Fragwürdige Einstellungskriterien

Sternzeichen, Blutgruppe oder Handschrift im Recruiting. In verschiedenen Medien finden sich immer wieder Berichte darüber, dass Einstellungen nicht unbedingt nach objektiven fachlichen Kriterien erfolgen.

Besonders beliebt ist demzufolge die Personalauswahl nach dem Sternzeichen oder nach den Kriterien der Graphologie. Bei Einsatz der Graphologie zur Vorauswahl müssen die Bewerber ihren Unterlagen ein handschriftliches Dokument beifügen, das dann von einem Graphologen analysiert wird, um etwas über Motivation, Intelligenz, Durchsetzungsvermögen und Arbeitsqualität des Bewerbers herauszufinden.

Schriftenanalyse als Vorauswahlkriterium im Bewerbungsprozess

Die Methode der Graphologie ist nach wie vor sehr umstritten, wird aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz hauptsächlich von kleinen und mittelständischen Betrieben im Recruiting neuer Mitarbeiter praktiziert – zwar nicht im großen Stil, aber es ist nicht immer nur von Einzelfällen auszugehen. Aus der Reihe der kleinen und mittleren Unternehmen tanzte insbesondere die große Fluggesellschaft SwissAir, die ihre zukünftigen Piloten und Pilotinnen tatsächlich anhand der Schriftprobe vorselektierte.

Das Sternzeichen als Entscheidungshilfe: Vorstellungsgespräch oder Absage?

In Österreich suchte ein Unternehmen per Zeitungsannonce weitere Verkäufer mit bestimmten Sternzeichen, die auch explizit in der Stellenausschreibung genannt wurden. Hintergrund war, dass die Geschäftsführung bei der Lektüre ihres aktuellen Geschäftsjahresberichts festgestellt haben wollte, dass Angehörige bestimmter Sternzeichen besonders profitabel und erfolgreich arbeiteten.

Japan: die Rolle der Blutgruppe im Recruiting-Prozess

Im Land der aufgehenden Sonne ist auf der Grundlage traditioneller japanischer Medizin der Trend zu beobachten, dass Mitarbeiter nach ihrer Blutgruppe ausgewählt werden, da in der fernöstlichen Heilkunde jeder Blutgruppe bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden.

Verstöße gegen das AGG

Streng genommen handelt es sich bei der Vorauswahl von Personal nach halbwissenschaftlichen Kriterien wie Graphologie oder Astrologie um einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Wird eine Stelle explizit nur für Angehörige bestimmter Sternzeichen ausgeschrieben, werden hiermit die Personen diskriminiert, die zufällig nicht in einem der genannten Tierkreiszeichen geboren wurden. Ähnlich würde es sich verhalten, wenn Bewerber durch Kartenleger oder Hellseher ausgewählt würden oder wenn Bewerbungen automatisch auf den Absagestapel wandern würden, nur weil sie an einem regnerischen Tag oder während eines heftigen Hitzegewitters in der Personalabteilung eingetroffen sind. Die persönliche und fachliche Eignung eines Bewerbers rückt bei derartigen Methoden jedenfalls vollkommen in den Hintergrund.

Pauschalierung von Personen

Bestimmten Tierkreiszeichen werden gemeinhin bestimmte Eigenschaften zugeschrieben: Stiere sollen besonders eigensinnig und stur sein, Löwen eher selbstverliebt und dementsprechend selbstbewusst, Jungfrauen wiederum weinerliche Buchhalter-Naturen. Es ist mehr als fraglich, ob man mit diesen sehr allgemeinen, pauschalen Charakterisierungen jedem Individuum vollumfänglich gerecht wird.

Die Meinung von Personalern und Recruitern

Die meisten Profis aus dem Personalbereich verwahren sich in unterschiedlichen Internet-Foren gegen solche Personalauswahlinstrumente, zumal sie dies als unseriös einstufen, da weder ein Sternzeichen noch eine Handschrift etwas Konkretes über die Eignung des Bewerbers für die ausgeschriebene Stelle aussagen. Normalerweise wählen seriöse Personalverantwortliche zukünftige Mitarbeiter nach fachlichen Gesichtspunkten aus (Zusammenstellung der Unterlagen, Qualifikation, Berufserfahrung, bisheriger beruflicher Werdegang).

Analog gilt dies auch für weitere esoterische und halbwissenschaftliche Methoden wie Aurasehen, Kaffeesatzlesen, Irisdiagnose und so weiter.

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