Der Obi – mehr als ein Accessoire

Der japanische Gürtel wird nicht nur zu Kimonos getragen. Meist bringt man den Obi mit den aufwendigen Kimonos von Geishas in Verbindung, aber er findet auch in traditionellen japanischen Kampfsportarten Verwendung.

Wenn man an einen Obi, dem Gürtel bei japanischen Gewändern wie etwa dem Kimono denkt, dann hat man eigentlich sofort das Bild einer Geisha im Kopf. Kein Wunder, denn an ihnen ist dieses raffinierte Kleidungsstück am auffälligsten drapiert und geknotet. Doch der Obi findet sich auch in den Budokünsten, den traditionellen Kampfsportarten, wieder. Dort allerdings ist er eher funktional denn schmückend, und zeigt mit unterschiedlichen Farben den Leistungsgrad des Trägers an.

Verschiedene Materialien für einen Obi

Nicht ohne Grund kann ein Obi das teuerste Stück Stoff sein, welches man in Japan zu einem Kimono trägt. Immerhin wird die edelste Variante aus aufwendig gefärbtem Seidenbrokat hergestellt. Und da ein Obi meist mehrere Meter lang und etwa einen Meter breit ist, wird sehr viel Stoff benötigt. Natürlich gibt es auch Obis aus schlichter Baumwolle, die durch lackierte Fäden, die entweder in den Gürtel eingewebt oder auf den Obi gestickt werden können, aufgewertet. Prinzipiell gilt aber, dass, je höher die Stellung oder Herkunft, desto besser das Material eines Obi sein muss.

Soziale Unterschiede am Obi erkennen

Bis heute kann man am Material sowie an der Bindeart des Obi erkennen, welchem sozialen Milieu die Trägerin entspringt. Bei traditionellen japanischen Anlässen wie etwa einer Hochzeit, mag das jetzt nicht allzu relevant sein, denn dort wissen die Gäste per se, aus welcher Gesellschaftsschicht die jeweiligen Personen stammen, auf der Straße und im Alltag kann man an der Art und Weise der Bindung allerdings deutliche soziale Unterschiede ausmachen. So tragen Prostituierte den Obi zum Beispiel vorne am Bauch geknotet, damit sie den Gürtel schnell lösen und sich ausziehen können. Geishas hingegen lassen sich den Obi aufwendig am Rücken binden. Oft wird der Stoff so drapiert und zusätzlich ausgepolstert, dass die Schleife wie ein kleiner Kasten aussieht und dann als Trommelknoten bezeichnet wird. Ist der Obi einmal angelegt, bedeckt er bei Geishas fast das komplette Brustbein und wertet mit seinem edlen Material den Kimono auf. Zudem bildet er häufig einen Kontrast zu dessen Farbe.

Der Obi einer Maiko

Im Gegensatz zum Obi einer Geisha besteht der Gürtel einer Lerngeisha, einer sogenannten Maiko, nicht aus Seidenbrokat, sondern aus Baumwolle. Statt am Rücken wird er auf Höhe der Schulterblätter geknotet, wobei allerdings sehr viel Stoff einfach hängen gelassen wird, statt in den Knoten mit eingebunden zu werden. Dadurch wird ein großer Teil des Kimonos vom Obi verdeckt. Meistens werden für eine Maiko auffallende und leuchtende Farben für solch einen Gürtel verwendet, die passend zur Jahreszeit und zum Kimono ausgesucht werden.

Der Obi im Sport

Diese Art der Farbfreiheit haben Budo-Kämpfer nicht, denn bei ihnen zeigt die Farbe des Obi den Lerngrad an (weiße Gürtel für Anfänger, schwarze oder rote Gürtel für Meister). Allerdings hat hier der Obi auch einen praktischen Zweck und wird nicht als schmückendes Element getragen. Im Judo zum Beispiel hält der Obi den Kampfanzug zusammen, während beim Kenjutsu die Schwertscheide daran befestigt werden kann. Wegen der Praktikabilität sehen die japanischen Gürtel im Sport natürlich auch gänzlich anders aus. Zum einen bestehen sie aus einem strapazierfähigen Stoff wie Baumwolle. Zum anderen sind sie lediglich zwischen vier und acht Zentimeter breit – das variiert je nach Sportart. Selbiges gilt auch für die Bindetechnik. Beim Judo etwa wird der Obi zweimal um die Körpermitte gewickelt und vorne mit einem Werberknoten geschlossen. Beim Iaido hingegen ist der Obi mit vier Metern um einiges länger und wird viermal um den unteren Teil der Taille geschlungen. Man sieht also dass auch im sportlichen Bereich die feinen Nuancen des Obi ebenso entscheidend sind wie bei der modischen Variante.

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