Die Bezeichnung der Achsfolgen bei Lokomotiven

Radsätze von Eisenbahn- Triebfahrzeugen erfüllen vielfältige Aufgaben. Daraus resultiert ein differenziertes System zur Bezeichnung der Räder und Achsen.

Nicht alle Räder eines Eisenbahn- Triebfahrzeuges sind angetrieben. Das war schon bei den allerersten Lokomotiven so. Entsprechend werden sie unterschiedlich bezeichnet. Da die Räder von Eisenbahnfahrzeugen in der Regel fest auf Achsen sitzen, werden in Europa nicht Räder, sondern Achsen gezählt.

Angetriebene und nicht angetriebene Achsen

Stephensons Rocket, eine der ersten erfolgreich laufenden Dampfloks, besaß zum Beispiel zwei Achsen, doch war nur eine angetrieben – und daher größer. Die nicht angetriebene, hintere Achse hatte kleinere Räder. Im Bezeichnungs- System der Achsfolgen werden angetriebene Achsen mit Großbuchstaben, nicht angetriebene mit Zahlen bezeichnet. Die Achsfolge der Rocket lautet daher A1. Der Adler, die erste Lok, die in Deutschland fuhr, hatte demnach die Achsfolge 1A1 – eine nicht angetriebene, im Hauptrahmen gelagerte Vorlaufachse, eine im Hauptrahmen gelagerte Treibachse und eine nicht angetriebene, im Hauptrahmen gelagerte Nachlaufachse.

Verfügt eine Lokomotive über mehrere, direkt hintereinander im gemeinsamen Rahmen gelagerte, gleichartige Achsen, werden diese durchgezählt. Die Saxonia, die erste in Deutschland gebaute Lokomotive, besaß zum Beispiel zwei Treibachsen, dazu einen nicht angetriebenen Nachläufer im selben Rahmen, der, wie beim Adler auch, half, die Last auf den einzelnen Achsen nicht zu hoch werden zu lassen. Die Achsfolge lautet also B1.

Drehgestelle, Vor- und Nachlaufachsen

Kommen wegen des höheren Gewichts der Lok weiter Achsen dazu, wird es irgendwann nötig, die Kräfte, die bei der Fahrt im Bogen auf die Räder wirken, zu reduzieren. Dies wird erreicht, indem man die ersten und letzten Achsen seitenverschiebbar oder radial schwenkbar ausführt. In der Regel sind dies nicht angetrieben Achsen. Die Kuppelstangen, die bei Dampflokomotiven die Kraft auf die einzelnen Achsen verteilen, lassen nämlich eine gegenseitige Verschiebung angetriebener Achsen nur in sehr geringem Umfang zu.

Früh entstand daher das Drehgestell, in welchem gewöhnlich zwei Achsen in einem gemeinsamen, vom Hauptrahmen unabhängigen Rahmen gelagert sind. Dieser kleinere Rahmen kann unter der Lok seitlich ausschwenken und drehen. Drehgestelle, aber auch einzeln in einem beweglichen Rahmen sitzende Vor- und Nachlaufachsen, werden mit einem Apostroph gekennzeichnet. Die typische Wild- West- Lok mit ihrem zweiachsigen Vorlaufdrehgestell und ihren beiden großen Treib- beziehungsweise Kuppelachsen hat also die Achsfolge 2’B. Die preußische Gattung P10 zum Beispiel hatte die Achsfolge 1’D1’, die Baureihe 01 die Achsfolge 2’C1’.

Geteilte Triebwerke

Vergrößert man zwecks Steigerung von Reibungsmasse und Zugkraft die Zahl der Treibachsen einer Lok, wird diese irgendwann so lang, dass sie in den Kurven die Schienen auseinander drückt. Findige Ingenieure kamen daher auf die Idee, die Triebwerke zu teilen. Big Boy, die größte jemals in den USA gebaute Dampflok- Baureihe, hatte solch ein geteiltes Triebwerk, in welchem die acht Treib- und Kuppelachsen, jeweils von einem eigenen Paar Zylinder angetrieben, in zwei Gruppen geteilt in je einem beweglichen und einem starren Rahmen saßen. Beide verfügten zudem über Laufachsen in Drehgestellen. Die Achsfolge lautet also (2’D)’D2’.

Einzelachsantrieb

Auch bei den ersten Elektro- Lokomotiven konnte man auf Kuppelstangen nicht verzichten, da ein riesiger Motor über Stangen auf die Räder wirkte. Kleinere Motoren ermöglichten später den Einzelachsantrieb. Gemeinsam in einem Rahmen liegende, jedoch einzeln angetriebene Achsen werden mit einem kleinen „o“ gekennzeichnet. Moderne Elektroloks haben demnach vielfach die Achsfolge Bo’Bo’.

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