Berufswahl in Erziehung, Bildung, Sozialwesen

Persönliche Vorlieben sollten in die Wahl des Berufs einfließen. In den Bereichen Erziehung, Bildung und Sozialwesen gibt es eine Reihe von Berufsbildern. Neben den Zugangsvoraussetzungen sind persönliche Neigungen zu berücksichtigen.

Die Liste der Berufe im Sozial- und Bildungswesen ist lang: Kinderpflegerin, Erzieherin, Altenpflegerin, Lehrerin (nach Schulformen differenziert), Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Diplom-Pädagogen, Sozialwissenschaftler, Soziologe, Psychologe. Welcher Beruf ist der Richtige?

Zugangsvoraussetzungen für einen bestimmten Ausbildungs- oder Studiengang

Zur Beantwortung dieser Frage ist unter anderem die Grundqualifikation zu berücksichtigen. Für eine Ausbildung zur Erzieherin reicht die Fachoberschulreife (Mittlere Reife) aus, für eine Lehre zur Kinderpflegerin sogar der Hauptschulabschluss Typ 10a. Bei Altenpflegerinnen wird in der Regel ebenfalls die Mittlere Reife vorausgesetzt. Für die übrigen genannten Berufsbilder ist Abitur oder Fachhochschulreife erforderlich, da die notwendigen Abschlüsse nur an einer (Fach-)Hochschule oder alternativ einer Berufsakademie (zumindest bei Sozialarbeitern oder -pädagogen) erworben werden können.

Losgelöst von den formalen Voraussetzungen: persönliche Vorlieben hinsichtlich des Klientels

In manchen Ausbildungs- und Studiengängen ist das Klientel sehr auf eine bestimmte Personengruppe und bestimmte Institutionen beschränkt. Während Erzieher sowohl in Kindergärten, Kindertagesstätten als auch in Wohnheimen für Kinder und Jugendliche tätig werden können, sind die Einsatzmöglichkeiten für Kinderpflegerinnen fast ausschließlich auf Kindertageseinrichtungen begrenzt. Angehende Erzieherinnen sollten sich zudem kritisch fragen, ob sie lieber mit Kindern im Vorschulalter arbeiten oder besser mit Schulkindern oder Jugendlichen zurecht kommen.

Analog gilt dies auch für angehende Lehrer, da hiervon die Wahl des Studiengangs abhängt. Lehramtsanwärter Primarstufe haben es ausschließlich mit Grundschulkindern zu tun, während Studierende für die Sekundarstufen I und II es mit Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren zu tun haben. Hinzu kommen andere Fächerkombinationen und didaktische Methoden, die dem Alter der Schüler und dem Lernstoff angepasst sind.

Für Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Diplom-Pädagogen gibt es zwar praktisch hinsichtlich des Alters ihres Klientels keine Beschränkung nach oben oder unten, dennoch sollte sich jeder Studieninteressent fragen, welche Personengruppe oder welches Arbeitsfeld ihm am meisten liegt.

Mögliche Arbeitsfelder für Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Diplom-PädagogenHierzu zählen beispielhaft:

  • Straffälligenhilfe, Bewährungshilfe, Justizvollzugsanstalten
  • Suchtkrankenhilfe, Suchtprävention
  • Heimerziehung
  • Erwachsenenbildung (zum Beispiel Volkshochschulen, Wirtschaftsschulen)
  • Berater/Coach
  • Jugend- und Gesundheitsämter, Allgemeiner Sozialer Dienst
  • Erlebnispädagogik, Freizeitpädagogik.

Anhand dieser Auflistung wird deutlich, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind hinsichtlich Institutionen, Arbeitsfeldern und Klientel.

Sozialwissenschaftler und Soziologen werden oft eher dem Feld Forschung/empirische Sozialforschung zugerechnet, häufig sind sie jedoch auch in den oben genannten Arbeitsfeldern praktisch tätig. Oft kommt es zu Überschneidungen zwischen den einzelnen Berufsbildern.

Persönliche Grundvoraussetzungen für eine Tätigkeit in den Bereichen Erziehung, Bildung und Sozialwesen

Losgelöst von den formalen Voraussetzungen und den persönlichen Neigungen hinsichtlich eines bestimmten Klientels oder Arbeitsfeldes sollte jeder, der sich für einen Beruf im Bereich Erziehung, Bildung und Sozialwesen interessiert, Freude am Umgang mit Menschen haben. Ein schüchterner, einzelgängerischer Zeitgenosse wird mit der Zeit unter Dauerstress stehen, wenn er sehr scheu gegenüber anderen Menschen ist und gezwungenermaßen jeden Tag mit ihnen berufilch zu tun hat, um sie zu beraten und/oder zu betreuen.

Auch eine stabile psychische Verfassung ist Voraussetzung, gerade wenn man mit sehr problembehaftetem, emotional aufwühlendem Klientel arbeiten möchte wie etwa misshandelten und missbrauchten Kindern. Bei psychischer Labilität besteht die Gefahr, anhand der realen Fälle erst recht psychische Störungen zu entwickeln. Das vermeintliche Trostpflaster „Es gibt Menschen, die ja noch schlimmer dran sind als ich“ wird ansonsten irgendwann zur zusätzlichen psychischen Belastung.

Wichtig ist zudem die Weltoffenheit des Pädagogen oder Beraters. Arbeitet ein Sozialpädagoge beispielsweise mit Jugendlichen, sollte er zumindest wissen, wer Bushido oder Tokio Hotel sind – auch wenn er den Musikgeschmack der Teenies nicht teilt. Die Kenntnis bestimmter Dinge im Lebensumfeld des Klientels sind wichtig, um sie und ihre Sicht der Dinge besser zu verstehen. Dies heißt aber nicht, dass der Pädagoge plötzlich zum Kumpel-Typen mutieren soll, der versucht, sich wie Bushido zu geben oder zu kleiden – mit Kumpel-Typen, die eigentilch eine gewisse Autorität vermitteln sollen, können die meisten Jugendlichen nichts anfangen, zumal sie dann zusätzlich das Gefühl bekommen, wieder keine Richtung vorgegeben zu bekommen, wie sie es bisweilen schon im Elternhaus erlebt haben.

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