Depression in der Gesellschaft

Eine psychische Erkrankung durch Überforderung im Alltag.

Depressive Erkrankungen sind oft bedingt durch Unzulänglichkeit und Erschöpfung des Selbst. Eine sozial-individuelle Betrachtungsweise versucht das Dilemma zu skizzieren.

Depression tritt in der heutigen, schnellebigen, modernen Gesellschaft sehr häufig auf und wird zumeist als die unerkannte Erkrankung der Individualisierung bezeichnet. Vielfach wird eine depressive Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, vor allem aus dem Grund, dass die Erkrankung nicht als solche erkannt wird. Depressionen haben nämlich in ihrem Erscheinungsbild unterschiedlichste Facetten.

Obwohl die bekannte Zahl der an Depression erkrankten Personen in den letzten Jahren stark angestiegen ist, bleibt vermutlich jede zweite depressive Erkrankung unerkannt. Ärzte können eine Depression wie auch die auftretenden Symptome in Form gesundheitlicher Leiden oft nicht einordnen und stellen dem Patienten eine Fehldiagnose oder zögern mit der Behandlung. Erschwerend ist die Begebenheit, dass kein konkretes Krankheitsbild der Depression existiert, sondern eine unbekannte Vielzahl unterschiedlicher Formen auftreten können.

Ursachen der depressiven Erkrankung

Ursachen für die Zunahme dieser Erkrankung in der Gesellschaft, die sich nicht immer durch organisch-körperliche Leiden manifestiert, sind zumeist die hohen individuellen Lebensumstände und Überforderungen den Ansprüchen, Aufgaben und Problemen des Alltags gerecht zu werden. Ein erhöhtes Depressionsrisiko ist über verschiedene soziokulturelle Kontexte hinweg erkennbar. Das Leiden an Depression ist sehr eng mit den Individuen, der Kultur und den impliziten Problemen der individuellen Lebensführung verbunden.

Aus dem Bundesgesundheitssurvey von 1998/1999 geht hervor, dass in Deutschland rund 4,5 Prozent der Männer und 7,8 Prozent der Frauen die Kriterien für eine depressive Störung aufweisen. Bei den Personen, die unter Depressionen leiden, handelt es sich nicht nur um Erwachsene, sondern auch zunehmend um Kinder und Jugendliche. In Anbetracht der steigenden Leistungserwartungen ist zu vermuten, dass die Ziffer der depressiven Erkrankungen deutlich zunehmen wird.

Depression bei Kindern und Jugendlichen

In Bezug auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen ist zu konstatieren, dass bereits diese bereits sehr früh mit Leistungsdruck konftontiert werden, zum Beispiel, um in der Schule maximale Resultate zu erlangen. Zudem nehmen sie oft an kompetitiven Freizeitaktivitäten teil, in denen sie sich zusätzlich behaupten müssen.

Das Streben nach Anerkennung, Bestleistungen und Beliebtheit ist vordergründig zu beobachten, unabhängig, ob es im direkten familiären Umfeld, in der Schule oder im Freundeskreis erfolgt. Der Einzelne versucht stets der Beste unter den Besten zu sein und sich in dieser Form zu repräsentieren. In Momenten, in denen die angestrebten Ziele nicht erreicht werden, besteht für einen ungefestigten, labilen oder sensiblen Charakter das Risiko, das negative Ergebnis der Bemühungen sich sehr zu Herzen zu nehmen und die Schuld des Misserfolges bei sich selbst zu suchen. Für das Individuum bedeutet dieser Umstand, sich gegen eine depressive Reaktion unbewusst zu wehren. Allerdings hat der menschliche Geist seine Grenzen. Sind diese individuellen Grenzen erreicht, kann das Gefühl des Versagens, der Unzulänglichkeit und der Erschöpfung sich ausbreiten und in Gestalt der Depression Einzug nehmen.

Demzufolge, so der französische Soziologe Alain Ehrenberg, handelt es sich bei der Depression um eine Krankheit, die sich gut für das Verständnis der zeitgenössischen Individualität eignet wie auch in Bezug auf die neuen Dilemmata, in der die Individualität steckt. Es ist zu vermuten, ebenfalls im Tonus von Alain Ehrenberg, dass Depression als eine Krankheit der Erschöpfung und der Verantwortlichkeit ist, in der ein Gefühl der Minderwertigkeit vorherrscht. In diesem Zustand ist der depressiv Erkrankte mental und körperlich nicht auf der Höhe und erschöpft von der Anstrengung, er selbst zu werden und dem gesellschaftlichen, familiären und privatem Leben nicht zu genügen.

Begriffswahl und Formen der „Depression“

Da die Begriffswahl „Depression“ aus einer Kombination von psychiatrischen Elementen und tief greifenden normativen Veränderungen der modernen Lebensweise resultiert, ist eine vielfältige Verwendung des Begriffs möglich. Im Allgemeinen sind Depressionen durch Gefühle der Unzulänglichkeit, Mutlosigkeit, Lustlosigkeit, Pessimismus sowie Traurigkeit gekennzeichnet. Die Schulmedizin weist eine große Anzahl an Begriffen zur Bestimmung einer Depression auf wie zum Beispiel depressive Episode, dysthyme, zyklone Störung, wodurch deutlich wird, dass eine Begriffsdefinition schwierig ist.

Die Diagnose einer klinisch-relevanten Depression umfasst zudem spezifische Symptome, wie Schuldgefühle, Schlaf- und Appetitlosigkeit, Antriebsminderung, Freudlosigkeit, Schwermut sowie Selbstmordabsichten. Für die Form der Depression mit hohem Selbstmordrisiko hat sich die Bezeichnung bipolare Störung bewährt und durchgesetzt. Diese Form weist einen Wechsel zwischen manischen und depressiven Phasen auf.

Unter dem Begriff der primären Depression ist die Form zu verstehen, die keine andere seelische oder körperliche Krankheit als Ursache hat.

Zu erkennen ist, dass erklärbare Depressionen, die sogenannten co-morbiden Depressionen, jene die sich in anderen Krankheitsbildern ausdrücken, wie zum Beispiel Angst, Schlafstörungen, Alkoholismus, Zwänge oder chronische Schmerzen, zunehmen.

Des Weiteren kommt es zu Interessenlosigkeit, Abfall der Leistungsfähigkeit und Traurigkeit, begleitet von Ängsten, Schlafstörungen, Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen, Unruhe und typischen Missstimmungen. Betroffene sind in der Depression mit Symptomen konfrontiert, die von dem Rückgang der Lebensenergie und Antriebsschwäche bis hin zur völligen Lethargie reichen können. Das Glücksgefühl, der Humor und die Fähigkeit zu lieben verschwindet.

Kriterien für eine Depression

Ein weiteres wesentliches Kriterium einer Depression ist das Verlieren der Verbindung zum eigenen Wesenskern, was sich bei immer mehr Menschen der modernen Leistungsgesellschaft feststellen lässt.

Alles, was mit Verlust von Lebensenergie und Verbundenheit mit dem eigenen Wesenskern einhergeht, hat einen depressiven Ansatz, wie das Burn-out-Syndrom oder das chronische Müdigkeitssyndrom. Der Übergang vom Burnout-Syndrom zur Depression ist oft fließend.

Neben den erwähnten Anzeichen einer depressiven Erkrankung können alle Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsmangel, Konzentrationsstörungen und Essstörungen ein Anzeichen für Depressionen bedeuten.

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