig zu tun.

Alteingesessene Dirndl-Trägerinnen rümpfen nämlich die Nase bei all dem Überfluss an Spitzen, Rüschen, Herzchen und dergleichen mehr. Das echte Dirndl wird auch kaum mit der Nähmaschine oder gar industriell gefertigt, es sollte aus maßgefertigter Handarbeit bestehen. So besitzt es

  • nahezu vier Meter Weite im Rock um die Hüfte,
  • liegt hauteng am Mieder an, das nur mit Knöpfen im Ein-Zentimeter-Abstand geschlossen wird. Merke: Reißverschlüsse sind verpönt !
  • Es enthält eine Schürze, denn es war in früheren Jahrhunderten die Arbeitskleidung der Mägde, der Dirnen also, auf dem Feld. Wenn möglich, greift die Schürze die Farbe des eingewebten Musters des Hauptkleides auf, darf aber auch gerne in totalem Farbkontrast stehen. Prakischerweise erwirbt oder lässt frau es nähen mit einer zweiten Schürze zum Wechseln. Die Schürze wiederum weist am Saum-Ende mehrere eingenähte Biesen auf und ein langes Band zum Binden der Schleife.
  • Stilecht ist das Dirndl mit weißer Bluse, die unter dem Busen endet, was man unter dem Mieder nicht sieht.
  • Regeln für das Muster: Gemusterter Stoff – meist Blumen-Ranken – für das Kleid, aber Schürze dann unbedingt einfarbig. Gerne darf auch das Mieder einfarbig genommen werden, meist in schwarz , dunkelblau oder dunkelgrün.
  • Material: Baumwolle für das Sommer-Dirndl, Leinen und angerauhte Baumwolle sowie leichter Wollstoff für das Winter-Dirndl. Letzteres darf auch ohne Bluse daherkommen, hat in dem Fall dann dreiviertel oder lange Ärmel.
  • Schöner Unterrock mit Spitze, die hervorlugt, kann, muss aber nicht sein. Immer aber weist das echte Dirndl in einer Nähfalte an der Seite eine eingenähte praktische Tasche auf.

Mühsame Handarbeit

Die vier Meter Rock-Weite werden durch Handreihen gebändigt. Im Abstand von einem halben Zentimeter erfolgt ein Stich und das im Durchschnitt neun bis elf Reihen untereinander, je nach Schlankheit der Taille – bei schmaler Körpermitte werden mehr Reihen per Hand empfohlen. Bei solcher Art kommt man beispielsweise bei elf Reihen auf 3470 Stiche! Es gibt schon Tricks dabei, denn als Hilfsmittel für gleichmäßige Stiche wird darunter ein eigens dafür vorgefertigtes breites Band gelegt, das die exakten Abstände aufgedruckt hat. Ebenso werden eng aneinander liegende Knopflöcher nur von Hand und nicht etwa mit Hilfe der Maschine gefertigt.

Wichtiges Zubehör

Die Tiefe des Ausschnittes hängt auch vom Dekolletée der Trägerin ab, es sollte erotisch aber nicht obszön sein, also schon zeigen, dass die Trägerin „Holz vor der Hütt’n“ hat. Wer von Natur aus nicht mit einer entsprechenden Oberweite gesegnet ist, dem hilft der eigens dafür zu erwerbende Dirndl-BH, der offen und bildlich beschrieben von hinten und seitwärts einiges zusammen packt und nach vorne und oben zusammen schiebt.

Sichtbare Accessoires und nahezu unabdingbar zur Vervollständigung sind die sogenannte Kropf-Kette mit einer auffallenden Schließe am Kehlkopf und der Charivari, der vorne an der Schürze eingesteckt wird. Dabei handelt es sich um ein Modestück, das ähnlich wie die Bettel-Armbänder aus einer Sammlung alter Münzen, Bergkristall-Stücken, Schlüssel und so weiter bestehen kann. Eine schöne Ergänzung für kühlere Abende ist ein Fransen-Tuch möglichst in der Farbe der Schürze, das zum Dreieck gefaltet über die Schultern gelegt und seitlich ins Mieder gestopft wird.

Die klobigen Haferlschuhe dazu übrigens müssen nicht sein, da ist die strenge Trachten-Mode heutzutage gelockert, es darf auch in schicken Western-Stiefeln, Ballerinas oder nicht zu hohen Pumps daher geschreitet werden.

Denn achten Sie mal darauf: Im Dirndl geht oder gar schlurft man nicht daher, es ist eines der schönsten weiblichsten Kleidungsstücke, und plötzlich schreitet die Besitzerin mit hoch erhobenem Kopf durch die Reihen der beeindruckten Manns-Bilder !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.