Haut-Immunsystem – die Immunzellen unserer Haut

Statische Keratinozyten und dynamische Lymphozyten bilden die Verteidigungsbarriere unserer Haut: Das „hautassozierte Lymphoidgewebe“ (SALT) des Haut-Immunsystems (SIS).

Wenn Sonnenanbeter nach dem versonnenen Sonnenbad unversonnen aus der sonnenverbrannten Haut fahren möchten, wenn die Staphylokokken-Invasion die gestörte Hautbarriere bei Neurodermitis und Schuppenflechte bedroht, dann nimmt der äußerste Verteidigungsvorposten unseres Körpers die SOS-Signale wahr, dann nimmt das Immunsystem unserer Haut den Kampf auf. Heute betrachtet man die Haut als wichtigen Bestandteil unseres körpereigenen Immunsystems, wobei eine Vielzahl von Körperzellen an den Immunreaktionen bei Haut-Infektionen beteiligt sind: Das Immunreaktions-Team unserer Haut bilden ortsständige Körperzellen und im Körper herumwandernde dynamische Immunzellen.

Die Keratinozyten des Haut-Immunsystems können nicht aus der Haut fahren

Mitgehangen, mitgebraten, mitgefangen; lebende Keratinozyten können bei zu starker Sonneneinstrahlung nicht aus der Haut fahren, höchstens im späteren Entwicklungsstadium als tote Hornzellen von der Hornschicht abschuppen, oder sich nach dem Sonnenbrand großflächig abhäuten. Die hornbildenden Keratinozyten gehören als ortsständige Hautzellen zum so genannten statischen Zellenanteil unseres Haut-Immunsystems. Keratinozyten kommen auch in der normalen und nicht entzündeten Haut vor, so wie die Keratinozyten gehören auch die Fibroblasten des Bindegewebes und die Endothelzellen der Blutgefäße zum statischen Teil des kutanen Immunsystems.

Keratinozyten setzen bei Gefahr als SOS-Signal Cytokine frei

Keratinozyten machen mit etwa 90 Prozent der Trockenmasse den Hauptteil der Zellen unserer Epidermis aus, für das Haut-Immunsystem sind sie bei Infektionen somit von größter Bedeutung. Keratinozyten können auf krankheitserzeugende Noxe als Signalmoleküle Cytokine freisetzen, wenn Noxe als pathogene Mikroben oder Fremdstoffe den Organismus zu schädigen versuchen, lösen die Keratinozyten mit diesen Signalmolekülen eine Immunantwort aus. Zum Beispiel bilden Keratinozyten bei Neurodermitis das Thymic Stromal Lymphopoitein (TSLP), es ist in den betroffenen entzündeten Hautstellen signifikant erhöht. Solche Cytokine aktivieren bei Infektionen als Signalmoleküle zum Beispiel spezialisierte Immunzellen der Epidermis – die Langerhans-Zellen.

Die Langerhans-Zellen der Epidermis wandern bei Hautentzündungen aus

Wanderer, kommst du nach Sparta, und bekommst du auf deinem Wanderweg nach Sparta eine Hautinfektion; dann Wanderer, wandern deine Langerhans-Zellen aus der Haut in den nächsten regionalen Lymphknoten und verkündigen dorten, sie hätten Antigene feindlicher Mikroben in oder auf der Haut liegen gesehn. Beim immunologischen Verteidigungskrieg der Haut wandern mobile Immunzellen in die Haut ein und können auch wieder auswandern – sie können als dynamischer Teil unseres Haut-Immunsystems betrachtet werden. Langerhans-Zellen gehören zu unserer angeborenen Immunität und können eine angepasste Immunantwort auslösen.

Langerhans-Zellen wandern als Antigen-präsentierende Zellen aus der Haut aus

Langerhans-Zellen gehören als dendritische Zellen zu den so genannten Antigen-präsentierende Zellen (APC, Antigen-Presenting Cells). Langerhans-Zellen lungern in der Epidermis herum, schnappen sich in der Haut artfremde Antigene und Allergene als Fremdstoffe und wandern aus der Haut aus – zum nächsten Lymphknoten der Haut. Im Lymphknoten präsentieren die Langerhans-Zellen die artfremden Eiweißstoffe den Lymphozyten des Immunsystems und veranlassen damit, dass zum Beispiel so genannte naive T-Helferzellen unseres adaptiven Immunsystems zu hilfreichen TH2-Helferzellen ausreifen. Diese TH2-Helferzellen wandern dann als mobile Immunzellen in die erkrankten Hautregionen ein und stürzen sich in den immunologischen Verteidigungskrieg unter der Haut (siehe Grafik).

SALT ist das Salz in der Immunzellen-Suppe von SIS

Das Salz in der Immunzellen-Suppe der Immunabwehr unserer Haut nennt man auch SALT, es steht seit 1983 für das immunologische Konzept des Skin-Associated Lymphoid Tissue und bedeutet übersetzt so viel wie hautassoziertes Lymphoidgewebe. Es besteht aus der Kombination ortsständiger Zellen wie den Keratinozyten der Epidermis und den Endothelzellen der Blutgefäße sowie aus den zwischen der Haut und den regionalen Lymphknoten umherwandernden Zellen – wie die dendritischen Zellen und Lymphozyten. Mittlerweile wurde das immunologische SALT-Konzept aber vom SIS-Konzept des Haut-Immunsystems erweitert (SIS, Skin Immune System). Das SIS-Konzept des Haut-Immunsystems beinhaltet auch Signalmoleküle wie Cytokine, Eicosanoide und Neuropeptide sowie weitere Immunzellen wie Mastzellen und Makrophagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.