Gynäkologika bei Frauenleiden

Phytotherapie bei Menstruationsproblemen und Frauenleiden. Heilpflanzen und pflanzliche Fertigpräparate können die Beschwerden von Frauen in vielen Bereichen lindern und den Allgemeinzustand verbessern.

Frauenleiden – ein Thema was gern ausgeschwiegen wird und dennoch jede dritte Frau betrifft. Hier bietet die Natur vielerlei Mittel, Symptome zu lindern und das Wohlbefinden wieder herzustellen.

Menstruation

  • Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Es handelt sich um einen Beschwerdekomplex in der 2. Zyklushälfte ca. 7-10 Tage vor der Menstruation, der sich in Schwellen der Brüste (Mastodynie), Kopfschmerzen (ggf. Migräne), Völlegefühl, Blähungen, Verstopfung, gesteigertem Appetit, Heißhunger, Gewichtszunahme, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, depressiver Verstimmung, Spannungsgefühl, gesteigerter Aggressivität, Angst, Reizbarkeit, innerer Unruhe, Nervosität, Unterleibs- und Kreuzschmerzen und/ oder Wassereinlagerungen äußern kann.

Ursachen sind oft erblich bedingte hormonelle Unausgewogenheiten (Östrogen-Gestagen-Verhältnis; Dopamin setzt aus dem Hypophysenvorderlappen das Hormon Prolactin frei), möglicherweise auch stressbedingte psychische bzw. psychosoziale Probleme.

  • Dysmenorrhoe

Es handelt sich um Monatsblutungen mit krampfartigen Schmerzen, die unabhängig von der Blutungsstärke auftreten. Häufig sind die Beschwerden begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen (ggf. Migräne) oder Rückenschmerzen.

Die Beschwerden werden von Entzündungsbotenstoffen (Prostaglandinen) ausgelöst, die zum Menstruationszeitpunkt freigesetzt werden (aus dem Grund empfiehlt sich die Gabe von Hemmstoffen der Entzündungsboten wie z.B. Aspirin).

Ärztlich sind folgende weitere Ursachen abzuklären: Endometriose (außerhalb der Schleimhautschicht der Gebärmutterhöhle auftretende Schleimhaut), Myome (gutartige Geschwülste), Polypen in der Gebärmutter (Geschwulst, die sich aus Schleimhaut aufbaut), Gebärmutterfehlbildungen, Verengungen des Gebärmutterhalses (Zervikal-stenosen), Krampfaderbildung im Becken (Varicosis pelvis), Intrauterinpessar, psychosomatische Faktoren.

  • Verlängerte und verstärkte Monatsblutung (Menorrhagie)

Es handelt sich um eine verlängerte (mehr als 6 Tage andauernde) und verstärkte Monatsblutung. Häufig liegen Myome (gutartige Geschwülste), Uterus myomatosus (Geschwülste in der Gebärmutter) oder Korpuskarzinome (Gebärmutterkörperkrebs) vor.

Auch Intrauterinpessare können verstärkte Monatsblutungen auslösen. Eine gynäkologische Abklärung vor einer Behandlung mit Phytotherapeutika ist dringend anzuraten.

  • Zusatzblutungen (Metrorrhagie)

Außerhalb des Zyklus auftretende Zusatzblutung können durch Endometrium-karzinom (Krebs in der Schleimhaut der Gebärmutter) oder auch hormonelle Schwankungen durch Zysten in hormonausschüttenden Drüsen verantwortlich sein. Vor der Verordnung von Phytopharmaka sollte eine ärztliche Abklärung stehen.

  • Aussetzen der Monatsblutung (Amenorrhoe)

Unter Amenorrhoe versteht man das Ausbleiben der Monatsblutung. Man unterscheidet zwischen primärer (Ausbleiben der Monatsblutung bis zum 16. Lebensjahr) und sekundärer Amenorrhoe (Ausbleiben der Monatsblutung nach zuvor bestehender Monatsblutung).

Ursachen der primären Amenorrhoe sind z.B. Störungen im Bereich der Geschlechtsorgane, des Hormonsystems, Autoimmunerkrankungen, angeborene Stoffwechselerkrankungen, schwere Systemerkrankungen.

Ursachen der sekundären Amenorrhoe sind z.B. Schwangerschaft, Stillzeit, Menopause (= letzte Monatsblutung), hormonelle Störungen, Störungen der Schilddrüse bzw. der Nebennierenrinde, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), schwere Allgemeinerkrankungen, Psychosen, Bestrahlungsfolgen, Leistungssport, psychisch bedingte Belastungssituationen oder Medikamenteneinnahme (Zytostatika, Bluthochdruckmittel, Psychopharmaka, Metoclopramid (MCP, Paspertin®), Cimetidin, Hormone).

  • Ist Selbstmedikation vertretbar?

Wie aus den Beschreibungen der verschiedenen Beschwerden ersichtlich ist, können viele Krankheitsgründe vorliegen, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen.

Pflanzliche Mittel sollten in Absprache mit dem Arzt eingesetzt werden, da sie einerseits die Therapie sinnvoll ergänzen, andererseits aber auch stören können.

Pflanzliche Mittel

Unterstützend können pflanzliche Mittel eingesetzt werden (siehe Tabelle). Die für die Wirkung verantwortlichen Inhaltsstoffe sind noch nicht definiert. Aus dem Grund empfiehlt sich gegebenenfalls die Einnahme standardisierter Fertigarzneimittel.

Beschwerden und Pflanzliche Mittel

  • Prämenstruelles Syndrom (mittelschwere Beschwerden)

Keuschlammfrüchte, Traubensilberkerzenwurzelstock

  • Geschwollene Brüste (Mastodynie)

Keuschlammfrüchte, Wolfstrappkraut

  • Dysmenorrhoe-Krampflösende Drogen (volksmedizinischer Einsatz):

Gänsefingerkraut, Schafgarbenkraut, Frauenmantelkraut

  • Beruhigende Drogen

Melissenblätter, Lavendelblüten, Hopfenzapfen, Baldrianwurzel

  • Verstärkte Monatsblutung (Menorrhagie)

Hirtentäschelkraut

  • Zusatzblutungen (Metrorrhagie)

Keuschlammfrüchte

  • Sekundäre Amenorrhoe

Keuschlammfrüchte

Allgemeine Beschwerden im Bereich der weiblichen Genitalien

  • Ausfluss (Fluor vaginalis)

Es handelt sich um dünn- bis dickflüssigen Scheidenausfluss, der aufgrund von mechanischer Reizung (Pessar, Fremdkörper oder Gebärmuttervorfall), chemischer Reizung (z.B. häufige Scheidenspülungen, unverträgliche Seifen), Infektionen (durch Bakterien, Viren, Trichomonaden, Pilze), Östrogene (Hormone, die besonders zur Zyklusmitte vermehrt im Blut vorliegen), Fisteln (angeborener oder erworbener röhrenförmiger Gang zwischen Körperhöhlen und der äußeren oder inneren Körperoberfläche), Schwangerschaft oder Gebärmutterkrebs auftreten kann.

Eine ärztliche Abklärung der Ursachen ist dringend anzuraten. Phytotherapeutische Maßnahmen in Form von Sitzbädern sind insbesondere bei Infektionen nicht anzuraten.

  • Entzündung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane (Vulvitis) und Scheidenentzündung (Kolpitis)

Bei der Vulvitis handelt es sich um eine Entzündung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane, die mit brennenden Schmerzen, Juckreiz, Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verbunden ist.

Man unterscheidet primäre Vulvitis (bedingt durch Infektionen mit Herpes genitalis und Papillomaviren) und sekundärere Vulvitis, die verschiedene Ursachen haben kann:

Harninkontinenz (Probleme, kontrolliert Wasser zu lassen), Fisteln, mechanische Reizung, chemische Reizung (Seifen, Waschzwang, Waschmittel, das für die Unterwäsche verwendet wird) oder systemische Ursachen (Östrogenmangel, Allergien, Diabetes mellitus).

Bei der Kolpitis handelt es sich um eine Scheidenentzündung mit Fluor vaginalis (Ausfluss mit unangenehmem Geruch), Jucken oder brennenden Schmerzen.

Sie kann bedingt sein durch Verdrängung der physiologischen Scheidenflora (Östrogenmangel, Antibiotika, Scheidenspülungen) oder begünstigt sein durch Diabetes mellitus, Schwangerschaft oder hormonelle Kontrazeption.

  • Stellenwert der Phytotherapie

Die aufgeführten Beschwerden bedürfen einer ärztlichen Abklärung. Pflanzliche Mittel zielen nicht auf die Behebung der Ursachen, sondern können nur die Symptome lindern.

Bei Fluor vaginalis kann die natürliche Scheidenflora durch Milchsäurevaginalzäpfchen (z.B. Vagiflor®, abends vor dem Schlafengehen ein Zäpfchen einführen) wiederhergestellt werden.

Die bei sekundärer (nicht infektionsbedingter!) Vulvitis und Kolpitis verwendeten Drogen sind keimhemmend bzw. entzündungshemmend (antiphlogistisch) und können in Form von Sitzbädern eingesetzt werden: Schafgarbenkraut, Kamillenblüten (alkoholische Auszüge, die in Wasser gegeben werden) adstringierend (Gerbstoffdrogen): Eichenrinde, Hamamelisblätter und -rinde.

Zusätzliche allgemeine Maßnahmen:

  • Verzicht auf einengende Kleidung, Baumwollwäsche bevorzugen
  • Auf Hygiene im Genitalbereich achten (dabei am besten klares Wasser verwenden und auf Seifen verzichten)
  • Partner bei Infektionen (zur Vermeidung des „Ping-Pong-Effektes“) mit behandeln (lassen)

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