Dinosaurier aus Argentinien in Bonn

Die Giganten des Erdmittelalters machen Station im Museum Koenig. Als zweite Etappe ihrer Tournee durch deutsche Museen gastiert die Ausstellung „Dinosaurier – Giganten Argentiniens“ im Museum Alexander Koenig in Bonn.

Dinosaurier – von diesen urzeitlichen Tieren geht eine besondere Faszination aus. Aus Argentinien sind in den letzten Jahren vermehrt beeindruckende Dinosaurier-Funde bekannt geworden. Dazu gehören die größten, die schrecklichsten, aber auch die kleinsten und die ältesten Dinos, die derzeit bekannt sind. Sie alle sind bis zum 6. Juni 2010 in der Ausstellung „Dinosaurier – Giganten Argentiniens“ im Museum Alexander Koenig in Bonn zu sehen.

Der Noch-nicht-Dino

In die Sonderausstellung kommt man im ersten Stock. Nach einigen einleitenden Texttafeln zur Bedeutung Argentiniens für die Dinosaurier-Forschung läuft man am ersten Exponat fast vorbei – so unscheinbar ist das Skelett, das in einer in die Wand eingelassen Vitrine steht. Lagosuchus heißt das noch nicht einmal hühnergroße Kerlchen – Hasenkrokodil. Von allen Noch-nicht-Dinos ist Lagosuchus am dichtesten an den Dinosauriern dran, hat aber noch nicht alle Dino-Merkmale.

Die Morgenröte der Dinosaurier

Der erste echte Dino erwartet den Besucher eine Vitrine weiter. Eoraptor heißt er – der Jäger der Morgenröte. Er stammt aus der oberen Trias. Groß ist auch er nicht – gerade einmal kniehoch und gut 1,5 Meter lang. Mit drei Metern Länge deutlich größer ist Herrerasaurus, der erdgeschichtlich nicht viel jünger ist. Frenguellisaurus sieht aus wie der große Bruder von Herrerasaurus, und tatsächlich wird derzeit noch diskutiert, ob die beiden Gattungen nicht identisch sind. Alle drei sind nicht nur als montierte Skelette, sondern auch als lebensechte Rekonstruktionen zu sehen.

Erster Dino, der auch Pflanzen fraß

Die Vertreter dieser drei Gattungen waren als Jäger unterwegs. Doch schon früh stiegen einige Dinosaurier auf Nahrung um, die ihnen nicht weglaufen konnte. Panphagia, ebenfalls aus der oberen Trias, ernährte sich nicht nur von Insekten und kleinen Reptilien, sondern kam auch mit pflanzlicher Nahrung gut klar. Das zeigt eindeutig der Bau der Zähne.

Das Skelett von Panphagia – der Name bedeutet übrigens Allesfresser – wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt und erst 2008 wissenschaftlich publiziert. Die Ausstellung zeigt also die Ergebnisse aktuellster Forschung.



Mussaurus: der kleinste

Auch der kleinste jemals gefundene Dinosaurier liegt gut geschützt unter einer Glasscheibe: Mussaurus, der Maussaurier. Doch handelt es sich bei diesem kleinen Tierchen nicht um einen erwachsenen Dino, sondern um ein Küken, gerade aus dem Ei geschlüpft. Die Exemplare von Mussaurus sind die ältesten Dino-Jungtiere der Welt.

Überleben bis in den Jura: Die Prosauropoden

Panphagia und Mussaurus sind frühe Vertreter der so genannten Prosauropoden. Diese Gruppe hat als erste wirklich große Formen entwickelt. Doch auch die weiteren in Bonn ausgestellten Vertreter dieser Gruppe sind mit etwa 3 Metern Länge keine Riesen. Sie stammen, im Gegensatz zu den meisten Vertretern dieser Gruppe, nicht mehr aus der Trias. Adeopapposaurus und Leonerasaurus stammen vielmehr bereits aus der nächsten Epoche des Erdmittelalters, dem Jura. Anders als auf den Nordkontinenten konnten die Prosauropoden auf den Südkontinenten über die Trias hinaus überleben. Leonerasaurus ist, ebenso wie Adeopapposaurus, noch nicht wissenschaftlich beschrieben und in der Wanderausstellung erstmals zu sehen.

Kurzhalsiger Langhalssaurier

Zur Schwestergruppe der Prosauropoden, den echten Sauropoden, gehören zwei Sauropoden, bei denen die Tendenz zu beobachten ist, den Hals nicht extrem zu verlängern, sondern ihn zu verkürzen. Und so heißt der ältere von beiden auch Brachytrachelopan, was soviel wie kurzhalsiger Hirtengott heißt – Pan übrigens, weil bei der Entdeckung ein ortsansässiger Schafzüchter beteiligt war. Mit zehn Metern Länge und etwa sechs Tonnen Lebendgewicht gehört dieser Dino aus dem oberen Jura Patagoniens zu den eher kleinen Sauropoden.

Jäger auf Sauropoden

Während Eoraptor noch so weit unten in der Systematik der Dinosaurier steht, dass er keiner der Dino-Großgruppen zugeordnet werden kann, gehören Herrerasaurus und Frenguellisaurus an die Basis der Theropoden, der Raubsaurier. Zu diesen gehört auch Piatnitzkysaurus. Immerhin vier Meter lang und 300 kg schwer ist dieser Jäger geworden. Damit war er durchaus in der Lage, sich an Brachytrachelopan heranzuwagen.

Als Argentiniens Dinosaurier in die Kreide kamen

Die beeindruckendsten Dinosaurier in der Ausstellung in Bonn stammen allesamt aus der Kreide, dem letzten Abschnitt des Erdmittelalters. Carnotaurus ist ein großer Vertreter einer recht basalen Linie der Raubdinosaurier. Über den Augen trägt er ein Paar kräftige Hörner, daher der Name, der „Fleisch fressender Stier“ bedeutet. Wahrscheinlich spielten sie, vielleicht gemeinsam mit einer auffälligen Färbung, eine Rolle im Revier- oder Paarungsverhalten.

Der zweite Sauropode in der Dino-Ausstellung in Bonn ist Amargasaurus. Bei ihm sind die Dornfortsätze auf den Halswirbeln bizarr verlängert. Auch er gehört mit zehn Metern Länge nicht zu den großen Sauropoden.

Diese beiden werden jedoch weit überregt von Giganotosaurus, einem der größten Raubsaurier, der jemals gelebt hat. Mit 14 Metern Länge war er sogar noch einen Meter Länger als der berühmte Tyrannosaurus rex. Die lebensgroße Rekonstruktion eines nahen Verwandten steht zu seinen Füßen: Unenlagia. Der Name bedeutet „Halbvogel“, und genau das ist Unenlagia auch. Er gehört in jene Gruppe von kleinen Raubsauriern, aus denen die Vögel hervorgegangen sind, und deshalb trägt die Rekonstruktion auch Federn.

Ein Vogelbecken-Dinosaurier

Talenkauen ist ein echter Ausreißer unter den argentinischen Dinosauriern. Er gehört nämlich nicht wie die anderen in der Ausstellung vorgestellten Dinos zu den Saurischiern, den Echsenbecken- Dinosauriern, sondern zu den Ornithischiern, den Vogelbecken- Dinosauriern (aus denen die Vögel aber eben nicht hervorgegangen sind). Da die Vogelbecken-Dinos, die ihre pflanzliche Nahrung allesamt auf dem Boden suchten, jedoch auf den Südkontinenten fast vollständig fehlten, mussten die Langhals-Dinos dort nicht in den Bäumen äsen und konnten so Formen mit kurzen Hälsen entwickeln.

Nester mit Dino-Eiern

Etwas ganz besonderes sind einige Sauropoden-Eier, die neben zahlreichen weiteren in ausgedehnten Nistgründen in Patagonien gefunden wurden. In einem ist sogar ein ungeschlüpfter Embryo enthalten.

Der absolut größte Dinosaurier

Das Highlight der Ausstellung aber war zu groß für das Museum Koenig: Das Skelett von Argentinosaurus steht in einem eigens errichteten Zelt. 38 Meter lang ist der Riese und acht Meter hoch. Damit hat der Sauropode aus der Familie der Titanosaurier die Grenzen des für ein landlebendes Wirbeltier möglichen erreicht.

Führung empfohlen

Die Ausstellung bietet eine Menge Informationen. Um ihre Aussagekraft jedoch wirklich zu erfassen, empfiehlt sich die Teilnahme an einer der Führungen, die täglich um 15 Uhr, an den Wochenenden auch zusätzlich um 11 Uhr angeboten werden. Weitere Führungen können über die Hotline des Museums gebucht werden.

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