Der Apfel – Vitaminreservoir und Heilmittel

Wie gesund ist der apfel? »An apple a day keeps the doctor away«, sagt der Volksmund. Kein Wunder, denn was das kleine Früchtchen alles kann, vernimmt man mit Erstaunen.

Der Apfel ist die älteste Nutzfrucht der Erde. Bereits vor 70 Millionen Jahren waren am Ende der Kreidezeit primitive Formen der späteren Wildarten in tropischen und subtropischen Gebirgstälern Südostasiens beheimatet, die sich immer weiter nach Westen bis zum Kaukasus ausbreiteten. Die später in Europa heimisch gewordene Wildart Malus sylvestris, der Holzapfel, soll nach der letzten Eiszeit, vor etwa 15.000 bis 20.000 Jahren, in Südrussland entstanden sein. Die Zahl der ursprünglichen Wildarten, die damals erst kirschengroß waren, schätzt man auf 25 bis 35. Als Ahnen unserer Kultursorten werden der sogenannte Kaukasus-Apfel sowie der Altai-Apfel vermutet. Die Griechen brachten die Apfelkultur zu einer ersten Blüte und die Römer entwickelten sie weiter. Die Mönche des frühen Mittelalters schließlich veredelten Holz- und Waldäpfel und züchteten verschiedene Sorten, die bis zum Frühjahr auf Stroh gelagert werden konnten. Die älteste dokumentierte Sorte des Kulturapfels ist der »Borsdorfer Apfel«, der um 1170 von den Zisterziensern kultiviert wurde.

Heutzutage gibt es allein in Deutschland um die 1500 Sorten, von denen allerdings nur noch 60 wirtschaftlich von Bedeutung sind. Im Supermarkt reduziert sich das Angebot weiter auf fünf bis sechs Arten und europaweit machen »Golden Delicious, Jona Gold und Red Delicious« 70 Prozent des Gesamtangebots am Apfelfruchtmarkt aus. Es folgen die Sorten »Granny Smith, Gala, Elstar, Cox Orange, Boskop und Gloster.« Der Apfel ist nach wie vor beliebt, so vertilgt der Bundesbürger immerhin 30 Kilogramm davon pro Jahr und trinkt 11,7 Liter Saft.

Der Apfel als lebensverlängerndes Allheilmittel

Durch die Lagerung des Apfels hatte man auch schon vor der Erfindung der Kühlschiffe die Möglichkeit Vitamine in die kalte Jahreszeit mit hinein zu nehmen. Zudem galt er schon immer als lebensverlängerndes Heilmittel. Äpfel enthalten 30 Vitamine und Spurenelemente, allen voran das wichtige Vitamin C. Die Vitamine sitzen vor allem unter der Apfelhaut. Wer also schält, schält die Vitamine. Reichlich enthalten im Apfel ist Kalium, das für die Nerven und den Muskelstoffwechsel wichtig ist, sowie Phosphor, Kalzium, Magnesium und Eisen. Das für die Schilddrüse wichtige Jod befindet sich im Kerngehäuse. Der Apfel enthält viele Ballaststoffe, weshalb er bei Verstopfung hilft und außerdem eine darmreinigende Wirkung hat. Unser Gehirn benötigt Glukose, um arbeiten zu können. Hier liefert der Trauben- und Fruchtzucker des Apfels schnelle Energie und ist deshalb als Frühstückchen für eilige Kinder und Erwachsene besonders gut geeignet. Er enthält außerdem leicht verdauliche Kohlenhydrate und tut daher dem reizbaren Magen gut, etwa als Apfelmus oder Kompott. Bei Durchfallerkrankungen hilft ein auf einer Glasreibe bis unter die Schale geriebener Apfel schon bei Babys. Das im Apfel enthaltene Pektin senkt nachweislich den Cholesterinspiegel und beugt daher Herz- und Kreislauferkrankungen vor. Zudem ist es ein natürliches Konservierungs- und Geliermittel. Deshalb benötigt man viel weniger Zucker beim Kochen eines Apfelgelees. Sekundäre Pflanzenstoffe schließlich stärken das Immunsystem, Polyphenole mindern das Krebsrisiko.

Auch in Kunst, Literatur und Mythologie hat der Apfel von jeher seinen Platz. Das beginnt bei der bekannten paradiesischen Geschichte und setzt sich bei den Griechen fort, indem Eris, die Göttin der Zwietracht, den goldenen »Zankapfel« mit der Aufschrift »Der Schönsten« zwischen die Göttinnen warf und so letztlich den trojanischen Krieg auslöste. Für die Germanen ist der Apfel Sinnbild der Liebe, Jugendkraft und Schönheit. Als Reichsapfel war er Symbol für die Weltkugel und Zeichen deutscher Kaiserwürde und selbst im Schneewittchen-Märchen spielt er eine wichtige Rolle.

Apfel im Schlafrock oder Bratäpfel sind Klassiker

Der Apfel ist äußerst vielseitig verwendbar. Er kann gekocht, gebacken oder gedarrt werden. Roh gerieben ist er der wichtigste Bestandteil des Züricher Birchermüslis. Als Pausensnack oder Dessert erfreut er sich der gleichen Beliebtheit wie in Form von Apfelstrudel, Bratapfel oder Apfel im Schlafrock. Eine Spezialität ist das »Apfelkraut«, das in Naturkostläden erhältlich ist: Ein besonders dick eingekochter Apfelsaft mit höchstens 25 Prozent Zucker, der sich hervorragend zum Süßen eignet. In die Keller kommt das Kernobstgewächs aus der Familie der Rosengewächse im Herbst als Apfelmost oder Cidre und in seiner konzentriertesten Form erscheint es als Obstler oder Calvados gebrannt.

Ein Rezept für »Apfel im Schlafrock« findet sich in der Literatur im Zusammenhang mit Goethes Mutter: Man entfernt bei den geschälten Äpfeln das Kerngehäuse und füllt sie mit Gelee. Sodann werden sie in einen dünn ausgerollten Mürbeteig gekleidet und so lange in die Bratröhre gesteckt, bis sie braun und knusprig sind. Hinterher werden sie mit Puderzucker betreut. Was Catharina Elisabeth Goethe mit der Bemerkung zu tun pflegte: »Jetzt bekommt er sein weiß Spitze-Schürzche.«

Bei Kindern wie bei Erwachsenen beliebt und durch den Duft unbedingt mit Weihnachten verbunden ist der Bratapfel. Hier ein Rezept:

Zutaten:

2 Boskop-Äpfel, 1 EL Mandeln, 1 EL Rosinen, 1 EL Marzipan, 1 EL Honig, 100 ml Orangensaft, 200 ml Schlagsahne

Die Äpfel mit einem Apfel-Entkerner aushöhlen, nicht schälen. Mit den Mandeln, Rosinen, Marzipan füllen. Den Honig und den Orangensaft über die Äpfel gießen. Bei 200 Grad in den vorgeheizten Ofen schieben und 20 Minuten garen. Schlagsahne darüber geben und fertig!

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