Erfolgreich ohne Ellenbogen – Auf sanftem Weg zu mehr Macht im Büro

Karriere macht, wer die Spielregeln kennt. Mit diesen zehn Tipps kommen Sie dem Chefsessel Schritt für Schritt näher.

Die Welt ist ungerecht: Da strampeln Sie sich für die Firma ab, sind zuverlässig, kompetent und engagiert – und wer macht Karriere? Dieser Windbeutel von einem Kollegen! Unerfreulich, aber wahr: Wissenschaftler schätzen, dass die Fachkenntnis eines Mitarbeiters nur zu rund 20 Prozent Ausschlag gebend für dessen beruflichen Erfolg sind. Oder, mit Jürgen Schrempp gesprochen: „Es sind selten die schlausten Studenten, die am Ende in einer Firma nach oben kommen, weil es mir überhaupt nichts bringt, wenn ich das Richtige weiß, solange ich es nicht durchsetzen kann.“

Der sanfte Weg nach oben

„Durchsetzungsvermögen“ – das klingt für viele nach Druck, Zwang, brutaler Rücksichtslosigkeit. Dabei bedeutet sich durchzusetzen nichts anderes, als andere Menschen so zu beeinflussen, dass sie das tun, was einem selbst nützt. Wie das geht? Jede Firma besteht aus Menschen und Menschen treffen ihre Entscheidung nicht aus rein sachlichen Gründen. Ihr Chef, Ihre Kollegen: Alle werden von ihren Emotionen gesteuert. Beeinflussen Sie die Emotionen anderer und gewinnen Sie Macht über sie.

Karrieregesetz Nr. 1: Pflegen Sie Ihren Chef

Ohne ihn geht nichts: Ihr direkter Vorgesetzter ist Ihr Verbündeter Nummer eins auf dem Weg zu mehr Macht im Büro. Ihr Chef sollte jeden Grund haben, Sie zu mögen und zu schätzen – und Sie vor seinem eigenen Boss zu loben. Das bedeutet: Sie sind zuverlässig. Sie erledigen alle anfallenden Aufgaben so zügig und gut wie möglich. Und, ganz wichtig: Sie vergessen nicht, auch darauf hinzuweisen! Fortgeschrittene erledigen mit Vorliebe Aufgaben, die ihrem Vorgesetzten unangenehm sind. Passen Sie sich außerdem seinem Arbeitsstil- und tempo an: Ihr Chef ist Frühaufsteher? Dann sitzen auch Sie ab sieben im Büro.

Karrieregesetz Nr. 2: Loben ohne Schleimen

Loben ist eine tolle Methode, um psychologischen Einfluss zu gewinnen. Ihr Chef wird Sie in einem positiveren Licht sehen und Ihnen mehr Vertrauen schenken. Doch wer sich ungeschickt dabei anstellt, wird ganz schnell als Schleimer enttarnt. So macht man Komplimente, ohne zu schleimen: Loben Sie konkrete Handlungen, keine allgemeine Eigenschaften. Machen Sie Komplimente in Anwesenheit Dritter, denn das wirkt doppelt. Loben Sie Ihren Chef in seiner Abwesenheit und seien Sie versichert: Es wird bei ihm ankommen. (Das gleiche gilt übrigens für schlechte Nachrede!)

Karrieregesetz Nr. 3: Netzwerkpflege ist Karrierepflege

Niemand ist eine Insel. Damit Sie erfolgreich sein können, müssen eine Menge Menschen tun, was Sie wollen: Ihnen zuarbeiten, Informationen rechtzeitig weiterleiten, Aufgaben mit Ihren abstimmen. Das geht am einfachsten, wenn Ihre Kollegen Sie mögen und daher Interesse an Ihrem Erfolg haben. Ihr Ziel lautet also: Gewinnen Sie Freunde. Arbeiten Sie dafür an Ihrer Kommunikation: Üben Sie, sich in Ihre Gesprächspartner hinein zu versetzen. Hören Sie zu, ohne zu unterbrechen. Nehmen Sie Meinungen, die nicht Ihrer Meinung entsprechen, ernst. Kontakte wollen regelmäßig gepflegt werden – die Initiative übernehmen Sie! Geizen Sie niemals mit tatkräftiger Hilfe, sondern gehen Sie anderen zur Hand, wo Sie können. Betrachten Sie solche Gefälligkeiten als Guthaben: Beim nächsten Mal ist der andere Ihnen einen Gefallen schuldig.

Karrieregesetz Nr. 4: Der Widerspenstigen Zähmung

In jeder Firma gibt es Menschen, die alles daran setzen, einem Steine in den Weg zu legen. Machen Sie solchen Widerlingen klar, dass kooperatives Verhalten in ihrem eigenen Interesse liegt. Zum Beispiel, weil sich Ihr Projekt sonst verzögert und die Firma finanzielle Verluste hinnehmen muss. In diesem Fall würde Ihr Kollege sicher Probleme mit Ihrem Vorgesetzten bekommen. Der steht nämlich fest auf Ihrer Seite (siehe Punkt 1). Das kann Ihr Kollege ja wohl unmöglich wollen.

Karrieregesetz Nr. 5: Wissen ist Macht

Allerdings nur, wenn man vor den anderen informiert ist. Eine Informationsquelle, die Sie nicht unangezapft lassen sollten, ist die Sekretärin oder Assistentin Ihres Chefs. Wenn sie ihren Job gut macht, ist sie ist immer besser informiert als Sie selbst. Behandeln Sie sie mit ausgesuchter Höflichkeit und voller Respekt, dann wird sie Sie an ihrem Wissen teilhaben lassen. Zum Beispiel darüber, wo demnächst ein Plätzchen in der Hierarchie frei wird. Und dann heißt es: Frühzeitig Interesse anmelden!

Karrieregesetz Nr. 6: Gutes tun und drüber sprechen

Es geht hier nicht um peinliches Selbstlob. Vielmehr sollen Mitarbeiter und Vorgesetzte wissen, was Sie alles tun, damit die Firma voran kommt. Denn nur der Firma gilt natürlich Ihr ganzes Interesse! Informieren Sie darum Ihren Boss in regelmäßigen Abständen über die Fortschritte Ihrer Arbeit – wenn möglich, im persönlichen Gespräch.

Karrieregesetz Nr. 7: Fehler? Was für Fehler?

Sie haben einen Fehler gemacht. Nun liegt die Kunst darin, es so aussehen zu lassen, als hätten Sie gar nicht anders handeln können. Machen Sie klar, dass Ihre Entscheidung von Ihrem damaligen Wissensstand her vernünftig und richtig war. Betonen Sie außerdem, was Sie alles zur Schadensbegrenzung unternommen haben. Und: Vertuschen Sie nichts! Das vergrößert das Problem im Zweifelsfall nur noch.

Karrieregesetz Nr. 8: Bitte nicht schwächeln

Sie zweifeln an sich, fühlen sich Ihrer Arbeit nicht gewachsen, fürchten, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben? Darüber sollten Sie mit jemandem reden – aber bitte nicht innerhalb Ihrer Firma. Wer an sich zweifelt, an dem zweifeln auch andere. Die Gefahr, dass solche Informationen an Ihren Chef gelangen, ist groß. Schließlich will auch Ihr Kollege Karriere machen.

Karrieregesetz Nr. 9: PR in eigener Sache

Sie würden gerne die Geschäftsführung auf sich aufmerksam machen, nur leider kennen die nicht mal Ihren Namen? Diese Möglichkeiten gibt es: Übernehmen Sie Sonderaufgaben, zum Beispiel in einem interdisziplinären Projekt, das direkt von der Geschäftsleitung initiiert wurde. Oder engagieren Sie sich als Ausbilder in der innerbetrieblichen Weiterbildung. Versuchen Sie, an Meetings teilzunehmen, an denen auch Mitglieder des Topmanagements beteiligt sind. Die Hauszeitschrift ist ein gutes Organ für Selbst-PR: Schreiben Sie über etwas, was Ihre Abteilung besonders gut hingekriegt hat.

Karrieregesetz Nr. 10: Kleider machen Leute

Unterschätzen Sie niemals die soziologischen Faktoren. In Deutschland stammen 80 Prozent der Führungskräfte in der Wirtschaft aus dem gehobenen- oder dem Großbürgertum. Auch wenn es klischeehaft klingt: Ein gewissens Auftreten, bestimmte Umgangsformen und Interessen (Golfen, Segeln …) gehören zum Chefhabitus dazu. Kandidaten, die dies nicht einschüchtert, haben bessere Chancen. So kommen Sie entsprechend rüber: Üben Sie, selbstbewusst zu gehen, zu stehen, zu sprechen. Und orientieren Sie sich beim Kleidungsstil an Ihrem Chef!

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