Depressionen und Kognitive Verhaltenstherapie

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei Depressionen wirkt sehr gut, sagt die Wissenschaft. Warum ist das so ?

Michael Wirsching bezeichnet in seinem Ratgeber „Psychotherapie – Grundlagen und Methoden“ die Kognitiven Verhaltenstherapien als „die psychologischen Psychotherapien schlechthin“ (Wirsching, S. 29). Sie nähmen am konsequentesten auf die allgemeinen Theorien heutiger Psychologie Bezug. Herauszugreifen ist hier insbesondere die Lernpsychologie. Sie steht im Mittelpunkt der KVT. Bei ihr sollen – vereinfacht gesagt – negative „automatische“ Gedanken durch positive Denkmuster ersetzt werden. Dies ist ein Lernprozess. Doch welche Denkfehler bedingen die Depression ?

Die typischen automatischen Gedanken bei Depressionen

Man kann zusammenfassend feststellen, dass depressive Menschen einen ausgesprochenen negativen Denkstil verinnerlicht haben. Dieser bestimmt ihr alltägliches Handeln und führt einerseits zu mangelnden Erfolgserlebnissen und andererseits zu einer Abwertung der eigenen Person („Ich bin nichts wert“). Im einzelnen haben die Psychologen folgende Denkmuster – sog. dysfunktionale Kognitionen – identifiziert, von denen die wichtigsten – nach Wilken, S. 26 – hier skizziert werden sollen.

Nicht realitätsbezogene, verallgemeinernde Konsequenzen

Depressive Menschen neigen dazu, aus Erfahrungen des Alltags Ableitungen vorzunehmen, die mit der Realität nichts zu tun haben. So fragt sich ein Mensch, in dessen Lebenssituation die Depressionen keine Rolle spielen, ob seine nicht bestandene Prüfung eventuell mit Defiziten in seiner Vorbereitung zu tun hat. Der depressiv veranlagte Mensch hingegen stellt eine solche Überlegung nicht an. Er kommt persönlich zu der festen und allgemeinen Überzeugung, dass er ein Versager sei. Dies führt dann bei einer Wiederholungsprüfung zu der sogenannten „Selbsterfüllenden Prophezeiung“: da die (willkürliche) Vorstellung des in der Person verwurzelten allgemeinen Versagens letztlich die Motivation zur gewissenhaften Vorbereitung nimmt („Das nützt sowieso nichts“), bleibt zwangsläufig der neue Erfolg wieder auf der Strecke. Ein Teufelskreis kann entstehen.

Schwarz-Weiß Denken

Sehr häufig ist im Kontext der Depression auch die Tendenz festzustellen, im alltäglichen Denken lediglich Gegensatzpaare („gut und böse“, „alles oder nichts“) zuzulassen. Abstufungen kann der Depressive bei Bewertungen nicht vornehmen. Setzt zum Beispiel der erfolgreiche Abschluss eines Kurses mehrere bestandene Prüfungen voraus und fällt der depressive Mensch bei einer durch, so ist nach seinem Weltbild eine Weiterführung des ganzen Kurses sinnlos.

Die Aufgabe des Therapeuten

Ziel der KVT ist es, die „automatischen“, unbewusst ablaufenden selbstzerstörerischen Gedanken dem depressiven Menschen bewusst zu machen und durch neue adäquate, dass heißt realitätsbezogene zu ersetzen. Ein Mittel dazu kann zum Beispiel die Aufforderung des Therapeuten an den Patienten sein, die oben beschriebenen willkürlichen, allgemeinen Schlussfolgerungen („Ich bin ein Versager“) anhand der Wirklichkeit zu beurteilen (Wilken, S. 30). Ist es tatsächlich so, dass sich das Versagen wie ein roter Faden durch das Leben des Depressiven zieht ? Oder gibt es Erfolgserlebnisse, die dem Schluss widersprechen ?

Kognitive Verhaltenstherapie bedeutet „Lernen“

Unter dem Begriff „Lernen“ versteht die allgemeine Psychologie eine Verhaltensänderung durch Erfahrung. So wie ein Kind in der Schule die Grundrechenarten vermittelt bekommt müssen beim depressiven Menschen grundlegende Strukturen anhand von Erfahrungen neu verankert werden.

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