Epilepsie-Hunde

Hunde warnen Epileptiker vor einem drohenden Anfall

Geben Hunde Epileptikern einfach nur ein allgemeines Gefühl von Sicherheit? Oder können sie wirklich einen ansetzenden Anfall riechen?

Sie funktionieren wie ein Frühwarn-System: Epilsepie-Hunde merken bis zu 20 Minuten im Voraus, dass ihr Herrchen kurz vor einem Anfall steht. Der menschliche Körper sendet vor einem Epilepsie-Anfall veränderte Botenstoffe über den Körperschweiß aus, die die gut trainierten Hunde riechen. Durch ein scharfes Bellen warnen sie ihr Herrchen rechtzeitig. Epileptiker können mit Hilfe dieser Wachhunde wieder ein fast selbständiges Leben führen.

Terrier, Schäferhund oder Labrador – eine besondere Hunderasse muss es nicht sein, erklärt Val Strong von Support Dogs in Sheffield. Im Tierheim sucht sie nach einem neuen Epilepsie-Hund. Dabei hat sie nur eines im Auge: Der Hund darf nicht das geringste Zeichen von Aggressivität zeigen. Vor fünf Jahren suchte die Ärztin nach einer neuen Karriere und begann, Hunde für Behinderte auszubilden. Eine behinderte Dame, die zudem unter Epilepsie litt, wollte kurze Zeit später einen Hund. Doch Val hielt davon zuerst gar nichts, wie sie Suite 101 erklärt: „Ich hatte Angst, dass der Hund negativ auf einen Anfall reagiert, sie eventuell attackieren würde. Wir haben dann zusammen einen Hund ausgesucht und vorsichtig trainiert. Nach drei Monaten begann der Hund sie vor ihren Anfällen zu warnen!“ Seitdem hat Val mehrere Epilepsie-Hunde ausgebildet. Das Training dauert bis zu sechs Monate: In der letzten, intensivsten Phase ist der Klient ständig dabei, denn jeder epileptische Anfall äußert sich anders, abhängig davon, welche Gehirnregion betroffen ist.

Mehr als nur ein Freund: Epilepsie-Hunde schlagen Alarm

Bis zu sechs epileptische Anfälle pro Monat bestimmten Sarah Parkers Leben. Aus Angst irgendwo inmitten fremder Menschen einen Anfall zu bekommen, versteckte sie sich jahrelang in ihrer Wohnung. Ihr Hund Topper warnt sie jetzt vor einem Anfall, so dass sie einen sicheren Ort aufsuchen kann. Topper hat auch gelernt ihr nach einem Anfall die Schuhe auszuziehen und ihre Füße zu lecken, damit sie aufwacht und wach bleibt. Außerdem kann er eine Notklingel betätigen, so dass ihre Familie alarmiert wird. Es bleibt Sarah aber meist genügend Zeit, einen Verwandten anzurufen und Medikamente zu nehmen, die den Anfall zwar nicht verhindern, doch zumindest in seiner Stärke reduzieren.

Skepsis unter Wissenschaftlern

Flackerndes Licht, Alkohol, falsches Essen oder aber Stress können einen epileptischen Anfall auslösen – Topper vermittelt Sarah Sicherheit und seitdem hat sie deutlich weniger Anfälle. Unter Wissenschaftlern bestehen Zweifel an diesem „6. Sinn der Hunde“. Der eminente Neurologe Michael Doherty vom Epilepsie-Zentrum in Seattle kommt in einer Studie für die Zeitschrift Neurology zu dem Schluss, dass ein Hund an der Seite „Zuversicht und Ruhe gibt und deswegen die Häufigkeit von Anfällen vermindern kann. Diese Fähigkeit des Hundes – während oder nach eines Anfalls zu helfen – ist unter Umständen lebensrettend“.

Epilepsie hat noch immer das Stigma einer unheimlichen Krankheit, dabei ist es nichts anderes als eine erhöhte Aktivität der Nervenzellen. Mehrere Nervenzellen entladen sich gleichzeitig, was zu unkontrollierbaren Bewegungen führt. Ein schwerer Schlag auf den Kopf, ein Unfall, Schlaganfall, Tumor oder eine Infektion des Gehirns können Epilepsie hervorrufen. Sarah leidet seit langem unter der Krankheit – in ihrem Fall verursacht durch eine komplizierte Geburt. Als sie selbst schwanger war, hatte sie Angst, weiter ihre Medikamente zu nehmen. „Ich war ratlos. Die Medikamente, die ich benötigte, hätten dazu führen können, dass mein Kind mit einem Herzfehler zur Welt kommt oder später unter Lernschwierigkeiten leidet“, erzählt die Bibliothekarin. Sarah verzichtete auf die Medikamente und verließ sich während der Schwangerschaft ganz auf Topper. Ein hübscher Junge sitzt heute neben ihrem fast stolz lächelnden Labrador. Die Ausbildung der Hunde steckt noch in den Kinderschuhen, in Deutschland gibt es bisher erst ein Zentrum in Bremen, das angefangen hat, Epilepsie-Hunde auszubilden.

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