Eisenmangel weltweit häufigste Mangelerscheinung – Wenn der Körper keine eisernen Reserven hat

Hier finden Sie Tipps und Hinweise bei Eisenmangel und Ratschläge zur Vorbeugung. Welche Lebensmittel enthalten Eisen und wie hoch ist der tägliche Bedarf.

Ständig müde und abgeschlagen, eine blasse Hautfarbe, brüchige Fingernägel und Haare: Diese Symptome können auf einen Eisenmangel hinweisen. Vor allem Frauen sind häufig unzureichend mit diesem Spurenelement versorgt. Eisen ist, wie die Gruppe der Vitamine, ein essentieller Nährstoff. Doch im Gegensatz zu den Vitaminen wird seine Bedeutung häufig unterschätzt. Dabei gehört Eisenmangel zu den weltweit häufigsten Mangelerscheinungen: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bis zu 30 Prozent der Weltbevölkerung – rund zwei Milliarden Menschen – davon betroffen. Auch in Deutschland ist eine unzureichende Versorgung mit dem Spurenelement Eisen weit häufiger als ein Vitaminmangel: Bei 2,5 Prozent der Bundesbürger wurde ein Eisenmangel festgestellt.

Risiken für einen Eisenmangel

Besonders Frauen während der Menstruation oder Kinder und Jugendliche im starken Wachstum, Blutspender und Vegetarier haben häufig einen leichten Eisenmangel, sagt Privatdozent Dr. Peter Nielsen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Auch Patienten mit Mangelernährung und Essstörungen sowie aktive Sportler unter intensivem Training gehören zur Risikogruppe. Eine Blutarmut (Anämie) als schwerste Form des Eisenmangels ist bei uns hingegen eher selten. Wer zu einer der Risikogruppen gehört und an sich Symptome wie Müdigkeit, Blässe oder verminderte körperliche Leistungsfähigkeit beobachtet, sollte seinen Arzt auf einen möglichen Eisenmangel ansprechen. Anhand der Laborbefunde des Blutbilds und weiterer Parameter lässt sich ein Eisenmangel in der Regel leicht feststellen.

Höherer Bedarf oder Eisenmangel entsteht, wenn es über einen längeren Zeitraum zu einem Missverhältnis zwischen dem Eisenbedarf für den Stoffwechsel und der Eisenaufnahme aus der Nahrung kommt. Zum einen kann dafür ein erhöhter Eisenbedarf etwa durch Schwangerschaft oder starkes Wachstum verantwortlich sein. Zum anderen kann es durch eine zu starke Regelblutung oder durch Blutverluste durch Hämorrhoiden, Bruch des Zwerchfell und Entzündungen sowie durch Tumore aller Art vor allem im Dickdarm zu Eisenverlusten kommen, erklärt Dr. Nielsen. Eisenmangel kann also ein Alarmsignal für bislang unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt sein.

Eisenversorgung durch Nahrung oft mangelhaft

Die eigentliche Eisenversorgung durch die Nahrung spielt selbstverständlich auch eine Rolle bei Mangelzuständen. Zwar bekommt man auch bei vegetarischer Kost in der Regel keinen Eisenmangel, so Nielsen. Aber für die Risikogruppen ist selbst eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse oft zu eisenarm. Eisenreich essen hilft nur bedingt. Bei leichten Formen des Eisenmangels oder des erhöhten Bedarfs kann eine eisenhaltige Ernährung zu einer Verbesserung der Situation führen. Vor allem Fisch und rotes Fleisch enthalten viel sogenanntes zweiwertiges Eisen, das vom Organismus besonders gut verwertet werden kann. Pflanzliche Nahrungsmittel (auch der oft als sehr eisenhaltig angepriesene Spinat) enthalten eher schlechter verwertbares Eisen.

Zudem gehen Mediziner bei Mischkost nur von einer mittleren Aufnahme von 10 Prozent des Nahrungseisens aus. Bestimmte Inhaltsstoffe beeinflussen zudem die Eisenaufnahme des Körpers. So fördert Vitamin C die Aufnahme von pflanzlichem Eisen. Vegetarier können daher eisenhaltige pflanzliche Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte mit Vitamin-C-reichen Beilagen wie Paprika oder Sauerkraut kombinieren. Viel bedeutsamer aber ist die häufige Hemmung der Eisenaufnahme durch Tee oder Sodagetränke mit Phosphorsäure wie etwa Cola, berichtet Dr. Peter Nielsen. Viele Getreideprodukte enthalten Polyphenole oder Inositolphosphate – Inhaltsstoffe, die die Aufnahme von pflanzlichem Eisen hemmen.

Schwerer Eisenmangel immer ärztlich behandeln

Wer sich – beim Verzicht auf Fleisch – mit eisenhaltigen Lebensmitteln ernähren will, muss um die komplexen Wechselprozesse wissen. Die medizinische Wirkung einer solchen Ernährung hat somit enge Grenzen. Jeder schwere Eisenmangel sollte mit einer oralen Eisentherapie unter ärztlicher Kontrolle behandelt werden, betont Dr. Peter Nielsen von der Hamburger Eisenstoffwechselambulanz. Wichtig dabei ist, dass ein gut verträgliches Eisenpräparat nüchtern, am besten 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen wird. Je nach Eisendefizit kann eine solche Therapie mehrere Monate andauern – auch, um verlorene Reserven wieder anzulegen. Wegen schwerer gesundheitlicher Folgen einer Überdosierung sollte man Eisenpräparate aber nie auf eigene Faust nehmen. Auch unsere Zähne und unser Zahnarzt wird es uns danken, wenn wir ausreichend Eisen im Blut haben. Fragen Sie mal bei Ihrem nächsten Zahnarztbesuch nach.

Wie viel Eisen braucht der Mensch?

Der tägliche Eisenbedarf liegt bei Männern bei etwa 1,5 Milligramm, bei Frauen während „der Tage“ sogar bei 2,5 Milligramm. Aufgrund der schlechten Verwertung bei der Eisenaufnahme durch den Körper sollte die zugeführte Eisenmenge aber höher sein. Empfehlenswert sind 10 bis 12 Milligramm. pro Tag. Für Frauen in der Schwangerschaft erhöht sich der Bedarf auf 30 Milligramm pro Tag, in der Stillzeit auf 20 Milligramm pro Tag. Um einem Eisenmangel vorzubeugen, ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung wichtig. Besonders viel Eisen enthalten Fleisch, Innereien, Gemüse und Hülsenfrüchte. Wird die Mahlzeit gleichzeitig mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln und Säften verzehrt, verbessert dies die Eisenaufnahme.

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