Essverhalten: Das Auge isst mit! – Von Lebensmittel-Optik und Food-Design

Je nach dem, wie appetitlich unser Essen aussieht, hat es Auswirkungen auf unser Essverhalten.

Sprichwörter bringen klar und knackig auf den Tisch, was in neuerer Zeit erst durch umfangreiche Studien belegt werden muss. „Das Auge isst mit“ gehört zu den bekanntesten Redewendungen, die auch heute noch Verwendung finden. Natürlich mögen wir besonders gern, was hübsch angerichtet, appetitlich, frisch und einfach lecker aussieht. Wir ziehen es Speisen vor, deren Farbe, Konsistenz, Frischegrad etc. nicht unseren Vorstellungen oder umserem Geschmack entspricht.

Optische Eindrücke unserer Lebensmittel und zubereiteten Speisen

Meist wird deutlich unterschätzt, wie groß die Rolle der optischen Wahrnehmung in unserer Ernährungsweise ist. Von wesentlicher Bedeutung ist

  • die Lebensmittel-Auswahl,
  • die persönliche Einschätzung des Frischegrades
  • die individuelle Erwartungshaltung

Die optische Wahrnehmung der zum Verzehr gedachten Lebensmittel kann unser Essverhalten massiv steuern. Alsallererster Eindruck des betreffenden Lebensmittels bildet die Optik auch einen gewissen Zugang, hilft bei der Entscheidung: Essen oder nicht essen?

Durch optische Täuschungen (wie etwa die farbliche Ausleuchtung des Gemüseregals im Supermarkt) oder auch durch massive Reize von außen (Musik, Werbung, Überangebot an ähnlichen Varianten) wird die Nahrungsmittelauswahl oft deutlich erschwert.

Der Sehsinn und seine Bedeutung für das Essverhalten

Im frühesten Säuglingsalter ist unser Sehsinn noch nicht vollständig ausgebildet, durch Erfahrung und Entwicklung reift die optische Wahrnehmung heran. Jeder optische Eindruck wird bei ausgebildetem Sehsinn analysiert und ganz individuell interpretiert. So kann es dazu kommen, dass die Informationen gegebenenfalls von dem Gesehenen deutlich abweichen. Inzwischen weiß man aber, dass das visuelle System speziell Essbares besonders schnell erkennen kann. Hier scheint der Frischegrad zu den wichtigsten Auswahlkriterien zu gehören. Schön angerichtete Speisen vermitteln Appetit und suggerieren guten Geschmack, bei unverpackten Lebensmitteln ist Verdorbenes oft leicht erkennbar, wird dann meist abgelehnt.

Wahrnehmung und optische Täuschung – Einfluss auf das Essverhalten

Da unser Gehirn optische Reize nicht getrennt verarbeiten kann, können Täuschungen – auch wenn sie uns bewusst werden – nicht aufgehoben werden. Vor einem dunklen Hintergrund nehmen wir helle Gegenstände größer war, als dunkle Gegenstände vor hellem Hintergrund. Dies hat zur Folge, dass zum Beispiel Packungs- und Portionsgrößen über- beziehungsweise unterschätzt werden, was wiederum Einfluss auf das Kauf- und damit auch auf das Essverhalten haben kann. Das realistische Abschätzen geeigneter Portionen wird ebenso erschwert, wenn Teller von unterschiedlicher Form aber mit gleichem Fassungsvermögen zur Auswahl stehen.

Je größer die jeweils zur Verfügung stehende Portion ist, umso größer ist die Aufnahme von Kilokalorien während einer Mahlzeit. Wer also immer einen großen Teller verwendet und sich große Portionen schöpft, ist tendenziell mehr (auch über den Sättigungsgrad hinaus).

Das natürliche Gefühl für Hunger und Sättigung und auch das angemessene Reagieren auf diese Körpersignale werden nach und nach verlernt. Beginn und Ende von Mahlzeiten werden von Außenreizen bestimmt – nicht aber mehr von den eigenen Körpersignalen. Die Folge ist ein gestörtes Essverhalten, langfristig ein ungesunder Ernährungs- und schlechter Gesundheitsstatus und ein Körpergewicht außerhalb der Norm.

Die Welt der Farben in der Welt des Geschmacks

Der Mensch ist in der Lage, Farben mit Geschmack zu verknüpfen. So verbindet er beispielsweise gelbe Lebensmittel häufig mit einem saurem Geschmack, grüne mit einem bitteren, rot oder ros mit einem süßen Geschmack. Doch die Farben unserer Lebensmittel geben unseren Sinnen nicht nur Auskunft über den vermutlichen Geschmack, sondern auch über Qualität, Reife und Frische. Weichen diese Farben oder Nuancenvon unseren individuellen Erwartungen ab, wird die Auswahl des Lebensmittel wiederum erschwert. Wir sind verunsichert und irritiert (blaues Eis, grüner Ketchup etc.).

Genauer hinschauen lohnt sich!

Unsere Augen und die mit ihnen aufgenommenen und verarbeiteten Informationen beeinflussen also in wesentlichem Maße nicht nur was wir essen, sondern auch

  • wo,
  • wie viel,
  • wann,
  • mit wem und
  • warum

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