Enuresis: Ursachen und Behandlung des Einnässens

Wenn Kinder wiederholt einnässen.

Das Einnässen bis zum achten Lebensjahr ist nicht ungewöhnlich. Doch mitunter kann das Einnässen Gründe haben, die hinterfragt werden sollten.

Weder Kinder noch Eltern sprechen gern über das Einnässen. Für beide Seiten ist es unangenehm, weshalb Eltern nicht selten ungeduldig regieren und ihr Kind unter Druck setzen oder es gar bestrafen und abwerten – obwohl Kinder die Blasenkontrolle langsam erlernen müssen.

Worum geht es bei der Enuresis?

In der Regel entwickeln Kinder ab dem zweiten Lebensjahr die Fähigkeit, ihre Blase zu kontrollieren. Zuerst erlangen sie tagsüber die Kontrolle und dann nachts – in ihrem eigenen Tempo, bis sie schließlich ‚trocken‘ sind. Von einer Enuresis wird ausgegangen, wenn ein Kind nach dem fünften Lebensjahr regelmäßig in unpassenden Situationen einnässt – tagsüber (Enuresis diurna) und/oder nachts (Enuresis nocturna), oder wenn ein Kind, das schon über einen längeren Zeitraum trocken war, wieder einnässt. Anhand dieser Unterscheidung lassen sich die Formen und möglichen Ursachen einer Enuresis ableiten.

Formen des Einnässens

Vorab gilt es, die primäre Enuresis von der sekundären zu differenzieren. Bei der primären Enuresis war das Kind bisher nicht trocken. Die primäre Enuresis stellt die häufigste Form des Einnässens dar. Bei der sekundären Enuresis war das Kind schon mindestens sechs Monate lang trocken, bevor es wieder einnässt. Letztendlich können sich die primäre sowie die sekundäre Enuresis durch ein nächtliches Einnässen und/oder ein Einnässen tagsüber äußern.

Ursachen der primären Enuresis

Hier kommen in der Regel mehrere Faktoren zusammen, wobei der primären Enuresis meist Reifungsverzögerungen- beziehungsweise Störungen bestimmter Zentren zugrunde liegen – diese Kinder sind nicht minderbegabt, sie erlangen die Blasenkontrolle nur später. Allerdings können psychosoziale Faktoren wie ein zu frühes oder unangemessenes Sauberkeitstraining ebenfalls zu Störungen der Blasenkontrolle führen. Weiterhin können bei der primären Enuresis neurologische Erkrankungen, urologische Erkrankungen oder ein Diabetes mellitus ursächlich sein. Vor allem bei nachts einnässenden Kindern können familiäre Veranlagungen und hormonelle Regulationsstörungen eine Rolle spielen. Darüber hinaus kann die Schlaftiefe oder eine eventuelle Schlafapnoe von Bedeutung sein.

Ursachen der sekundären Enuresis

Für das Auftreten einer sekundären Enuresis sind vorrangig psychische Faktoren verantwortlich. Körperliche Ursachen sind bei der sekundären Enuresis eher selten. Oft wirken plötzliche Veränderungen wie Kindergartenwechsel oder Schulanfang auslösend. Wesentlich sind familiäre Belastungen, beispielsweise Trennungen, Umzüge, Streitigkeiten, Verlusterlebnisse oder wechselnde Bezugspersonen, was dem Kind Unsicherheit und fehlenden Halt vermittelt. Insbesondere bei der Enuresis diurna sollte an psychosoziale Faktoren gedacht werden. Obgleich auch da gewisse Haltemanöver auf körperliche Ursachen hinweisen können. Andere Kinder wiederum schieben den Gang zur Toilette zu lange auf, um das Spielen oder sonstige Tätigkeiten nicht zu unterbrechen, sodass sie daraufhin ungewollt einnässen.

Verlauf und mögliche Folgen der Enuresis

Vielfach verbessert sich die Problematik des Einnässens von ganz alleine oder bereits, nachdem die Ursachen hinterfragt wurden. Unter Umständen jedoch zieht sich ein gelegentliches Einnässen, gerade nachts, bis ins Jugendalter fort. Selbst Erwachsene nässen manchmal noch ein. Unangenehme Folgen der Enuresis können Hänseleien und Beschimpfungen sein oder die Tatsache, dass Betroffene kaum woanders übernachten mögen.

Behandlungsmöglichkeiten der Enuresis

Die Behandlung der Enuresis richtet sich nach der Ursache. Organische Ursachen wie Harnwegsinfekte sollten ausgeschaltet werden. Bei psychosozialen Ursachen sollte auf jeden Fall entsprechende Hilfe in Anspruch genommen werden. Auch Methoden aus der Körpertherapie, zum Beispiel die Craniosacrale Therapie oder Feldenkrais, können sehr wirkungsvoll sein. Überdies können naturheilkundliche Verfahren zum Einsatz kommen. Außerdem sollten Eltern unbedingt Geduld und Ruhe bewahren, und trockene Nächte loben. Nützlich ist ein ‚Sonne-Wolken-Kalender‘ – trockene Nächte erhalten eine Sonne, so erkennen Kinder selbst ihre Fortschritte. Daneben ist der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich.

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