Gesundheitsberatung durch Ärzte

Wo die gesundheitsbezogene Informationsvermittlung durch Ärzte an ihre Grenzen stößt.

Ein Großteil der Ärzteschaft beansprucht die Gesundheitsberatung als eine wesentliche Aufgabe für sich. Im Hinblick auf die präventivmedizinischen Maßnahmen sowie die Vorsorgeuntersuchungen besteht kein Zweifel daran, dass es sich bei diesen Maßnahmen um den Aufgabenbereich und damit um die Domäne von Ärzten handelt. Da sich Gesundheitsberatung aber nicht nur als eine Methode der Prävention versteht, sondern durchaus auch bei gesunden Menschen Anwendung findet, um dort Gesundheit im Sinne der Gesundheitsförderung ganz unspezifisch zu fördern, stellt sich die Frage, ob Ärzte in Bezug auf eine gesundheitsfördernde Ausrichtung der Gesundheitsberatung nicht an ihre Grenzen stoßen.

Widersprüchlichkeit der ärztlichen Gesundheitsberatung

Von Widersprüchlichkeit muß schon deswegen gesprochen werden, weil die Orientierung der Ärzteschaft berufsbedingt auf Krankheiten und damit zusammenhängend auf einzelne und äthiologische Pathogene (für Krankheiten ursächliche Faktoren) und deren Behandlung gerichtet ist. Sie richtet sich also nicht an Salutogenen, sprich Gesundheitsfaktoren aus. Verstärkt wird diese besondere Sichtweise der Ärzte durch die medizinische Ausbildung, auch wenn ein generelles Interesse der Hochschulabsolventen an Inhalten der Gesundheitsförderung vorhanden ist. Weitere Schwierigkeiten und Grenzen, die sich für Ärzte im Umgang mit Gesundheitsförderung ergeben, liegen in der unspezifischen, ganzheitlichen Sichtweise der Gesundheitsförderung begründet. Eine solche umfassende Herangehensweise liegt den meisten Ärzten aber aufgrund ihres berufsbedingten, symptomorientierten Denkens und Handelns, welches sich meist auf einzelne spezifische pathogene Faktoren richtet, häufig völlig fern.

Ärztliche Gesundheitsberatung mithilfe des Risikofaktorenmodells

Ärztliche Gesundheitsberatung basiert in ihrer Konzeption meist auf dem Risikofaktorenmodell, welches einzelne Risiken des Patienten wie zum Beispiel Übergewicht oder Rauchen für die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten in den Fokus stellt, um sie dann besser eliminieren zu können. Thematisiert werden infolgedessen innerhalb der Beratung meist gesundheitsschädigende Faktoren wie besipielsweise Ernährungsfehler, Zigaretten- oder Alkoholkonsum, Bewegungsmangel oder Streß. Von den Ärzten, wobei es sich hierbei oft um niedergelassene Mediziner handelt, welche die psychischen und sozialen Merkmale ihrer Patienten relativ gut kennen, werden trotzdem eher kognitive und motivationale Aspekte bei der Beratung berücksichtigt. Nur vereinzelt werden psycho-soziale Faktoren in einem ärztlichen Beratungsgespräch bedacht. Fehlen solch emotionale und soziale Komponenten oder werden im Gespräch vernachlässigt, sind Beratungen nicht von allzu großer Effektivität gekennzeichnet.

Atmosphäre und Vertrauen zwischen Arzt und Patient schaffen

Das Schaffen einer positiven Beziehung zwischen Patient und Arzt führt dazu, dass der Patient sich emotional angesprochen fühlt, was wiederum größere Erfolgsaussichten in Bezug auf eine gelungene Intervention bedeutet. Unterstützen kann dies die Technik des „aktiven Zuhörens“, welche auch in pädagogischen und psychologischen Berufsfeldern zur Anwendung kommt. Ebenso können Methoden der Verhaltensmodifikation die Gesundheitsberatung unterstützen. Da aber angesichts des bestehenden Zeitdrucks während der Behandlung aufgrund des vorgegebenen Zeitfensters nicht annähernd soviel Zeit bliebe, um solchen Anforderungen an eine Beratung gerecht werden zu können, liegt eine Annäherung an eine ganzheitliche ärztliche Gesundheitsberatung noch in weiter Ferne.

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